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F.W. Bernstein : Liebenswert, verspielt und mit einer Prise Spott

Das Historische Museum Hanau ehrt den Karikaturisten und Lyriker F.W. Bernstein mit dem Ludwig-Emil-Grimm-Preis. Dazu wird sein Werk in einer Ausstellung präsentiert.

          Fliegende Schweine, pummelige Engelchen, Goethe mit Hängebacken und manch andere historische Gestalt in seltsamer Erscheinung: Auf der zehn Meter langen Leinwand im Hanauer Schloss Philippsruhe gibt es viel zu entdecken. Am rechten Rand des Großgemäldes ist allerdings noch Platz für weitere Figuren. Dass dies in den nächsten Wochen geschehen würde, hatte Thomas Kronenberg gehofft. Der Kurator des Caricatura Museums Frankfurt hat gemeinsam mit den städtischen Museen Hanau die Sonderschau mit Werken des Karikaturisten und Lyrikers F.W. Bernstein, mit bürgerlichem Namen Fritz Weigle, auf die Beine gestellt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die zu Ehren des kürzlich 80 Jahre alt gewordenen Künstlers gestaltete Ausstellung wird er aber nicht mit eigenen Augen betrachten und auch die in einer Ausstellung in Göttingen gestaltete Leinwand nicht komplettieren können. Wie seine Familie mitteilte, ist Bernstein gestürzt und kann in nächster Zeit keine Reise unternehmen. Auch den Ludwig-Emil-Grimm-Preis wird deshalb am Mittwoch Christiane Steltner, Künstlerkollegin und Freundin der Familie, für ihn entgegennehmen. Bernstein ist der dritte Träger des mit 2500 Euro dotierten Preises für Karikatur der Stadt Hanau. Seine Vorgänger sind der Maler und Cartoonist Hans Traxler sowie die Karikaturisten Greser und Lenz.

          Grimm in Dialog mit dem modernen Karikaturisten Berstein

          Dass er nicht nach Hanau kommen kann, wird der Künstler bedauern, denn er nahm an der Gestaltung der Ausstellung regen Anteil und steuerte viele Ideen bei, berichtet Kronenberg. Bernsteins ausdrücklicher Wunsch sei es gewesen, eine ganze Wand mit seinen Darstellungen der Figuren aus der Nibelungensage zu bestücken. Das passe gut zu dem Konzept der Ausstellung, die Ludwig Emil Grimm, der nicht nur Märchenillustrationen geschaffen hat, sondern auch zu durchaus bissigen Kommentaren und Porträts fähig war, in einen Dialog mit dem modernen Karikaturisten Berstein stellt. Auch die Nibelungengeschichte besitze etwas Märchenhaftes, und auch Ludwig Emil Grimm hat viele Märchenillustrationen geschaffen.

          Klassische Märchen sind in dem Werk Bernsteins eher selten, einige Arbeiten wurden für die Schau aufgestöbert wie ein Witz mit Schneewittchen. Auch das Doppelporträt, das Ludwig Emil von seinen Brüdern, den Märchenerzählern Jacob und Wilhelm, zeichnete, nahm sich Bernstein einmal vor und brachte die berühmten Köpfe ironisch und bunt zu Papier.

          Handschrift, Witz und Blick neu bewertet

          Im ersten Raum der Ausstellung begegnet der Besucher ausgewählten Werken Grimms mit Themen, die auch zum Repertoire von Bernstein zählen, darunter nach den Worten von Museumsleiterin Katharina Bechler eine Darstellung der skandalumwobenen Geliebten des bayerischen Königs Ludwig I., Lola Montez. Die Tuschzeichnung entstand im Jahr 1847, bevor der bayerische König Ludwig I. abdanken musste. Als sich der Volkszorn gegen den König und seine Gräfin wandte, floh sie in die Schweiz. Ludwig Emil Grimms Charakterisierung ihrer Weiblichkeit und der dem Betrachter zugewandte Blick schwankten zwischen Verehrung und einer Portion Hohn, sagt Bechler. Die Tuschzeichnung wurde erst kürzlich vom Hanauer Geschichtsverein erworben.

          Die Beispiele seiner Kunst stellen für Bechler eine wunderbare Gelegenheit dar, die Handschrift, den Witz und den Blick auf den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts Grimms neu zu bewerten und sich für den frühen und sehr subtilen Karikaturisten zu begeistern. Wer mehr davon sehen möchte, findet in einem Kabinett in der Beletage des Schlosses Ölgemälde, Drucke und Zeichnungen von Ludwig Emil Grimm aus der Sammlung des Historischen Museums und des Geschichtsvereins.

          Die weiteren Räume der Sonderausstellung sind dem Werk Bernsteins gewidmet, seinen politischen Cartoons und Gedichten, den ironischen Porträts und vielen Selbstporträts sowie den zahllosen Postkarten, die Bernstein zeit seines Lebens malte. Längst nicht immer steht der Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung, Tiere und Engel zählen ebenfalls zu seinen Lieblingsmotiven und werden zum Ziel seiner liebenswerten Ironie. Aber auch Landschaften finden sich in der Ausstellung, und irgendwie schafft es Bernstein, auch diese mit einer Prise verspieltem Spott zu versehen, etwa bei seinem Bild „Hühnerburg“, bei dem er auf den Turm einer Burg ein Huhn setzt.

          Die Ausstellung „F.W. Bernstein“ des Historischen Museums Schloss Philippsruhe wird am Mittwoch, 14. März, um 19.30 Uhr in der Friedenskirche eröffnet. Damit verbunden ist die Feierstunde zur Preisvergabe an den Künstler.

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