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Falk-Prozess : Die Ehefrau im Zeugenstand

Wird verdächtigt einen Mordauftrag erteilt zu haben: Unternehmer Alexander Falk. Bild: dpa

Im Prozess um den mutmaßlichen Mordauftrag von Alexander Falk entlastet seine Partnerin den Angeklagten. Sie sagt, ihr Mann habe in dem angeschossenen Rechtsanwalt J. keinen Feind gesehen.

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          Bevor sie beginnt, muss Nadia Falk etwas loswerden. Sie hat gerade den Gerichtssaal betreten, viele Blicke sind ihr zur Anklagebank gefolgt, wo sie ihren Ehemann mit einem schnellen Kuss begrüßt hat, dann hat sie im Zeugenstuhl Platz genommen. Sie ist aufgeregt, ihr Mund ist trocken – aber verstehen kann das im Saal wohl jeder. Sie ist hier, um in dem Verfahren auszusagen, in dem ihr Mann angeklagt ist, einen Mordauftrag gegen einen Frankfurter Rechtsanwalt gegeben zu haben.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Ich bin nervös“, sagt sie zum Vorsitzenden Richter, bevor sie mit ihrer Aussage beginnt. Sie spricht von der emotionalen Belastung. Davon, wie schwer es ist, ihren Mann so zu sehen. Aber Nadia Falk, die selbst Anwältin ist, will unbedingt aussagen. Obwohl sie das nicht müsste als Ehefrau und auch nicht als dritte Verteidigerin, als die sie auftritt, wenngleich sie vor Gericht tatsächlich noch nicht als solche in Erscheinung getreten ist.

          In den folgenden Stunden berichtet sie von den Jahren, die sie und ihren Mann hierher geführt haben. Vom Betrugsverfahren rund um den Verkauf eines Falk’schen Unternehmens und der Verurteilung zu vier Jahren Haft im Jahr 2008. „Das war es, was es zu bekämpfen galt“, sagt sie und meint damit: Das Zivilverfahren um Schadensersatz im selben Zusammenhang, in dem der angeschossene Frankfurter Anwalt Wolfgang J. mit federführend war und in dem die Staatsanwaltschaft das Motiv für den Mordauftrag sieht, habe keine große Rolle für das Ehepaar gespielt. Ihr Mann habe über viele Verfahrensbeteiligte geschimpft, aber „J. ist nicht sein Feindbild gewesen“.

          „Es ist etwas Schreckliches passiert. Auf Herrn J. ist geschossen worden.“

          Deshalb kann Nadia Falk auch die Schadenfreude ihres Mannes nicht einordnen, die auf einer heimlich gemachten Aufnahme über den Schuss auf den Anwalt zu hören ist. Sie selbst schildert eine andere Reaktion darauf. Damals sei die Familie in ihrem Haus in Südafrika gewesen, ihr Mann sei zu ihr gekommen, „leichenblass und geschockt, wie ich ihn nur selten gesehen habe“, und habe gesagt: „Es ist etwas Schreckliches passiert. Auf Herrn J. ist geschossen worden.“ Sein Schock, glaubt sie, kam auch daher, dass er Angst vor einem Bezug zu sich selbst hatte – denn er hatte zuvor zwei Bekannte beauftragt, Daten des Anwalts zu beschaffen, die ihn entlasten könnten.

          Später berichtet die Zeugin noch von einem Anruf eines jener Männer, den sie mithörte. Er habe zu ihrem Mann gesagt: „Ich weiß, dass du den Auftrag nicht gegeben hast. Aber wir wollten deine Ehre wiederherstellen.“ Was es damit auf sich haben könnte, wenn J. doch nicht als Feind galt, weiß Nadia Falk nicht. Doch dass die Beziehung mit den Bekannten, den Brüdern B., eine schlechte Wendung nahm, schildert sie ausführlich.

          Dabei geht es um starken Druck, den die Männer ausübten, nachdem der wegen der Verfahren klamme Alexander Falk sich 250.000 Euro von ihnen geliehen hatte. Sie berichtet von ihrer Angst um ihn, weil sie von Beginn an ein schlechtes Gefühl wegen der Brüder gehabt habe. Und schließlich erzählt sie von zahllosen Erpressungsversuchen über sieben Jahre hinweg, die im Ton immer härter wurden, sodass sie irgendwann um ihre gesamte Familie fürchtete. Selbst die Rückzahlung des Geldes und weiterer angeblicher Schulden hätten die Drohungen nicht gestoppt. In diesem Zusammenhang fallen auch die Namen des Kronzeugen und eines weiteren Hauptbelastungszeugen, der seine Aussage inzwischen gedreht hat.

          Zur Polizei gingen die Falks zu keinem Zeitpunkt. Aus Angst vor abermalige Berichterstattung, die beim Betrugsverfahren tiefe Spuren hinterlassen hatte. Aus Angst vor dem, was die gewollten und ungewollten Verbindungen zu den Erpressern womöglich für Falk bedeuten könnten, der noch seine letzte Haftzeit absitzen musste. Und aus Angst davor, welche Reaktion der Brüder B. drohen könnte. Inzwischen läuft ein entsprechendes Ermittlungsverfahren. Auch der Kronzeuge Etem E., der Alexander Falk vergangene Woche schwer belastet hat, ist Teil davon. Nächste Woche wird E. weiter befragt.

           

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