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F.A.Z.-Leser helfen : Die Mothers kümmern sich drum

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Hinter dem Spielplatz befindet sich die neue Krankenstation, der Gebäudetrakt rechts beherbergt die Schlafsäle. Bild: Helmut Fricke

Ein Heim in Nairobi hilft Aids-Waisen. Nun sind die ersten Kinder groß, haben ihren Highschool-Abschluss geschafft und müssen auf eigenen Beinen stehen – und Sie können dabei helfen.

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          Für Hammer und Nagel fehlt Paula Karanja die Zeit. Deshalb steht das gerahmte Foto noch immer auf dem Boden ihres Büros. Die Leiterin des Mothers’ Mercy Home am Rande von Nairobi hat einfach zu viel zu tun. Das Bild zeigt 18 hoffnungsvolle Gesichter. Die jungen Frauen und Männer tragen Doktorhüte und ein Lächeln als Zeichen dafür, dass sie die Abschlussprüfung an der Highschool geschafft haben. Manchen steht die Kopfbedeckung ganz gut, anderen ist sie zu groß oder zu klein.

          Sie sind der erste Jahrgang, der das Waisenhaus verlassen hat. Viele von ihnen haben fast ihre ganze Kindheit im Mercy Home verbracht. Ihre Eltern sind an Aids gestorben oder spurlos verschwunden, in Kenia ist das nicht ungewöhnlich. Aber die Waisen sind nicht auf der Straße gelandet. Die Mothers, die Frauen aus der Anglikanischen Kirche, waren die Einzigen, die sich um sie gekümmert haben.

          Paula, die unermüdliche Leiterin, ist mittlerweile 63 Jahre alt, und manchmal wird es ihr zu viel. Dann stellt sie sich auf ihren Lieblingsplatz, atmet tief durch und erinnert sich an früher. Als an diesem Ort im Nordwesten von Nairobi kein Rasen, sondern Matsch war. Als die Chefin des Mothers’ Mercy Home nicht auf ein Haus blickte, sondern auf ein Stück Wildnis am Rande des Millionenmolochs. Als die Kinder nicht in den hellen Schlafsälen wohnten, sondern in den Wellblechhütten mit den kleinen Fenstern. Wenn Paula Karanja da steht, dann erinnert sie sich an das, was sie und ihre Helfer schon geschafft haben für die Aids-Waisen von Nairobi. Die nächsten Herausforderungen wirken dann etwas weniger groß.

          In ihrer Freizeit arbeiten die Ärzte in der Krankenstation

          Gut 120 Kinder leben hinter den Mauern des Mercy Home. Auf dem Gelände steht ein großes Schlafhaus für die Jungen und Mädchen, in dem es auch eine Medizinstation gibt für große und kleine Patienten aus der Umgebung. Bald geht eine neue Gemeinschaftsküche in Betrieb, die kleinen Ställe für die zwei Kühe, die Schweine und Ziegen sind auch schon fertig. Die alten Hütten dienen noch als Speisesaal, als Büros und Klassenräume für den abendlichen Nachhilfeunterricht.

          F.A.Z.-Leser helfen : Ein Waisenhaus soll Zukunft schenken

          Ohne die resolute Christin Paula wäre das Mercy Home undenkbar. „Sie ist unser Dreh- und Angelpunkt“, sagt Fokko Doyen. Der Vorsitzende des Frankfurter Vereins Cargo Human Care hat aber ähnlich großen Anteil an der Entwicklung des Hauses. Auf die Initiative des Piloten von Lufthansa Cargo geht der Neubau zurück. 2007 hatte diese Zeitung um Spenden dafür gebeten. Den Verein unterstützt die Frachttochter der Lufthansa. Auf ihrer Route von Frankfurt über Nairobi nach Johannesburg nimmt die Fluggesellschaft die Ärzte mit, die in ihrer Freizeit in der Krankenstation arbeiten.

          Die ersten Kinder, für die das neue Haus entstanden ist, sind erwachsen geworden. Sie haben ihren Highschool-Abschluss geschafft, manche mit besseren, andere mit schlechteren Ergebnissen. Für das Waisenhaus sind sie nun zu alt, Kenias Anglikanische Kirche, der es gehört, hat ihre Akten geschlossen.

          Sie wissen, was sie aus ihrem Leben machen wollen

          Doyen und seine Mitstreiter von Cargo Human Care fürchten, dass alle Arbeit umsonst war, wenn die jungen Erwachsenen nicht weiter unterstützt werden. Es falle ihnen schwer, sich allein zurechtzufinden. Manchen bleibt nichts anderes übrig, als zu den Verwandten zurückzukehren, die sie schon einmal verstoßen haben. Was hilft Waisenkindern ein Highschool-Abschluss, wenn sie nicht mal ein Dach über dem Kopf haben?

          Das wollen die Helfer aus Deutschland nicht mit ansehen. Um den Übergang zu erleichtern, helfen sie den Kindern des ersten Abschluss-Jahrgangs. Sie finanzieren manchen von ihnen die Unterkunft und helfen, eine Ausbildung zu finden, den richtigen Job oder einen passenden Studiengang. Die Betreuer kostet das viel Kraft. Ihre Schützlinge leben in der Stadt verstreut, manche müssen in einem Hostel übernachten, das alles andere als ein angenehmes Zuhause ist.

          Immerhin wissen die jungen Frauen und Männer, was sie aus ihrem Leben machen möchten: John möchte Videos drehen, Julius will Detektiv werden, Loise träumt von einem Leben als Köchin.

          Damit auch die Kleinen eines Tages Doktorhüte tragen

          Die nächsten Abgänger sollen es leichter haben. Cargo Human Care plant deshalb ein Jugendzentrum. Es soll jenen ein Dach über dem Kopf bieten, die nicht mehr im Waisenhaus leben dürfen, sich aber noch keine eigene Bleibe leisten können. Vor allem aber soll das neue Haus ein Ort des Lernens sein. Die Pläne sehen Schulungsräume vor, eine Stiftung hat schon zugesagt, für die Computer-Ausstattung aufzukommen. Für den Neubau bittet diese Zeitung um Spenden. Wieder arbeitet Cargo Human Care mit der Anglikanischen Kirche zusammen. Sie stellt dem Verein ein Grundstück zur Verfügung. Wenn alles gut läuft, können die Arbeiten Mitte des nächsten Jahres beginnen. Eine deutsche Firma wird die Bauleitung übernehmen, die Entwürfe für das Haus stammen von einem sudanesischen Architekten, der in Augsburg studiert hat und nun in Nairobi arbeitet.

          Die Chancen stehen also gut, dass die Kinder aus dem Mercy Home bald noch bessere Aufstiegschancen haben werden, dass sie den letzten Schritt in ihr eigenes Leben meistern können.

          Vor wenigen Monaten ist ein neuer Jahrgang in das Waisenhaus gezogen. Sie haben Ähnliches erlebt wie ihre älteren Mitbewohner: Ihre Eltern können sich nicht mehr um sie kümmern. Die akute Not mögen die Helfer schnell lindern können, aber damit ist es nicht getan. Paula und ihre deutschen Helfer sind sich sicher, dass es auch die Kleinen schaffen, eines Tages Doktorhüte zu tragen und mit Stolz in eine Kamera zu lächeln.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden, die dem Kinderschutzbund in Frankfurt und Cargo Human Care für ein Jugendhaus in Nairobi zugutekommen. Spenden für „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          • Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11
          • Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht; selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Weitere Informationen unter www.faz-leser-helfen.de.

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