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Fahrt mit dem Rettungsdienst : Eine Nacht und eine böse Ahnung

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Es ist kurz nach Mitternacht, als Müller-Witte und Reis wieder zurück in die Wache fahren. Im Rettungswagen sind das Summen der Klimaanlage und das Scheppern der Schubladen zu hören. Ansonsten ist es ruhig. Müller-Witte arbeitet gerne in der Nacht. „Es hat etwas Faszinierendes.“ Manchmal überfällt ihn schon eine Art „Déjà-vu“ oder eine böse Ahnung. „Wenn man die Nachricht bekommt, dass irgendwo jemand herumliegt.“ In dem Moment leuchtet das Funkgerät auf. Ein weiterer Alarm ertönt. Es handelt sich um einen Notfall ohne Blaulicht: „Eine Frau mit einem Gewicht von 180 Kilogramm kommt nicht mehr aus dem Fernsehsessel.“

Für schwere Patienten besondere Tragen nötig

Am Einsatzort in Obertshausen ist die Feuerwehr schon da. Eine Reihe Schaulustiger hat sich unter dem Wohnzimmerfenster der Frau versammelt. „Alle mal ein Stück weitergehen“, ruft ein verärgerter Feuerwehrmann der Menge zu. Auf dem Weg zum Hauseingang dreht sich ein Nachbar noch einmal nach dem Fenster um. Müller-Witte hat selbst erlebt, wie erniedrigend solche Situationen für die Patienten sein können. Ein 340 Kilogramm schwerer Mann sei am Flughafen ausgelacht worden, als die Rettungskräfte versucht hätten, ihn ins Krankenhaus zu transportieren, erinnert er sich. Auch die Ärzte hätten improvisieren und ihn auf mehrere Matratzen legen müssen.

Inzwischen wird in solchen Fällen ein Sonderrettungswagen eingesetzt. Müller-Witte erklärt, dass der Wagen mit einer speziellen Trage und einer Hebebühne ausgestattet sei. Die Trage hebe ein Gewicht von 750 Kilogramm, normale Tragen schafften nur 175 Kilo. Auch die Feuerwehr habe sich auf besonders schwere Fälle vorbereitet und ein neues Gerät angeschafft. „Die neue Hubrettungsbühne ist eine große Erleichterung“, sagt der Rettungsassistent. Sie könne perfekt angewinkelt werden und fahre „nicht nur in den Himmel rein“.

Der nächste Fall: verwirrte Person an der Haltestelle

Auf dem ausgefahrenen Gelenkmast des neuen Geräts werden jetzt zwei Feuerwehrmänner langsam zu dem Fenster im zweiten Stock hochgefahren. Oben wird die Frau in einer Schleifkorbtrage vorsichtig auf die Bühne gewuchtet und dann heruntergefahren. Als sie den Boden erreicht, schaut sie unsicher und erschöpft. Mit dem übergroßen Tragetuch versuchen schließlich zehn Rettungskräfte, die Frau auf die Liege des Rettungswagens zu hieven. „Wir haben es fast geschafft“, ruft ein Feuerwehrmann ihr zu. Im Inneren des Krankenwagens sind auf ihren Beinen rote Stellen zu sehen, die von den Füßen aufwärts bis hin zu den Knien führen. Reis erläutert, dass die Frau Fentanylpflaster gegen Schmerzen genommen habe. „Die haben sich nicht gut mit der Hitze vertragen.“

Inzwischen ist es zwei Uhr in der Nacht. Der nächste Notruf geht ein. Reis hält sich das Funkgerät ans Ohr: „Eine verwirrte Person an einer Bushaltestelle.“ Im fahlen Licht eines Laternenmasts finden die Rettungsassistenten wenig später einen jungen Mann vor, der eine Hand gegen den Hals drückt. „Ich bin von einer Biene gestochen worden“, stößt er mit aufgequollenen Augen hervor. Dann beugt er seinen Körper zur Seite, als habe er Mühe, aufrecht zu stehen. Reis zeigt auf die Rötungen auf dem Arm des Mannes. „Er hat Quaddeln.“ Der Mann muss ins Krankenhaus gebracht werden. Reis vermutet eine allergische Reaktion leichterer Art. „Aber die Situation kann sich schnell verschlechtern.“

„Ein Luftröhrenschnitt ist immer heikel“

Im Krankenhaus atmen die Rettungskräfte auf. „Hätte sich sein Zustand verschlechtert, wäre ein Luftröhrenschnitt notwendig gewesen“, sagt Reis. Der sei immer heikel. Reis weiß nicht, ob ihn in einem solchen Moment vielleicht der Mut verlassen hätte. „Selbst erfahrene Rettungskräfte sind da vorsichtig.“

Um halb vier wollen die Männer etwas ausruhen. Doch meistens wird daraus nur ein sehr leichter Schlaf. „Es gehen einem immer noch sehr viele Gedanken durch den Kopf“, sagt Müller-Witte. Doch das findet er normal. „Es wäre kritisch, wenn es nicht so wäre.“ Trotzdem gibt es für ihn keine sinnvollere Arbeit.

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