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F.A.Z.-Spendenaktion : Eine Insel im Meer der Krankheit

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Pflegeleiterin Michaela Bracone im Gespräch mit einem HIV Patienten Bild: Wolfgang Eilmes

In der HIV-Station der Frankfurter Uniklinik wird um das Leben eines jeden Patienten gekämpft. Es gibt Erfolge, aber auch die Erfahrung, nur noch wehrlos zu sein. Zum Beispiel, wenn ein 18 Jahre junger Patient stirbt.

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          Es hat nicht viel gefehlt, und Rainer Maltens wäre gestorben. Notarzt, Intensivstation, Beatmung, Lungendrainage - die Kunst der Medizin hat ihn gerettet. Sonst wären die schwere Lungenentzündung und das Wasser im linken Lungenflügel, das ihm die Luft zum Atmen nahm, sein Todesurteil gewesen. „Sie haben Glück gehabt“, sagt Michaela Bracone, die an seinem Bett steht und in seine weit geöffneten Augen schaut, als er mit dem Kopf nickt und immer wieder leise sagt: „Mein Gott, das habe ich.“

          Seit einer Woche liegt der 45 Jahre alte Mann auf der Station im Haus 68, dem HIV-Center der Universitätsklinik, wohin er nach seiner Akutbehandlung in einem Hanauer Krankenhaus überwiesen worden war. Michaela Bracone, die Stationsleiterin, besucht ihn. Er ist gerade von einer Computertomographie zurückgekommen, übergibt ihr die Unterlagen mit den neuesten medizinischen Daten.

          Rainer Maltens heißt er nur für diesen Text, seinen richtigen Namen möchte er nicht veröffentlicht wissen, auch ein Foto von seinem Gesicht soll es nicht geben. Zum Schutz. Schließlich will er wieder arbeiten gehen, in einem Warenhaus Fernseher und andere Geräte verkaufen, mit Kunden sprechen. Das konnte er gut - bis zu dem lebensbedrohlichen Zusammenbruch. Noch immer klebt ein großes Pflaster auf der Stelle, an der ihm die Drainage gelegt worden war - wie eine Erinnerung an schreckliche Stunden.

          Alltag auf der Aids-Station: Die Ärzte Stefan Schilling (Mitte) und Matthias Hahn (rechts) mit der Medizinstudentin Maria Mangold (links) bei der Visite

          Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt oder auch Krebs

          Menschen, deren Immunsystem durch das HI-Virus schon stark geschwächt ist, bekommen oft Lungenentzündungen. Ihr Körper kann sich nicht mehr wehren - ähnlich wie bei Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt, die heftige Durchfälle hervorrufen, oder dauerhaften Hautveränderungen. Wieder andere haben Krebs, werden aber in dieser Station behandelt, weil sie HIV-positiv sind.

          „Wir haben eine sehr heterogene Patientenschaft“, sagt Stefan Schilling, einer der drei Stationsärzte. Manche bleiben sechs bis acht Wochen, Schwerstkranke auch vier bis fünf Monate. Der kleine Notfall-Rollwagen mit lebenswichtigen Medikamenten, Beatmungsgeräten und einem Defibrillator gegen Herzstillstand steht immer griffbereit in einer Ecke.

          Derzeit liegen zwölf HIV-infizierte Patienten in der Station, drei weitere haben andere Infektionskrankheiten. Als die HIV-Infektion Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufkam und anders als heute nicht behandelbar war, kamen viele Erkrankte ins Haus 68, um dort zu sterben. „Das ist Gott sei Dank nicht mehr so“, sagt die Stationsleiterin. Immer wieder trifft sie ein Stockwerk höher, in der HIV-Ambulanz, Menschen, die auch nach einer stationären Behandlung und dank einer HIV-Therapie wieder nach vorne blicken können. „Dann sehe ich, dass es sich lohnt weiterzumachen.“ Ein Erfolgserlebnis war es für die 43 Jahre alte Frau auch, als sie eine Patientin aus Afrika, die ihre HIV-Infektion für gottgewollt hielt, mit der einfachen wie wirkungsvollen Erkenntnis zu einer Behandlung bewegen konnte: „Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass es Medikamente gibt, hätte er sie verhindert.“

          Wenn ein Achtzehn- oder Zwanzigjähriger stirbt

          Trotzdem gewinnen Michaela Bracone, Stefan Schilling und ihre Kollegen den Kampf gegen Leid und Tod nicht immer. „Manchmal geht es schon an die Substanz“, sagt der Arzt. „Damit muss jeder auf seine Weise fertig werden.“ „Besonders schwer ist es für alle, wenn ein Achtzehn- oder Zwanzigjähriger stirbt und man völlig wehrlos ist“, fügt Bracone hinzu. Die Zahl junger Leute, die als Kind infiziert wurden und stationär behandelt werden müssen, nimmt langsam zu, wie sie beobachtet.

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