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Fahrschule Kirsch : Sie nannten ihn „Feuer“

Es gibt die Naturtalente, die schon auf dem Bauernhof der Eltern immer Traktor gefahren sind. Es gibt die Mittelmäßigen, die sich schwertun. „Mein Chef sagt immer: Jeder ist ausbildbar“, sagt Ivo. Aber nicht allen ist das Fahren in die Wiege gelegt. „Es gibt echte Problemfälle“, sagt Ivo. Was macht er, wenn beide verzweifeln, Lehrer und Schüler? Wenn es sinnlos erscheint? Neulich war Ivo drauf und dran, einer 60 Jahre alten Landsmännin zu sagen, sie solle es bleiben lassen. Aber dann hat sie ihm ihre Geschichte erzählt. Der Führerschein sei das Erste im Leben, was sie für sich tue, habe sie gesagt. „Der musste ich einfach helfen“, sagt Ivo. Die Prüfung lief dann auch richtig gut. „Ist ja wie mit Michael Schumacher hier“, habe der Prüfer gesagt.

Inzwischen hat er fünf Zweigstellen

In der Fahrschule Kirsch bekommt jeder Fahranfänger einen Flyer in die Hand. Da stehen die Namen sämtlicher Fahrlehrer drauf, mit Handynummer. Zoran, Maher, Ivo, Goran, Adil, Al, Mhannad, Ahmed und Firdevs. Ingo, Burkhard, Friedel, Daniel, Martin und Olaf. Die Namen von neun der 15 Fahrlehrer klingen nicht deutsch. Ingo Kirsch sagt, das sei Zufall. „Das ist halt Frankfurt.“

Vor 20 Jahren hat er seine Fahrschule gegründet. Mit einer Filiale an der Friedberger Landstraße im Nordend fing es an, heute hat er fünf Zweigstellen: Auch in Bockenheim, im Gallus, in Sachsenhausen und in Offenbach leuchten der Schriftzug und die rote Kirsche, das Erkennungszeichen, an der Fassade. Kirschs Traum ist es, dass es einmal genügt, nur noch die Kirsche zu zeigen. Und man weiß, wer das ist.

Neunzig Prozent schaffen die Theorie

Mit 15 Fahrlehrern und 20 Autos ist die Fahrschule Kirsch heute der Platzhirsch in Frankfurt. 1000 Schüler lernen hier jedes Jahr das Fahren. Vier von fünf bestehen die praktische Prüfung im ersten Versuch. Neunzig Prozent schaffen die Theorie auf Anhieb.

Wie wird man Fahrlehrer? „Allgemein oder persönlich?“, fragt Kirsch zurück. An der Wand hängt ein Schwarzweißfoto. Sein Vater zwischen Benz und Käfer. 1960 hatte er die Fahrschule Benno Kirsch in Dillenburg gegründet, aber die lief nur ein paar Jahre.

„Viele Fahrlehrer fahren durch“

Ingo Kirsch nennt sich einen „Autofetischisten“. Als 1998 der „New Beetle“ auf den Markt kam, hat er den sofort angeschafft. „Wir fahren immer die neuesten Autos“, sagt der Chef. Golf 7, Audi A5: „Da sind die Jungs ganz heiß drauf.“ Er least die Autos für zwei Jahre, dann gibt er sie wieder zurück. Fahrschulen sind bei den Herstellern sehr beliebt, sagt Kirsch. „Das ist das erste Auto des Kunden. Und das wissen sie.“

Wer Fahrlehrer werden will, lernt vier Monate lang das Grundwissen. Nach der ersten Prüfung geht er in eine Ausbildungsfahrschule. Spätestens zwei Jahre danach folgt die zweite Prüfung: eine Fahrstunde mit einem Prüfer hintendrin. „Das ist sehr anspruchsvoll, viele fallen durch“, sagt Kirsch.

„Das ist alles dein Fahrstreifen“

Ein Fahrlehrer hat viele Freiheiten, er kann den Tag weitgehend selbst gestalten. Viele bleiben trotzdem nicht lange, die Fluktuation ist groß. „Viele denken, das ist der absolute Traumjob. Man fährt den ganzen Tag spazieren“, sagt Kirsch. So sei es aber nicht. „Man muss hellwach sein. Der Fahrschüler versucht ja permanent, sich selbst und Sie umzubringen.“ Nach acht Stunden im Auto sei man nicht am Gardasee, sondern „platt“. Auch für Ivo ist das Autofahren auf dem Beifahrersitz hart. „Man kann nie abschalten“, sagt er. Außerdem das ständige Sitzen. „Null Bewegung, man rostet ja ein.“

Frau Nowak fährt zu weit rechts. Ivo greift ins Steuer und zeigt, wie viel Platz da noch auf der Kleyerstraße ist. „Das gehört alles dir, das ist alles dein Fahrstreifen“, sagt er und lenkt. Frau Nowak nickt und gibt Gas.

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