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Organisiertes Einkaufen : Speis und Trank ohne schlechtes Gewissen

Papier statt Plastik: Von Geschäftsinhaberin Anna-Sophie Schwabe erfahren die Teilnehmer der Hofheimer Händlertour, womit sich Tüten ersetzen lassen. Bild: Michael Kretzer

„Fairwandeln“ nennt sich eine organisierte Einkaufstour in Hofheim. Die Teilnehmer lernen dabei, ihre Konsumgewohnheiten zu überprüfen.

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          Die buntbedruckten Bienenwachstücher erzeugen bei mancher Teilnehmerin nostalgische Gefühle: „Ach, die gibt es wieder“, freut sich eine ältere Dame beim Stöbern in den Regalen im Laden von „Eva Kreker – Tee und Geschenke“. Das erinnere sie sehr an die eigene Großmutter, die in solche Wachstücher Wurst und Käse eingewickelt habe. Die Frischhaltepraxis aus alter Zeit geschehe mit einem wiederverwertbaren Produkt, das auf einfache und nachhaltige Art jedwede Plastikfolie ersetze, erfahren die Zuhörer von Geschäftsinhaberin Anna-Sophie Schwabe. Auch der zur Verkostung kredenzte grüne Mango-Passionsfrucht-Tee aus dem Hause Ronnefeldt ist handgepflückt, versehen mit Biosiegel und unter sozialen und ökologischen Bedingungen hergestellt und gehandelt. Beim der fünften Hofheimer Händlertour stehen unter dem Motto „Fairwandeln“ nachhaltige Produkte und die Verantwortung der Verbraucher bei ihrer Kaufentscheidung im Mittelpunkt.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Ermöglicht durch Engagement Global und eine Kooperation von Volkshochschule und Stadt Hofheim, stöbern 45 Teilnehmer durch jene Geschäfte und Restaurants der Hofheimer Innenstadt, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Im Teeladen gebe es außer Restbeständen im Keller keinerlei Plastiktüten mehr, berichtet Schwabe. Der Tee werde in Papiertüten gepackt, oder die Kunden brächten gleich ihre Dosen zum Nachfüllen mit.

          Kompostierbare Strohhalme und Becher aus Maisstärke werden in „Blancas Soulfood“ verwendet. Blanca Zahlten reicht darin selbstgemachte Limonaden aus Orange, Ingwer und Minze oder einen bei den Gästen beliebten Wassermelone-Limetten-Trunk. Von ihrer Oma aus Paraguay, die Hühner und Ziegen halte, einen großen Gemüse- und Kräutergarten bearbeite und noch nie in ihrem Leben ein Fertigprodukt gegessen habe, übernehme sie viele Rezepte. Dass veganes Essen auch schmecken kann, wollen sie und ihr Ehemann Christopher seit knapp einem Jahr in Hofheim beweisen.

          Bio und fair gehandelt

          Wenn Fleisch auf der Speisekarte stehe, dann handele es sich um Biofleisch oder solches aus Weidezucht, alle Milchprodukte seien in Bio-Qualität und der Kaffee „fair“ gehandelt. Bei Gemüse und Obst sind nicht nur biologisch angebaute Sorten im Angebot. Das sei nicht zu realisieren: „Dann müssten wir Preise aufrufen, die in Hofheim keiner zahlen würde“, befürchtet Zahlten. Immerhin habe schon ein Koch im Restaurant leckere Menüs aus weggeworfenen Lebensmitteln gezaubert. Die Teller seien allesamt leer gegessen worden.

          Ein gutes Schlückchen Kaffee der neuen Kaffeerösterei Laux aus dem Stadtteil Diedenbergen genießen die Teilnehmer bei ihrem Stadtbummel im Schokoladenladen „Edel und Süß“ von Heidi Nies, wo die Röster ihre edlen Sorten ausschenken. Dazu wird die rosafarbene Kakaofrucht „Ruby“ gereicht, die besonders fruchtig schmeckt und keinerlei Lebensmittelfarbe enthält. Während die Gäste genüsslich an den Kakaobuttersplittern „Fleur de Sel“ naschen, verdeutlicht Inhaberin Nies an einer Leinwand anhand der Anbaugebiete von Kakao und den Vertriebswegen, wer die eigentlichen Profiteure des Geschäfts mit der Schokolade sind. Weder Produzenten noch Aufkäufer verdienten, sondern die Großunternehmen, die Schokoladen in unseren Supermärkten vermarkteten, lautet ihr Fazit. Verbraucher sollten daher mit offenen Augen einkaufen und lieber einen Euro mehr ausgeben, um Dumpinglöhne und Kinderarbeit zu vermeiden.

          Dieser Aufgabe verschreibt sich der Eine-Welt-Laden, in dem es ausschließlich faire und nachhaltige Waren gibt. Matthias Henrich, Vorsitzender des Vereins Faire Welt, weist die Gäste insbesondere auf fair produzierte Cashewkerne und Wein aus Afrika hin. Das bleibt nach einigen Kostproben nicht ohne Reaktion der Verbraucher: Mehrere Flaschen Rot- und Weißwein wandern über den Ladentisch. Wie im Tee- und Schokoladen-Laden zuvor, nutzt gar mancher Teilnehmer den organisierten Bummel für einen Einkauf. Dies ist für die präsentierten fairen Produkte das größte Kompliment.

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