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„F.A.Z.-Leser helfen“ : Ein Zuhause in der Fremde

Bunte Mischung: Im Mädchenbüro Milena kochen oft Frauen aus mehr als 20 verschiedenen Ländern. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Frankfurter Integrationseinrichtung Milena für Frauen ist für viele wie ein richtiges Zuhause. Damit das auch so bleibt, müssen alle mithelfen. Die Leser der F.A.Z. können für Milena spenden.

          4 Min.

          Kochbücher sind für Feiglinge. Das zumindest hat Tamar Chankseliani in den vergangenen Monaten gelernt. Sie will sich nicht länger an Anweisungen klammern. Stattdessen hat sie sich zu einer Küchenrebellin entwickelt. An vier Tagen in der Woche steht sie im Frankfurter Mädchenbüro Milena in der Küche, um aus den Essensspenden, die die Tafel einmal in der Woche vorbeibringt, ein Mittagessen für bis zu 50 Personen zu zaubern. Die junge Frau aus Georgien hat lernen müssen, beim Kochen zu improvisieren. Denn sie weiß nie, welche Lebensmittel ihr zur Verfügung stehen. Seit sie nur noch große Mengen zubereitet, haben sich ihre Würzgewohnheiten verändert. Die Einheit „Prise“ hat sie durch die neue Einheit „eine Handvoll“ ersetzt.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Herz der Integrationseinrichtung Milena, die in diesem Jahr durch die Aktion „F.A.Z.-Leser spenden“ unterstützt wird, ist die große Gemeinschaftsküche. Und in der herrschen strenge Regeln. „Eine Gemeinschaft, die funktionieren soll, braucht Klarheit“, sagt Maneesorn Koldehofe, Sozialpädagogin und eine der Gründerinnen von Milena. Die Einrichtung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. Wer hierherkomme, könne immer Hilfe erwarten, etwa wenn es darum gehe, die Sprache zu erlernen. Aber es gehe auch darum, sich einzubringen und zu lernen, Verantwortung zu übernehmen. Für sich – und für andere, sagt Sozialpädagogin Oksana Frei.

          Und so müssen die Frauen mit anpacken, wenn der Transporter der Tafel vorfährt, müssen helfen, wenn es darum geht, das Essen in die Küche zu tragen, müssen sich in Diensten organisieren, um Köchin Tamar Chankseliani beim Zubereiten der Speisen zu unterstützen, sie müssen den Müll rausbringen, die Spülmaschine ausräumen, kurzum: Sie müssen dafür sorgen, dass alles ordentlich ist und bleibt. Niemand wird hier bedient, alle müssen mit anpacken. Nur durch die klare Struktur sei es möglich, dass sich die Frauen in der Einrichtung wohl fühlten, ist sich Frei sicher. Bei Milena finden sie Geborgenheit durch Klarheit. „Wer hier durch die Tür kommt, verpflichtet sich, Teil der Gemeinschaft zu sein“, sagt Koldehofe.

          Kochen verbindet Kulturen

          Auch Köchin Chankseliani kommt seit April regelmäßig vorbei. Die Mutter eines heute sieben Monate alten Sohnes wollte ursprünglich nur einen Deutschkursus besuchen. Zu Milena ist sie gekommen, weil sie sich dort sicher sein konnte, dass ihr Sohn in dieser Zeit betreut wird. Denn auch das gehört zum Konzept der Integrationseinrichtung: Die Frauen passen gegenseitig auf die Kinder auf, damit sie alle die Möglichkeit haben, zu lernen.

          Chankseliani hat sich immer mehr eingebracht, hat immer häufiger in der Küche ausgeholfen und irgendwann die Arbeit ganz übernommen. Ehrenamtlich. „Hier habe ich angefangen, zu leben“, erzählt die junge Frau aus Georgien, während sie nachdenklich auf die Lebensmittellieferung blickt. Mehrere Kisten Zucchini, Kartoffeln, Salate und Brot liegen vor ihr. An diesem Mittag fällt es ihr leicht zu entscheiden, was sie servieren wird. Zucchini-Suppe. Auf Tamar-Art. „Ich lerne gerade, auch für die Frauen aus den andere Kulturen zu kochen“, sagt sie. Und dazu gehöre immer auch eine Portion Reis. Das sei für viele der Frauen, die aus Eritrea, Somalia, Syrien, Iran oder Indien stammen, Hauptbestandteil einer vollwertigen Mahlzeit. Chankseliani hat sich von ihnen zeigen lassen, wie sie den Reis würzen, wie sie das Essen mit kleinen Tricks und Kniffen so anpassen kann, dass es allen schmeckt.

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