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F.A.Z.-Leser helfen : Bildung für Kinder und Hilfe in schweren Krisen

  • -Aktualisiert am

Hilfsbedürftig: Kinder, die in Nordostindien in einem Steinbruch arbeiten, sollen zur Schule gehen und einen Beruf erlernen können. Bild: Eilmes, Wolfgang

Wie in den vergangenen Jahren bittet die F.A.Z. ihre Leser um Spenden für besondere Projekte. Dieses Mal sammelt sie für Schulen in Indien und die Notfallseelsorge Frankfurt.

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          Die „Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung“ bittet ihre Leser in der Vorweihnachtszeit wieder um Spenden für soziale Projekte. In diesem Jahr werden die Hilfe für Kinder in Indien des in Königstein ansässigen Vereins Childaid Network und die Notfallseelsorge Frankfurt unterstützt.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit Hilfe von Childaid Network sollen vor allem mehr Slum-Schulen im Nordosten Indiens gebaut werden, um Kindern eine Chance auf Bildung zu geben. Das Elend dort ist groß, wie diese Alltagsszene aus einer Steinmühle in einer der ärmsten Ecken der Millionenstadt Guwahati zeigt: Die Maschine ist ein gelbes röhrendes Monster. Immer wieder gehen Frauen die zehn Meter vom Lastwagen zu der Mühle, mit großen Felsbrocken auf den Köpfen. Am Fuße des Schotterberges sammeln kleine Mädchen die größten Steinbrocken in Blechschalen zusammen. Viele von ihnen sehen nicht älter aus als zwölf. In einer Pfütze sitzt der drei Jahre alte Rashi. Seine Mutter schleppt Steine. Sein Bruder Scha Ani hat einen steifen Arm. Beim Spielen auf dem Geröllhaufen hat sich der Fünfjährige den Arm gebrochen. Für einen Arzt war kein Geld da.

          Es gibt keine genauen Zahlen

          Guwahati, eine Millionenstadt im äußersten Nordosten Indiens, ist in den vergangenen Jahren enorm schnell gewachsen. Ethnische Konflikte in den Grenzgebieten zu Bhutan und Nepal, die Armut im nahen Bangladesch, fehlende Arbeitsplätze und Hunger im unmittelbaren Umland treiben jedes Jahr Tausende in die größte Stadt des Staates Assam. Rashis Familie kam vor einigen Jahren aus einem Dorf in den Bergen. Rashis Mutter verdient hier 1,50 Euro am Tag. Mit ihren fünf Kindern wohnt sie in einer winzigen Wellblechhütte neben dem Geröllhaufen.

          Wie viele Kinder wie Rashi und sein Bruder in Guwahati in extremer Armut leben, ist schwer zu sagen. Sie fallen durch die Register. Pater Lukose Cheruvalel, der sich seit Jahrzehnten mit seinem Orden Don Bosco um die Straßenkinder der Stadt kümmert, schätzt ihre Zahl auf 20.000. Sie in die Schule zu schicken, können sich ihre Familien nicht leisten.

          30 Slumschulen sollen gebaut werden

          Childaid Network setzt sich seit 2006 gemeinsam mit Pater Lukose für Kinder wie Rashi und Scha Ani ein. Nur zehn Gehminuten von der Steinmühle entfernt haben sie eine Slumschule für die Kinder aus diesem Viertel eingerichtet. Hier können Scha Ani und vierzig weitere Jungen und Mädchen Kind sein, sie spielen und singen, lernen lesen und schreiben.

          Dreißig solcher Slumschulen will Childaid-Gründer Martin Kasper in den nächsten zwei Jahren aufbauen, vorerst 1500 Kinder auf diese Weise von der Straße holen und ihnen einen ersten Schritt in die Bildungswelt ermöglichen. Der frühere Accenture-Partner konzentriert sich seit seinem Ausstieg aus der Unternehmensberatung ganz darauf, gemeinsam mit Pater Lukose das Leben der ärmsten Kinder in Guwahati zu verbessern.

          Jeden Tag, rund um die Uhr

          Kasper will außerdem eine veraltete Berufsbildungswerkstatt in Guwahati auf Vordermann bringen. Neue Werkzeuge und Maschinen sollen Jugendlichen den Weg in ein geregeltes Berufsleben ermöglichen, damit sie eine Alternative zur Arbeit an der Steinmühle haben.

          Szenenwechsel: Schwere Unfälle, Gewalttaten, versuchte Suizide, Überbringung von Todesnachrichten – in solchen extrem schweren Situationen sind nicht nur Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte gefragt, sondern auch Experten, die Opfer und Angehörige psychosozial unterstützen. Diesem Dienst hat sich die Notfallseelsorge des Diakonischen Werks für Frankfurt verschrieben. Fast 200 Einsätze hat sie im vergangenen Jahr gehabt und dabei mehr als 480 Menschen betreut. Sie ist an jedem Tag im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit – für alle Menschen, unabhängig von ihrer Weltanschauung. Benachrichtigt werden die Mitarbeiter über die Leitstelle der Feuerwehr.

          Zusätzlicher Sozialarbeiter ist besonders wichtig

          Die Notfallseelsorge ist ein Akuthilfe-Angebot, das es seit 1999 gibt. Weil die Anforderungen an die Arbeit steigen und sich der Einsatz in den vergangenen Jahren immer mehr ausdifferenziert und erweitert hat, soll die Notfallseelsorge mit Hilfe der Spenden um eine Sozialarbeiterstelle und eine halbe Stelle für eine Verwaltungskraft erweitert werden. Tätig ist die Notfallseelsorge beispielsweise auch in Schulen, Sportvereinen und Kliniken. Sie arbeitet auch mit dem Jugendamt der Stadt zusammen.

          Vor allem der zusätzliche Sozialarbeiter ist wichtig, um mehr Opfern von Unfällen und Gewalt und deren Angehörigen, aber auch Suizidgefährdeten Hilfe anbieten zu können. Zum Dienst der Notfallseelsorge gehört aber auch die Unterstützung für Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte, damit sie schwere Einsätze besser verkraften können.

          Nur eine hauptamtliche Mitarbeiterin

          Die Spenden sollen als Anschubfinanzierung dienen, die Diakonie will in den nächsten Jahren nach einer dauerhaften Finanzierung der Stellen sorgen. Die zusätzliche Sozialarbeiter-Stelle kostet rund 68.000 Euro im Jahr. Geleitet wird die Notfallseelsorge von Pfarrerin Irene Derwein.

          Ihre einzige hauptamtliche Mitarbeiterin ist bisher die Psychologin Silvia Ehlert. Sie teilen sich eine Stelle, die von der evangelischen Kirche und dem Diakonischen Werk finanziert wird. Hinzu kommen rund 45 besonders geschulte Ehrenamtliche. Derwein und Ehlert sind selbst im Einsatz, erstellen Dienstpläne für die Ehrenamtlichen und bieten ihnen Fortbildungen an. Das Einsatzgebiet der Notfallseelsorger ist Frankfurt, auf Anfrage auch der Flughafen. Bei Katastrophen werden die Hilfskräfte auch andernorts tätig.

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