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Vom Manager zum Hospizhelfer : Ein Begleiter bis zum Schluss

  • -Aktualisiert am

Freunde: Thorsten Haase und der 14 Jahre alte Joel verbringen jeden Freitag gemeinsam Zeit. Bild: Thorsten Haase

Joel wird kein langes Leben haben. Thorsten Haase begleitet den Jungen auf seinem Weg. Der Unternehmensberater hat seine Pläne über den Haufen geworfen und einen Hospizdienst aufgebaut.

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          Als Joel irgendwann den kleinen Fuß auf seinen großen Oberschenkel schob und ihn aus einem Augenwinkel heraus freundlich ansah, war das Eis gebrochen. Es war nur eine zarte Geste – und trotzdem wusste Thorsten Haase, dass er angekommen war. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler, erfolgreiche Un­ter­nehmensberater und Inhaber eines Radtouristikunternehmens mit 80 Mitarbeitern hatte den Sinn im Leben gefunden, den er gesucht hatte. Projektentwicklung, Kommunikationsberatung, das war seine Welt. Der Arbeitstag mit sehr vielen Stunden, prall die Agenda, immer ging es um Ziele und messbare Erfolge. Eine Welt, die Joel nie kennenlernen wird. Das alles aber wollte Thorsten Haase eines Tages nicht mehr. Er war 54, verkaufte seinen Anteil an der Firma und bewarb sich für eine Ausbildung als ehrenamtlicher Helfer bei einem Kinderhospizdienst. „Ich hatte damals genug Geld verdient und wollte gern etwas zurückgeben, denn ich hatte viel Glück im Leben“, sagt er heute mit 60.

          Damals lernte er Joel kennen. Der war elf und seit seiner Geburt, bei der er zu wenig Sauerstoff bekommen hatte, halbseitig spastisch gelähmt, von schweren Krampfanfällen geschüttelt, dazu Autist. Joel lebt in einer Pflegefamilie. „Einmal hat er bei einem Krampfanfall einen Herzstillstand erlitten und musste reanimiert werden“, schildert Haase. „Darauf bereitet einen niemand vor.“ Der heute 16 Jahre alte Junge wird nach ärztlicher Prognose nicht alt werden und gehört so zu den etwa 50.000 Kindern und Jugendlichen in Deutschland, die lebensverkürzend erkrankt sind. Das heißt, sie sterben vor ihrem 27. Geburtstag.

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