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F.A.Z.-Leser helfen : Die Blicke folgten der Rose nicht

Kindheit in bescheidenen Verhältnissen: die Zwillinge Adalberto und Alberto mit ihrer Mutter Gracie Linda Aveiro (Mitte) sowie Luci Caballero und Paola Salgado (links) von der Fundación Visión Bild: Frank Röth

Die Zwillinge Alberto und Adalberto müssten nicht blind sein. Um anderen Kindern in Paraguay rechtzeitig helfen zu können, bittet die F.A.Z. um Spenden.

          Die kleine Siedlung am Ortsrand von Coronel Oviedo wirkt geradezu idyllisch. Die Sträßchen sind zwar unbefestigt und die Häuser, gemessen an deutschen Ansprüchen, nur Baracken, aber sie haben ein Fundament und Ziegelsteinmauern. In den bescheidenen Vorgärten stehen Obstbäume, an den Zäunen hängt bunte Wäsche zum Trocknen, und am Straßenrand grast ein Pferd. Das Häuschen der Familie Aveiro, das am Ende der Sackgasse steht, macht allerdings einen schäbigen Eindruck. Die Erde im Garten ist plattgetreten, vor der Terrasse liegen Bauschutt und Müll, es riecht streng.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf der Eingangstreppe sitzt Gracie Linda Aveiro und trinkt mit einem Strohhalm Tereré, das mit Mate-Tee zubereitete Nationalgetränk Paraguays. Neben der Mutter kauern auf Plastikstühlen die Zwillinge Alberto und Adalberto, die kleine Schwester Gloria wuselt auf der Terrasse umher. Die zwölf Jahre alten Jungen wirken apathisch, was sich jedoch schnell ändert, als Besuch kommt. Es sind zwei Sozialarbeiterinnen von der Fundación Visión, einer gemeinnützigen Organisation, die eine Augenklinik in der Hauptstadt Asunción betreibt und auch andere karitative Dienste anbietet.

          Eine Fehlentwicklung am Auge

          Als Alberto die vertrauten Stimmen der Besucherinnen hört, läuft er auf sie zu und streckt seine Arme nach ihnen aus. Körperkontakt aufzunehmen ist für ihn und seinen Bruder Adalberto sehr wichtig, denn beide sind blind. Das hat damit zu tun, dass sie Frühgeburten waren. Als die Zwillinge nach sieben Monaten Schwangerschaft zur Welt kamen, wogen sie jeweils nur ein Kilogramm und mussten zwei Monate im Brutkasten aufgepäppelt werden. Dass als Folge einer frühen Geburt eine Fehlentwicklung am Auge auftreten kann, hätten die Ärzte ihr im Krankenhaus nicht gesagt, erzählt die alleinerziehende Mutter.

          Dass mit den Augen ihrer Söhne etwas nicht stimme, sei erst viel später aufgefallen. Die Großmutter habe ihren Enkeln eine Rose gezeigt und vor deren Gesichtern bewegt. Doch die Blicke seien der Blume nicht gefolgt. Die Ärzte hätten damals geraten, in die Hauptstadt zur Augenklinik der Fundación Visión zu fahren, doch dafür habe sie das Geld nicht gehabt. Ob es auch eigene Versäumnisse gab, bleibt im Unklaren. Die Mutter macht einen überforderten, resignierten Eindruck, die Zwillinge dagegen blühen durch den Besuch geradezu auf.

          Eine überforderte Mutter

          Die Sozialarbeiterin Paolo Salgado ist öfter hier zu Besuch, die Zwillinge kennen sie und vertrauen ihr. Alberto lässt sich von ihr überreden, einen Plastikschuh loszulassen, den er bis dahin so fest mit den Fingern umklammert hatte, als ob das ihm Sicherheit geben könne. Nachdem er den Schuh abgelegt hat, kann er die Hände Salgados fassen. Mit der ebenso resoluten wie lebenslustigen und einfühlsamen Dreiunddreißigjährigen hüpft er hin und her, wird von Minute zu Minute mutiger. Er kickt einen gelben Plastikball über die Terrasse, orientiert sich am Geräusch des aufspringenden Balles und tastet sich hinterher. Seine kleine Schwester ist zwar schneller und greift nach dem Spielzeug, doch Alberto ist trotz dünner Arme der Stärkere, schnappt sich den Ball und lacht glucksend.

          „Die Jungen können etwas lernen, sie haben ein gutes Gedächtnis“, sagt Salgado. Allerdings bräuchten sie dafür auch eine kontinuierliche Förderung. Die Mutter ist dazu offensichtlich nicht in der Lage. Auf die Frage, was sie sich für ihre Kinder wünsche, sagte sie teilnahmslos, die Zwillinge sollten einmal studieren. Momentan klappt es aber noch nicht einmal mit dem regelmäßigen Schulbesuch, obwohl es eine Schule gibt, die behinderte Kinder aufnimmt.

          Fortbildungen für Ärzte und Krankenschwestern

          Ob aus Alberto und Adalberto glückliche, vielleicht selbständige Erwachsene werden, hängt davon ab, ob sie Ansprache und Anregung bekommen. Besuche wie die von Salgado und ihren Kollegen können dazu nur einen Beitrag leisten, wichtig ist, dass auch die Mutter und andere Angehörige daran mitwirken. Das Augenlicht der Zwillinge ist allerdings nicht mehr wiederherzustellen. Eine Netzhautablösung hat zu irreparablen Schäden geführt.

          Dass es so weit bei anderen Kindern erst gar nicht kommt, ist ein zentrales Ziel der Fundación Visión, die seit vielen Jahren mit der im hessischen Bensheim ansässigen Christoffel-Blindenmission zusammenarbeitet. Mit den Spenden, die diese Zeitung sammelt, will die Fundación dafür sorgen, dass Ärzte und Krankenschwestern in den Neugeborenenstationen fortgebildet und Eltern von Frühgeborenen über die Gefahr von Augenschäden aufgeklärt werden. Kontrollen bei besonders gefährdeten Kindern – wie sie in Deutschland und anderen europäischen Ländern längst üblich sind – sollen auch in Paraguay Routine werden. Denn wenn eine beginnende Netzhautablösung rechtzeitig erkannt wird, reicht meist ein relativ simpler Eingriff, damit es gar nicht erst zu einer Erblindung kommt.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine/ Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für das Kinder-Palliativ-Team Südhessen, um Eltern zu unterstützen, die ein Kind mit lebensverkürzender Behinderung erwarten, und ein Projekt der Christoffel-Blindenmission in Paraguay, mit dem verhindert werden soll, dass Frühgeborene erblinden.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          - Bei der Frankfurter Volksbank IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          - Bei der Frankfurter Sparkasse IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de

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