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F.A.Z.-Leser helfen : Die Straße nach El Chaco

Lückenhafte medizinische Versorgung: Die Familie der acht Monate alten Zaida ist auf Hilfe angewiesen. Bild: Frank Röth

In weiten Teilen Paraguays fehlt eine augenärztliche Versorgung für Babys. Das zu ändern, ist ein Ziel der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“. Sie unterstützt Fundación Visión, eine gemeinnützige Organisation, die unter anderem eine Augenklinik betreibt.

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          Wer nach El Chaco will, sollte früh aufstehen. Am besten ist es, Asunción noch vor Sonnenaufgang zu verlassen. Denn wenn das tagtägliche Verkehrschaos erst einmal eingesetzt hat, dann dauert es Stunden, bevor man überhaupt aus der Hauptstadt herausgekommen ist. Und dann steht der weitaus längste und unbequemste Teil der Reise noch bevor.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schon im Morgengrauen überquert der kleine Bus der Fundación Vision deshalb den Rio Paraguay. An Bord sind Augenärzte, Techniker und andere Helfer, im Kofferraum befindet sich medizinisches Gerät, etwa sogenannte Spaltlampen, mit denen das Auge untersucht werden kann. Die Fundación Visión ist eine gemeinnützige Organisation, die unter anderem eine Augenklinik betreibt. Unterstützt wird sie dabei von der Christoffel Blindenmission, die ihren Sitz in Bensheim an der hessischen Bergstraße hat.

          Oft zu spät erkannt

          Mit der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ soll in diesem Jahr die Arbeit der Fundación und der Blindemission gestärkt werden, insbesondere soll verhindert werden, dass Kinder das Augenlicht verlieren. Dass Netzhautablösungen bei Babys in Paraguay oft zu spät oder gar nicht erkannt werden, hat mit der Weitläufigkeit und der schlechten Infrastruktur zu tun.

          Staubiger Weg: Die Ruta 9 führt durch den Nordwesten Paraguays.
          Staubiger Weg: Die Ruta 9 führt durch den Nordwesten Paraguays. : Bild: Frank Röth

          In Südamerika zwischen Bolivien, Brasilien und Argentinien gelegen, ist das Land in etwa so groß wie Deutschland und die Schweiz zusammen, aber viel dünner besiedelt. Außerdem leben von den 6,6 Millionen Einwohnern mehr als zwei Millionen in und um die Hauptstadt Asunción, während der Landesteil Gran Chaco, der mehr als 60Prozent der Fläche ausmacht, nur 180.000 Einwohner hat. Die flache, anfangs von kleinen Palmenwäldern durchzogene, nach Nordwesten hin immer trockenere Savannenlandschaft wird vor allem zur Viehzucht genutzt.

          Erinnert an einen Slalomlauf

          Von Asunción aus führt die Ruta 9 über Hunderte Kilometer ins Chaco hinein. Dank ihr ist es überhaupt möglich, in diesen Landesteil zu kommen; die Einheimischen sprechen deshalb auch von der „Trans Chaco“. Sie tun das mit einem gewissen Stolz, denn anders als die meisten sonstigen Straßen ist die Ruta 9 asphaltiert. Das heißt freilich nicht, dass sie mit einer deutschen Landstraße oder gar Autobahn vergleichbar wäre. Auf manchen Abschnitten erinnert die Fahrt wegen der riesigen Schlaglöcher an einen Slalomlauf, den Auto- und Motorradfahrer, vollbeladene Busse und Lastwagen mit Rindern gleichermaßen absolvieren müssen.

          Zu Hause: Die Hütte einer Familie in der Siedlung La Armonia.
          Zu Hause: Die Hütte einer Familie in der Siedlung La Armonia. : Bild: Frank Röth

          Die Mitarbeiter der Fundación Visión kennen jeden Kilometer, vermutlich fast jedes Schlagloch der Trans Chaco. Das ist auch gut so, denn wer nicht aufpasst, hat sich schnell einen Platten oder eine schlimmere Panne eingefangen. Auf Erste Hilfe in solchen Situationen haben sich die in endloser Kette den Straßenrand säumenden „Gomerias“ spezialisiert. Vor ihren Werkstätten, die meist nicht mehr als Bretterverschläge sind, stehen mannshohe Reifen, die mit breiten, weißen Lettern auf den Service hinweisen.

          Vorbei an riesigen Rinderfarmen, die in Südamerika „Estancia“ genannt werden, geht die Fahrt weiter nach Nordwesten. Die Sonne hat ihren Zenit schon überschritten, doch die Temperatur verharrt unerbittlich weit jenseits 30 Grad-Marke. Schließlich biegt der kleine Bus auf eine Sandpiste nach Westen ab. Solche Straßen und nicht etwa die Ruta 9 seien der Normalfall im Chaco, erklärt der Fahrer, während der Bus hin- und herschaukelt wie ein Fischerboot bei hohem Wellengang. So lange es trocken sei, komme man auf den Erdstraßen noch einigermaßen voran, wenn es aber wieder einmal einen Wolkenbruch gegeben habe, dann seien die Dörfer im Chaco von der Außenwelt abgeschnitten.

          Das Ziel an diesem Tag ist die Siedlung La Armonia. In den mit Wellblech bedeckten Hütten leben Familien wie die von Zaida. Das inzwischen acht Monate alte Mädchen war zu früh zur Welt gekommen und drohte wegen einer Fehlentwicklung an der Netzhaut zu erblinden. Die Team der Fundación will sicherstellen, dass die Behandlung erfolgreich war und das Auge sich mittlerweile gut entwickelt. In Deutschland könnten die Eltern dafür einfach zur Nachkontrolle kommen, die Familien im Chaco sind dagegen auf die Versorgung durch die Fundación angewiesen. Allerdings erreichen die Augenärzte nur einen Bruchteil der Bevölkerung, die Anreise aus Asunción ist strapaziös und kostet Zeit, die für Untersuchungen und Behandlungen fehlt. Deshalb sollen im Chaco kleine augenmedizinische Stationen aufgebaut werden, an die sich die Eltern mit ihren Kindern wenden können. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten die F.A.Z.-Leser mit ihren Spenden.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für das Kinder-Palliativ-Team Südhessen, um Eltern zu unterstützen, die ein Kind mit lebensverkürzender Behinderung erwarten, und ein Projekt der Christoffel-Blindenmission in Paraguay, mit dem verhindert werden soll, dass Frühgeborene erblinden.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Bei der Frankfurter Volksbank IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          Bei der Frankfurter Sparkasse IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Die Namen der Spender werden auf Wunsch in der Zeitung veröffentlicht. Bitte geben Sie bei der Überweisung im Verwendungszweck an, ob wir Ihren Namen veröffentlichen dürfen.

          Weitere Informationen zur Spendenaktion unter www.faz-leser-helfen.de.

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