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Factory Outlet in Montabaur : Zur Schnäppchenjagd in den Westerwald

Wertvoll: Blick vom ICE-Halt auf den Bauplatz in Montabaur. Hier soll das Factory Outlet Center entstehen. Bild: Kretzer, Michael

Bald sollen auch aus Rhein-Main Heerscharen von Kunden per ICE oder über die A3 nach Montabaur zum Kleiderkauf kommen. Das ist der Plan der Entwickler des Factory Outlets, das dort entsteht. Weil Nachbarn das nicht wollten, sind seit der Idee bis zum Baubeginn im Herbst zehn Jahre verstrichen.

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          Von wegen Reste-Rampen. Factory Outlets sind ein hochprofitabler Vertriebsweg für Markenartikel mit eigens dafür entworfenem Einkaufsparcours an Standorten, die zuvor genau nach Einzugsgebiet und potentieller Besucherfrequenz untersuchten wurden. Das gilt für Wertheim, für Zweibrücken und das trifft auch auf den neuesten Konsumpark dieser Art im Großraum Rhein-Main zu, mit dessen Bau man noch in diesem Jahr in der Westerwald-Stadt Montabaur beginnen will.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Das „Fashion Outlet Montabaur“ soll dann 2014 direkt neben dem ICE-Bahnhof und der Autobahn 3 eröffnet werden. Doch die Gravitation, die ein solcher Rabatt-Weiler entwickelt, ließ in Nachbarstädten aus Hessen und Rheinland-Pfalz größte Befürchtungen entstehen: So leistete etwa das hessische Limburg seit Beginn der Planungen vor rund zehn Jahren besonders erbitterten Widerstand gegen ein aus 76 Marken-Shops bestehendes Gebilde, in dem von Hugo Boss, Guess und Gaastra bis Desigual fast alles vertreten sein soll, was in breiten Käuferschichten als Qualitätsmarke gilt. Aber nicht nur die Limburger sahen ihren innerstädtischen Einzelhandel in Gefahr, auch Koblenz, Dietz und Neuwied gingen auf die Barrikaden, um ihren innerörtlichen Handel zu schützen. Doch der Versuch, das gerichtlich durchzufechten, scheiterte in allen Instanzen. Die streitbaren Nachbarn des Outlets soll das alles in allem bis zu 400000 Euro gekostet haben.

          Ein heimattreuer Internet-Millardär

          Wenn von nun an alles planmäßig läuft, wird im Herbst 2014 das „Fashion Outlet Montabaur“ eröffnen. Knapp 14000 Quadratmeter Mietfläche werden entstehen, wie der Projektbeschreibung zu entnehmen ist. Verantwortlich für die Entwicklung und den Betrieb ist Stable International aus den Niederlanden mit der Tochter Stable International Development Germany GmbH, die auch in Leipzig ein Factory Outlet entwickelt.

          In Montabaur tritt als Investor die Fashion Outlet Grundbesitz GmbH auf. Dahinter steht der Montabaurer Telefonie- und Internet-Milliardär Ralph Dommermuth, aus dessen Firma 1&1 die börsennotierte United Internet AG wurde. Trotz aller Erfolge ist der als unprätentiös geltende Unternehmer seiner beschaulichen Heimat treu geblieben, er wohnt nach wie vor in der Westerwälder Verbandsgemeinde. Und er investiert dort auch.

          4,9 Milliarden Euro Nachfragevolumen im Jahr

          Nach Frankfurt wie nach Köln sind es von Montabaur aus etwa 90 Kilometer. Per Zug braucht es eine knappe Dreiviertel Stunde aus den Metropolen bis zur Schnäppchenjagd im Westerwald, im Auto etwa eine Stunde, wie die Planer vorrechnen. Ein Stau auf der A3 ist dabei gewiss nicht einkalkuliert.

          Auf 17,5 Millionen Einwohner in diesem Einzugsgebiet kommen die Handelsstrategen und errechnen ein Nachfragevolumen von 4,9 Milliarden Euro im Jahr für das Outlet in Montabaur. Spätestens bei diesen Zahlen wird klar, dass es sich nicht um den Abverkauf von ein paar liegengeblieben Klamotten aus der Vorsaison und einigen zur 2. Wahl deklarierten Schuh-Einzelpaaren handelt.

          Der Einzelhandel ist positiv gestimmt

          In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass sich die Outlets für die Markenindustrie derart rentieren, dass einige Unternehmen vor allem dort ihre Profite erwirtschaften, weniger in den Innenstadtfilialen den in den gewöhnlichen Einkaufszentren. Factory Outlets rangieren bei vielen Herstellern längst auf einer Stufe mit ihren „Flagshipstores“, dem Internetangebot und dem Vertrieb über den herkömmlichen Einzelhandel.

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