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Fair Finance Week : „Beim Crowdfunding ist klar, wer das Geld bekommt“

  • -Aktualisiert am

Vermittler: Patrick Mijnals (links) und Thorsten Schreiber betreiben eine Plattform für Crowdfunding. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Fair Finance Week beschäftigt sich mit der Schwarmfinanzierung. Dabei geht es im dritten Jahr der Veranstaltungsreihe vor allem um Nachhaltigkeit in der Finanzbranche.

          Der Herr in Reihe zwei zögert einen Moment, Jamal El Mallouki seinen Zehn-Euro-Schein zu geben. Dann lässt er sich überzeugen, so wie einige weitere Besucher der dritten Veranstaltung der Fair Finance Week Frankfurt auch. „So funktioniert Crowdfunding“, sagt El Mallouki, als er die Geldscheine wieder zurückgibt. Allerdings sei es in der Realität zu aufwendig, Menschen einzeln nach Geld zu fragen, weshalb dies über das Internet geschehe. Aber das Prinzip sei das gleiche: Viele Menschen geben wenig Geld, und so kommt eine größere Summe zusammen.

          Dabei sei es nicht so, dass beim Crowdfunding die Geldgeber das investierte Kapital grundsätzlich nicht zurückbekämen, wie El Mallouki hervorhebt. Bei Crowdinvesting und Crowdlending gehe es darum, das eingesetzte Geld mit Rendite zurückzubekommen. Mit seinem Vortrag hat der Präsident des Bundesverbands Crowdfunding im Haus am Dom die Podiumsdiskussion zum Thema „Geld aus der Crowd statt von der Bank – neue Impulse für ein nachhaltigeres Finanzwesen“ eröffnet. Gut 60 Frauen und Männer sind der Einladung gefolgt.

          Jeder hat seine eigene Interpretation, was nachhaltig bedeutet“

          Dass Crowdfunding zahlreiche Vorteile biete und zu Nachhaltigkeit in der Finanzbranche führen könne – in dieser Hinsicht zeigen sich die Teilnehmer des Podiums einig: „Jeder hat seine eigene Interpretation, was nachhaltig bedeutet“, sagt El Mallouki. Mit Crowdfunding könne jeder dort investieren, wo er Nachhaltigkeit erfüllt sehe. „Außerdem ist transparent, wer das Geld bekommt.“

          Aus Sicht von Alexandra Partale bringt die Schwarmfinanzierung auch der Geldnehmerseite Vorteile gegenüber dem Weg zur Bank. Mit ihrer Internetseite www.place2help.org unterstützt Partale im Rhein-Main-Gebiet Projekte, die sich auf Spendenbasis finanzieren. „Viele davon bringen keine Rendite und sind deshalb für Banken uninteressant. Da bleibt Crowdfunding als einzige Chance“, meint Partale. Gleichzeitig stärkten solche Aktionen auf regionaler Ebene das Zusammengehörigkeitsgefühl, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernähmen.

          Gezielt aufmerksam machen

          Auch in der Außendarstellung könne Crowdfunding Projekten oder Unternehmen Vorteile bringen, meint der dritte Teilnehmer der Runde, Patrick Mijnals. Er ist Geschäftsführer der Crowdinvesting-Plattform Bettervest. „Es ist ja nicht nur das Geld, das zusammenkommt, sondern die Kampagnen schaffen auch Öffentlichkeit“, sagte Mijnals. Über die Sozialen Medien sei es möglich, Menschen gezielt auf einen Verein oder ein Produkt aufmerksam zu machen.

          Auch wenn der Titel der Veranstaltung implizierte, dass in der Zukunft Crowdfunding die klassischen Banken als Geldgeber einmal ablösen könnte – ganz so weit wollten die Teilnehmer der Diskussion nicht gehen. Stattdessen sahen sie Co-Finanzierungen als aussichtsreiche Option; also, dass ein Teil des Kapitals aus der Crowd und ein Teil von der Bank kommt.

          Tobias Stieber, der sich bei der Triodos Bank mit neuen Geschäftsfeldern beschäftigt, berichtet: „Zu mir sind schon oft Kunden gekommen, die Crowdfunding direkt als einen von mehreren Finanzierungsbausteinen mitgedacht haben.“ Auf diesem Feld sieht sieht Stieber für die Zukunft Potential.

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