https://www.faz.net/-gzg-9klqq

Deutschlands Pendlerhauptstadt : Überrolltes Frankfurt

Vollgestopfte Straßen: die Schattenseite der Pendlerhauptstadt. Bild: dpa

Der Frankfurter Verkehr droht unter der Belastung der Autos im Chaos zu versinken. Sind die Hoffnungen aufs Fahrrad übertrieben?

          Die Autos überrollen Frankfurt. Ihre Zahl wächst von Jahr zu Jahr – trotz aller Bemühungen, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Die Zahlen der neuen Stadtrandzählung sprechen eine deutliche Sprache: Die Pendlerflut ist nicht zu bändigen. Wie sollte es anders sein, wenn nicht nur Frankfurts Einwohnerschaft, sondern auch die vieler Umlandgemeinden von Jahr zu Jahr wächst?

          Abhilfe kann hier nur der Ausbau des Schienennetzes schaffen. Doch bis auf der Nordmainischen S-Bahn oder auf der Regionaltangente West die ersten Züge rollen, wird es noch einige Jahre dauern. Bis dahin muss man sich im Rhein-Main-Gebiet irgendwie durchwurschteln.

          Zunahme des Radverkehrs

          Einen Lichtblick stellen der kontinuierliche Rückgang des Autoverkehrs in der Frankfurter Innenstadt sowie die deutliche Zunahme des Radverkehrs dar. Wobei der Radverkehr nicht im Winter, sondern im Herbst gemessen wurde. Trotzdem: Ein guter öffentlicher Nahverkehr und der Ausbau des Radwegenetzes scheinen das richtige Rezept zu sein, um ein Verkehrschaos zu verhindern.

          Allerdings setzen viele zu große Hoffnungen auf das Rad. Gewiss, immer mehr Bürger gewinnen Lust am Radfahren. Manchmal sind die vielen neuen Fahrradständer in Frankfurt derart überparkt, dass man nur mit Mühe einen Abstellplatz findet. Mit dem Rad steht man nicht im Stau, ist oft schneller am Ziel als mit Bus oder Auto. Außerdem ist das Radeln billig, gesund und belastet nicht die Umwelt.

          Doch der Radverkehr hat einen Feind – das Wetter. Sobald es regnet oder die kalte Jahreszeit anfängt, lassen viele ihr Rad zu Hause stehen und nehmen das Auto oder die Bahn. Das heißt in anderen Worten: Die Straßen und Bahnen werden durch den Radverkehr nur temporär deutlich entlastet. Wenn’s stürmt und friert, erwartet auch die radelnde Bevölkerung in ihrer Mehrheit ein vollwertiges Angebot an Bussen, Bahnen und Straßen.

          U-Bahnen und Straßenbahnen

          Doch U-Bahnen oder Straßenbahnen kann man nicht nur an nassen und kalten Tagen betreiben, sie müssen das ganze Jahr über fahren. An den schönen Tagen verlieren sie Fahrgäste an das Rad. Die Kosten bleiben dennoch bestehen.

          Auch wenn der Radverkehr weiter zunimmt, können Städte wie Frankfurt oder Darmstadt auf keine einzige Straßenbahn- oder Buslinie verzichten. Nur der öffentliche Nahverkehr ist deshalb eine wirklich nachhaltige Verkehrsform.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bsirskes Zeit bei Verdi : Immer wieder Frank

          Verdis Vorsitzender Frank Bsirske geht in Rente. 19 Jahre lang leitete er die größte Baustelle der Gewerkschaftsbewegung. Fertig ist sie noch nicht.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.