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F.A.Z.-Leser helfen : Schlechte Laune kann lustig sein

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Jörg Mühle zeichnet am liebsten Tiere, vor allem miesepetrige. Der Illustrator gestaltet am 3. November im Kronberger Opel-Zoo die nächste Sonntags-Lesung mit dem Kinderbuch „Viele Grüße, Deine Giraffe“.

          3 Min.

          Ob Salamander oder Elch, ob Bär oder Giraffe, Löwe oder Hase, ob großes oder kleines oder ganz kleines Tier – der Frankfurter Illustrator und Bilderbuchmacher Jörg Mühle liebt sie alle. Und zeichnet sie gern, lieber als Menschen. Tiere, sagt er, könnten mit ihren Gesichtern und ihren Bewegungen genauso viel ausdrücken wie etwa Kinder – und mit ihnen könnten sich alle identifizieren. Jungen und Mädchen, Deutsche oder Ausländer, Kinder wie Erwachsene. Außerdem, meint er, ließen sich Tiere lustiger gestalten als Menschen. Denn nichts findet der Bilderbuch-Illustrator langweiliger, als zufriedene oder sogar glückliche Kinder im Bilderbuch zu sehen. Und nichts macht ihm mehr Spaß zu zeichnen als Tiere, die schlechte Laune haben, die sauer sind muffig, miesepetrig. Die seien witzig, meint er, und seine Leser, die kleinen und die großen, sehen das genauso.

          Mehr als 50 Bücher hat Jörg Mühle, der 1973 in Frankfurt geboren wurde, inzwischen illustriert. Begonnen hat er im Jahr 2000, seitdem arbeitet er zusammen mit einer Künstler- und Illustratorengruppe in der „Labor Ateliergemeinschaft“ in Sachsenhausen. Mitglieder sind unter anderen Moni Port, Anke Kuhl, Alexandra Maxeiner und Philip Waechter. Die Gruppe hat sich vor mittlerweile zwei Jahrzehnten gegründet, und wen das interessiert: Das Bilderbuchmuseum in Troisdorf zeigt zum zwanzigjährigen Bestehen der Ateliergemeinschaft derzeit eine Ausstellung.

          Ein Bilderbuch als Diplomarbeit

          Jörg Mühle hat es schon als Kind geliebt, zu zeichnen und zu malen. Die Freude daran hat er nie verloren. So kam für ihn gar nichts anderes in Frage, als nach der Schule in Offenbach Design zu studieren. Seine Diplomarbeit war ein Bilderbuch, und nach seinem Studienabschluss fand er sofort einen Platz in der „Labor Ateliergemeinschaft“. Erst dort wurde ihm klar, dass Bilderbücher-Machen nicht nur ein Hobby, sondern ein richtiger Beruf ist, mit dem man Geld verdienen kann. Ein Jahr gab er sich Zeit, das für sich auszuprobieren. Und blieb für immer dabei, denn der Erfolg kam schneller als gedacht.

          Ausdrucksstark: Mühles Wesen. Szenen aus „Viele Grüße, Deine Giraffe“.
          Ausdrucksstark: Mühles Wesen. Szenen aus „Viele Grüße, Deine Giraffe“. : Bild: Moritz Verlag

          Mitglied der „Labor Ateliergemeinschaft“ zu sein empfindet Jörg Mühle als ganz großes Glück. Die Illustratoren und Bilderbuchmacher haben sich zu einer starken Gemeinschaft zusammengerauft. Sie unterstützen und helfen sich gegenseitig, kritisieren sich eher selten, loben sich dafür umso öfter und bilden nicht nur einen Kollegenkreis, sondern fast schon eine eigene Familie. Auch Jörg Mühles Frau Natascha Vlahovic gehört dazu, die Gruppe arbeitet und plant und lacht und feiert auch mal zusammen, es sei ein Freundeskreis, sagt Mühle, der pure Energie spendet.

          Mit einer Hasengeschichte zum Erfolg

          Das kreative Künstlerpaar Mühle/Vlahovic hat eine acht Jahre alte Tochter, und wenn man es ganz genau nimmt, ist sie sogar „schuld“ am großen Erfolg ihres Vaters. Denn vor fünf Jahren, als sie drei war, schrieb er für sie eine Hasengeschichte zum Vorlesen mit vielen Bildern. Die Entwürfe dafür hatte er schon lange in der Schublade, jetzt endlich zog er sie wieder heraus und machte ein Bilderbuch daraus. „Nur noch kurz die Ohren kraulen“ für Kinder von zwei Jahren an wurde ein echter Renner, und auch die beiden Folgebände „Badetag für Hasenkind“ und „Tupfst Du mir die Tränen ab“ brachte ihm einen „unfassbaren Erfolg“, wie er bescheiden erzählt. Als Jörg Mühle dann im vergangenen Jahr auch noch den Jugendliteraturpreis für die Illustration des Kinderbuchs „Viele Grüße, Deine Giraffe“ bekam, war das Glück komplett. Seitdem braucht er sich um Aufträge und Anerkennung keine Sorgen mehr zu machen. Im Gegenteil: Seitdem er in der Kinderbuchszene Ruhm erlangt hat, sei es gar nicht mehr so einfach, „auf dem Boden zu bleiben“ und stetig und ohne Druck zu arbeiten, sagt er.

          Auch einen ganz kleinen Nachteil hat der Erfolg, das verschweigt Jörg Mühle nicht. „Wer sein Hobby zum Beruf gemacht hat, hat kein Hobby mehr“, sagt er. Trotzdem hat er eine Lieblingsbeschäftigung, und das ist, erstaunlich fast, „Zeit verschwenden“. Ein bisschen herumtrödeln, Zeitung lesen, sich erholen von einem kreativen Schub, sich entspannen und zur Not auch mal Langeweile haben. Das braucht er wohl, um dann wieder fit zu sein fürs nächste Buch. Wobei er als Nächstes ein Kinderbuch für Erstleser geplant hat. So etwas hat er bisher noch nicht selbst geschrieben. Darum wird er am nächsten Sonntag aus dem Kinderbuch „Viele Grüße, Deine Giraffe“ (für Kinder von sechs Jahren an) von Megumi Iwasa vorlesen. Und er wird – natürlich – zeichnen, erzählen, Bilder aus seinen Büchern an die Wand beamen und auch ein Bilderbuch für kleinere Kinder dabeihaben. Vielleicht ein Hasenbuch?

          Sonntagsgeschichten: Wie, wann, wo

          Jörg Mühle liest und zeichnet am nächsten Sonntag, 3. November, in dem Lokal „Lodge“ am Opel-Zoo in Kronberg aus „Viele Grüße, deine Giraffe“. Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr, Einlass ist von 15.30 Uhr an. Der Eintritt von fünf Euro je Person kommt vollständig der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ zugute, Mühle liest, wie traditionell alle Autoren in dieser Reihe, ohne Honorar. Vor der Lesung besteht die Möglichkeit, an einer Sonderführung zu den Giraffen im Zoo teilzunehmen. Diese Führung beginnt um 14.30 Uhr. Wer an der Führung zu den Giraffen teilnehmen möchte, muss den regulären Eintrittspreis für den Zoo zahlen (Treffpunkt ist hinter den Kassen) und später ebenfalls die fünf Euro für die Lesung. Kartenbestellungen für die Veranstaltung sind nur unter der Adresse veranstaltungen.faz.net im Internet möglich. Fragen beantwortet Frau Mayer-Simon telefonisch unter 0 69/75 91-12 51.

          Nach Jörg Mühle liest im Januar nächsten Jahres Bernd Flessner. Tag und Ort werden noch bekanntgegeben. Die Erlöse aus dem Spendenprojekt „F.A.Z.-Leser helfen“ kommen in diesem Jahr dem Frankfurter Mädchenbüro Milena, das sich der Integration von Frauen und Mädchen mit und ohne Fluchthintergrund verschrieben hat, und Hilfsprojekten der in Bensheim ansässigen Christoffel-Blindenmission zugute. In der Kikuyu-Augenklinik in der Nähe der kenianischen Hauptstadt Nairobi, die von der Blindenmission unterstützt wird, werden jährlich mehr als 70.000 Patienten untersucht und mehr als 6000 Augenoperationen vorgenommen, davon knapp 3000 an Kindern.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten: Bei der Frankfurter Volksbank IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11 Bei der Frankfurter Sparkasse IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00 Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Spenden können steuerlich abgesetzt werden.

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