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Gefährliche Großstadt : Radfahrer in Not

Fahrradfahren: In Großstädten ist die Fortbewegung an der frischen Luft manchmal gefährlich. Bild: dpa

Fahrradfahren ist in Großstädten wie Frankfurt nicht immer sicher, genügend Beispiele zeigen, warum. Damit sich daran etwas ändert, braucht es vor allem Mut in der Stadtverwaltung.

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          Wer in Großstädten wie Frankfurt Rad fährt, der braucht eine große Portion Mut. Sosehr sich auch Umwelt- und einige Verkehrspolitiker freuen, wenn Bürger ihr Auto stehen lassen und aufs Fahrrad umsteigen, so wenig ist bisher in der Gesellschaft angekommen, dass Radfahrer – zumal wenn ihre Zahl immer größer wird – Platz benötigen, außerdem Ampelschaltungen und Verkehrsführungen, die ihren Bedürfnissen entsprechen.

          Radfahrer sind mehr als eine wuselige Truppe, die sich zwischen Autos, Straßenbahnen und Lastwagen irgendwie ihren Weg bahnt. Wie wenig Rücksicht auf sie genommen wird, dafür sind die zahlreichen schweren und tödlichen Unfälle durch rechts abbiegende Lastwagen und Busse ein beredtes Beispiel. Eine einfache technische Nachrüstung, die wenige tausend Euro kostet, kann Abhilfe schaffen.

          Mit gutem Beispiel voran

          Die FES, das für die Frankfurter Müllentsorgung zuständige Unternehmen, geht jetzt diesen Weg und stattet alle Müllfahrzeuge und Großkehrmaschinen mit Abbiegeassistenten aus. Damit geht die FES als gutes Beispiel voran, schließlich ist sie genau dort unterwegs, wo sich die Radler auch bewegen – in den Wohnvierteln.

          Das Beispiel müsste Schule machen. Die Verkehrsminister, auch der hessische, kämpfen zwar schon länger darum, dass alle neuen Lastwagen mit Assistenzsystemen ausgestattet und die alten nachgerüstet werden. Doch das wird aufgrund europaweiter Regelungen dauern. Und automatisch bremsen wird dann immer noch kein Betonmischfahrzeug auf dem Weg zur innerstädtischen Baustelle. Auch wenn sich das der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) als nächstes Ziel wünscht.

          Mut in der Stadtverwaltung nötig

          Immerhin enthält die in der vergangenen Woche beschlossene Novelle der Straßenverkehrsordnung ebenfalls einen Passus zum Thema. Nutzfahrzeuge mit mehr als drei Tonnen dürfen künftig beim Rechtsabbiegen nur noch Schritt fahren, also nur eine Geschwindigkeit zwischen vier und sieben Stundenkilometer erreichen.

          Das klingt gut. Doch angesichts der Tatsache, dass bundesweit allein in diesem Jahr schon sechs Radfahrer durch rechts abbiegende Fahrzeuge getötet worden sind, muss mehr getan werden. Die Forderungen, die der ADFC kürzlich erstaunlicherweise gemeinsam mit dem Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung in Berlin erhoben hat, geben die Richtung vor. Da geht es um den Umbau von Kreuzungen, damit Radler gar nicht erst neben Lastwagen zu stehen kommen, um getrennte Ampelschaltungen und darum, dass bei Zufahrten zu Baustellen das Queren von Radwegen gemieden wird. Um all dies zu verwirklichen, braucht es in den Stadtverwaltungen noch immer viel Mut.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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