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Fachmesse Automechanika : Von der Ersatzlösung zum Erfolgsmodell

Erstmals für die Automechanika genutzt: die neue Messehalle 12 westlich der Emser Brücke Bild: Cornelia Sick

Die Fachmesse Automechanika hat begonnen, und Frankfurt steht im Stau. Im Grunde ein gutes Zeichen: Es zeigt, dass eine aus einer Verlegenheit geborene Veranstaltung auch bei ihrer 25. Auflage noch funktioniert.

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          Was gibt es zu einem Jubiläum? Klar, ein Geschenk. Und so wird mit der 25. Automechanika in Frankfurt, die gestern begonnen hat und bis Samstag dauert, zugleich die neue Messehalle 12 eröffnet, die das Bild des riesigen Areals nördlich des Europaviertels verändert. Der schwarze Bau wird zwar erst im Oktober offiziell eröffnet. Doch erstmals genutzt wird die Halle eben schon jetzt. Und weil auch alle anderen Gebäude zur Verfügung stehen und die Nachfrage groß ist, wird die Veranstaltung in die Geschichte eingehen: als die flächenmäßig größte Messe, die es je in Frankfurt gegeben hat. So berichtet es Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt GmbH.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Automechanika ist die kleine Schwester der Internationalen Automobil-Ausstellung. In dem einen Jahr findet die eine, im nächsten die andere statt. Von dem Glanz, den die IAA bisher versprühte – für die Zukunft kann man angesichts des schwindenden guten Rufs der Branche nicht mehr so sicher sein –, hat die Automechanika wenig zu bieten. Autos sind nur vereinzelt zu sehen, dafür aber Autoteile und Hebebühnen. Denn auf dieser Fachmesse finden sich all diejenigen ein, die rund um das Auto Geld verdienen wollen und eben nicht die Autohersteller.

          Dabei ist die Geschichte der Automechanika eng mit der der IAA verknüpft. Die erste Veranstaltung dieser Art fand 1971 statt, als die große Automobil-Schau einmal ausfiel – der Wirtschaft ging es damals so schlecht, dass sich die Hersteller von Autos gar nicht zeigen mochten. Abgesehen davon, dass die Themen beider Veranstaltungen etwas auseinanderfallen, gibt es noch einen beträchtlichen Unterschied. Während die IAA von der Branche selbst organisiert wird, nämlich vom Verband der Automobilindustrie, liegt die Automechanika in den Händen der Messe Frankfurt selbst.

          Eine Marke für sich

          Deren Manager haben in den vergangenen Jahren aus einer aus der Not geborenen Messe das Beste gemacht. Denn längst ist die Automechanika eine Marke, die in zahlreiche andere Länder exportiert wurde. 17 „Automechanikas“ gibt es inzwischen auf der Welt, allein elf finden in diesem Jahr statt: außer in Frankfurt auch in Riad, Istanbul, Ho Chi Minh City, Dubai, Birmingham, Mexiko City, Atlanta, Moskau, Buenos Aires und Schanghai. Auf den Messen in der Ferne zeigen sich zum Teil die gleichen, insbesondere aber natürlich regionale Aussteller. Vor allem der Ableger in Chinas Wirtschaftsmetropole kann dabei mit der ursprünglichen Schau in Frankfurt mithalten: In der Stadt am Main zeigen sich in diesen Tagen 5000 Aussteller, in Schanghai waren es zuletzt sogar 6000. Die anderen Schauen sind hingegen schon kleiner, wenn auch nicht ganz klein: In Dubai waren 1800 Unternehmen zu sehen, in Istanbul 1350. Stolz berichtet Braun, dass im nächsten Jahr erstmals in Astana in Kasachstan eine Automechanika ihre Pforten öffnen wird. Die Lage dort ist so, wie sie sich Wirtschaftsleute wünschen: der Fahrzeugbestand veraltet, die Automobilproduktion steigend. Das ruft geradezu nach jemandem, der Zulieferer, Hersteller und Werkstätten zusammenführt.

          Premiere auf der Messe: Aussteller rund um das Geschäft mit Oldtimern Bilderstrecke

          Die Automechanika ist mit dieser Entwicklung zu einem der Vorzeigeprodukte der Messe Frankfurt in ihrer vor einem Vierteljahrhundert begonnenen Internationalisierungsstrategie geworden, die mit der Verlagerung von Textilmessen nach Fernost begonnen hatte. Damit folgte die Messe der Produktion. Inzwischen erwirtschaftet der Konzern, der zu 60 Prozent der Stadt Frankfurt und zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört, ungefähr ein Drittel seines Umsatzes und zwei Drittel seiner Gewinne im Ausland. Die Manager werden nicht müde zu betonen, dass dieses Geschäftsmodell dem Stammsitz nicht etwa schade, sondern ihn absichere.

          Branche freut sich über Wachstum

          Der „Aftermarket“, wie das Geschäft rund ums Auto wenig schön in der Fachsprache heißt, hat seine eigenen Regeln. Vom europäischen Branchenverband Clepa heißt es, dass von 2017 bis 2025 ein Wachstum der Umsätze von 398 auf 566 Milliarden Euro erwartet werde, wobei Europa mit 85 Milliarden im vergangenen Jahr und 102 in sieben Jahren nur einen überschaubar großen Anteil hat. Weitaus wichtiger sind Nord- und Mittelamerika auf der einen und Asien auf der anderen Seite.

          Das Wachstum findet man in der Branche natürlich phantastisch, sorgt sich allerdings um die eigene Position im Markt: Die vielen Zulieferer und Werkstätten dürften immer weniger Nachfragen gegenüber stehen, weil, so die Annahme des Verbands, immer mehr Autos zu größeren Flotten zählen. Das muss nicht unbedingt der große Fuhrpark eines Konzerns mit vielen Dienstfahrzeugen sein. Wenn sich tatsächlich immer weniger Stadtbewohner ein eigenes Auto leisten und statt dessen auf Carsharing-Fahrzeuge zurückgreifen, verändert dies aus Sicht von Werkstätten durchaus den Markt: Ein Flottenmanager verhandelt anders als ein privater Endkunde. Auch darüber wird auf der Automechanika geredet, die sich aber eine kleine Nische auch fürs Gemüt leistet: Erstmals befasst man sich auch mit dem Markt der Oldtimer. Und in dieser Abteilung sind dann auch tatsächlich einige richtige, und zwar richtig schöne Autos zu bestaunen.

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