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F.A.Z.-Leser helfen : Der Schwarze mit der weißen Haut

Blick in ein neues Leben: Imari braucht die Brille für sein Examen dringend. Bild: Helmut Fricke

Menschen mit Albinismus werden in Kenia oft diskriminiert. Omari Mwakazi will trotzdem ein normales Leben führen. Einfach ist das für den Jungen nicht.

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          Das Lächeln auf dem Gesicht ist schnell wieder verschwunden. Omari Mwakazi spricht so leise und vorsichtig, als könnten zu laute Worte das Haus zum Einsturz bringen, in dem er gerade sitzt und sich und seine neue Brille in einem Spiegel betrachtet. Dort sieht er einen 14 Jahre alten Jungen, der auffällt, weil er anders ist. Omari Mwakazi ist eigentlich ein Schwarzer, seine Eltern haben dunkle Haut. Er jedoch hat einen Gen-Defekt, wurde mit Albinismus geboren und hat deshalb weiße Haut und weißblonde Haare.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seine neue Brille soll einen schwarzen Rand haben, wünscht sich Omari. Das Modell, das er nun im Augenzentrum in Kwale, 20 Autominuten von der kenianischen Küstenstadt Mombasa entfernt, trägt, gefällt ihm und vor allem: Er kann sich selbst und seine Umwelt damit sehen. Er lächelt, als er die Brille zum ersten Mal aufsetzt. Doch schnell ist das Lächeln wieder verschwunden. Ein befreites Lachen gehörte bisher eher selten zu seinem Alltag.

          Während sich in Deutschland Menschen mit Albinismus nicht weiter von jenen ohne diese Erbkrankheit unterscheiden lassen, ist das in Afrika anders. Für die Betroffenen hat das schwerwiegende Folgen. Denn erstens leiden Menschen wie Omari unter der starken Sonneneinstrahlung, weil durch den rezessiv vererbbaren Gen-Defekt die reguläre Produktion des Pigments Melanin blockiert und die Dunkelfärbung der Haut dadurch verhindert wird. So drohen ihnen schwere Verbrennungen und Hautkrebs, die Lebenserwartung ist aufgrund dieser Risiken geringer.

          Eingeschränkte Sehfähigkeit

          Auch die Sehfähigkeit ist durch den Pigmentfehler in den meisten Fällen erheblich eingeschränkt. Doch das ist nicht alles: Menschen mit Albinismus sind in Afrika häufig Opfer von Ausgrenzung und Gewalt, weil sie anders aussehen.

          „Die Brille ist unheimlich wichtig für ihn“, sagt Shabaan Nyere, der mit Omari ins Kwale Eye Centre gekommen ist. Nyere ist einer jener „Community Health Workers“, die im Auftrag der Regierung unter der Landbevölkerung in Kenia ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung sicherstellen sollen. „Seine letzte Brille wurde ihm vor Monaten in der Schule gestohlen.“ Für Omari war das eine Katastrophe, er hätte sich am liebsten sofort eine neue besorgt. Doch eine Fahrt aus seinem gut zwei Stunden entfernten Heimatort nach Kwale war für seine Familie zu teuer. Also musste er ohne die Brille auskommen. Und das ausgerechnet jetzt: Nächste Woche stehen die nationalen Examina an, bei denen er sich die Zulassung für die High School sichern will. Ohne Brille wird das nichts. „Aber ich muss das schaffen, ich will doch Lehrer werden“, flüstert Omari.

          Dass er nun die neue Brille und damit die Chance auf Verwirklichung seines Berufstraum erhält, ist auch ein Verdienst der Christoffel Blindenmission. Die Hilfsorganisation mit Sitz im hessischen Bensheim unterstützt Augenzentren in Kenia, darunter jenes in Kwale, damit dort blinden und stark sehgeschwächten Menschen geholfen werden kann. Die Versorgung von Augenkrankheiten ist in dem westafrikanischen Land noch stark unterentwickelt, es fehlt an Aufklärung und an Kliniken, in denen Augenpatienten behandelt werden können. Die Spenden des Projekts „F.A.Z.-Leser helfen“ sind ein wichtiger Bestandteil, damit Kinder und Jugendliche wie Omari Mwakazi eine Chance auf ein normales Leben haben. Genau das ist der große Traum des Jungen. Bislang, erzählt Shabaan Nyere, „hatte er ein sehr schwieriges Leben“.

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