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F.A.Z.-Leser helfen : „Da ist noch etwas, eine Möglichkeit“

  • -Aktualisiert am

Ansprechpartnerinnen in der Not: Esther Thiessen, Susanne Trusheim und Elisabeth Knecht Bild: Frank Röth

Wenn werdende Eltern erfahren, dass ihr Kind nur sehr kurze Zeit überleben kann, dann bricht für sie alles zusammen. In der Klinik sind neben den Ärzten oft Seelsorgerinnen die wichtigsten Ansprechpartner für sie.

          Das große rote Wollherz hängt mit einer Metallöse fest an einem wesentlich kleineren, genauso rot, genauso wollig. Und doch werden sie bald getrennt werden. Immer wenn ein Kind im Bürgerhospital tot auf die Welt kommt oder kurz nach der Geburt stirbt, überreicht Seelsorgerin Susanne Trusheim den Eltern solch ein Doppelherz. Das große kommt zu dem toten Kind ins Abschiedskörbchen, das kleine nehmen die Eltern mit nach Hause. Viele tragen es immer bei sich, denn es zeigt nach außen Liebe, nicht Schmerz und Leid. Es sind oft nur solche Symbole, Rituale und Gesten, die bleiben, wenn das Unfassbare geschieht und Worte versagen.

          „Eine Mutter, die selbst ihr Kind verloren hat, häkelt diese Herzen für alle Mütter mit dem gleichen Schicksal“, erklärt die Gemeindepädagogin, die seit neun Jahren als Klinikseelsorgerin im Bürgerhospital arbeitet. Die meisten Eltern, die die Diagnose erhalten, dass ihr Kind so schwer behindert ist, dass es kaum oder nur sehr kurze Zeit überleben wird, brechen die bis zur endgültigen Diagnose oft weit fortgeschrittene Schwangerschaft ab, so ihre Erfahrung: „Viele können sich aber auch gar nicht vorstellen, dass sie überhaupt die Kraft haben könnten, einen anderen Weg zu gehen.“ Erst ein einziges Mal habe sie Eltern begleitet, die mit Unterstützung des Kinder-

          Bis zu dessen Tod pflegen

          Palliativ-Teams Südhessen ihr schwerstbehindertes Neugeborenes zu Hause bis zu dessen Tod gepflegt haben. Manche der Eltern, die sich gegen einen Abbruch entschieden, suchten Unterstützung in einem Kinderhospiz, weil sie sich die Pflege eines todkranken Babys zu Hause nicht zutrauten.

          Mit der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ sammelt diese Zeitung Spenden für die vorgeburtliche Beratung des Kinder-Palliativ-Teams, deren Kosten die Krankenkassen nicht übernehmen. Zudem sollen mit Hilfe der Spenden weitere Schulungen und Informationsmaterial finanziert werden. Damit soll die Arbeit des Teams bekannter werden und in den Fokus rücken, was sonst nur selten in die Öffentlichkeit gelangt.

          Menschen Leiden ersparen

          Auch für die Ärzte auf der Neonatologie, der Intensivstation für Säuglinge, sei die Zusammenarbeit mit dem Kinder-Palliativ-Team noch recht neu. Ebenso wie das Bürgerhospital ist die universitäre Frauenklinik ein sogenanntes „Perinatalzentrum Level 1“, also ein Geburtszentrum mit der höchsten Versorgungsstufe, an das Schwangere mit gesundheitlichen Schwierigkeiten ihres Ungeborenen verwiesen werden. Betroffene Eltern berichten, dass ihnen Ärzte in unterschiedlichen Kliniken zunächst immer zu einem Abbruch der Schwangerschaft geraten hätten. Oberstes Ziel von Ärzten sei es natürlich, Menschen Leiden zu ersparen, bestätigt Pfarrerin Elisabeth Knecht, Klinikseelsorgerin in der Neonatologie des Universitätsklinikums. „Und das Leben mit einem todgeweihten Kind ist natürlich erst einmal absolut schrecklich“, sagt sie.

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