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F.A.Z.-Sonntagsgeschichten : Freunde ohne Wenn und Aber

  • -Aktualisiert am

Vielseitig und humorvoll: die Figuren von Illustratorin Barbara Jung Bild: Barbara Jung

Adelheid ist die jüngste von vier Schwestern und kann, so denkt sie, nichts besonders gut. Welche Stärken sie dennoch in sich trägt, verrät Autorin Sabine Ludwig am 4. Dezember bei den F.A.Z-Sonntagsgeschichten.

          3 Min.

          Adelheid – was für ein blöder Name. Aber die Eltern wollten, dass alle ihre Töchter mit einem „A“ anfangen. Nach Annabel, Alexandra und Antoinette blieb für die vierte Tochter leider nur noch der Name einer runzligen alten Verwandten üb­rig. Und noch eine Ungerechtigkeit macht Adelheid wütend: Ihre drei großen Schwestern sind hübsch und begabt, eine in Sport, die andere in Kunst und die dritte in Mathe­matik. Adelheid dagegen kann nichts richtig gut, darum wiederholt sie gerade auch das dritte Schuljahr.

          Sabine Ludwig liest schon zum dritten Mal bei den Sonntagsgeschichten für den guten Zweck.
          Sabine Ludwig liest schon zum dritten Mal bei den Sonntagsgeschichten für den guten Zweck. : Bild: Oettinger Verlag

          Was für ein Glück, dass ihre Lehrerin, die etwas hilflose Frau Schmelzekopf, auch so einen schreck­lichen Na­men hat. Und was für ein Glück erst, dass es Benni gibt, ihren besten Freund. Der ist allerdings kein Vorzeigeschüler, kommt immer zu spät, gibt ständig Widerworte und hat nur Quatsch im Kopf. Im Zoo zum Beispiel eine Schild­kröte stehlen. Aber Benni ist nicht böse, sondern einer, um den sich niemand richtig kümmert. Und darum muss eben Adelheid ihm dauernd aus der Patsche helfen. Wobei sie den Schlamassel oft noch schlimmer macht.

          Sabine Ludwig, die Adelheid-Erfinderin, mag ihre Figur wahnsinnig gern, wie sie sagt. Gerade schreibt sie am dritten Band. Und in Benni kann sie sich gut hineindenken, weil auch sie selbst mit wenig Geld aufgewachsen ist und ständig Unsinn machte. Damals hätte sie sich so sehr eine Freundin wie Adelheid gewünscht, einen Menschen, der ohne Wenn und Aber zu ihr steht. Jemand, der er­kennt, wer sie wirklich ist, so wie Adelheid intuitiv weiß, dass Benni ein feiner Kerl ist, trotz allen Ärgers, den er ständig auslöst.

          Ab­tauchen in eine andere Welt

          „Meine Bücher sind Mogelpackungen“ sagt Sabine Ludwig, und das meint sie ernst. Weil hinter den mehr als fünfzig Titeln mit humorvollen Geschichten und skurrilen Ty­pen auch ernste Themen verborgen sind. Weil es in Wirklichkeit ja auch so ist, dass Kinder Probleme und Sorgen haben und nicht alles im Leben lustig ist. Und von denen er­zählt die Autorin seit mehr als dreißig Jahren, aber so, dass man zu­gleich schallend lachen kann.

          Nach dem dritten Adelheid-Band wird dann Schluss sein, mehr Ge­schichten über das Mädchen möchte Sabine Ludwig nicht schreiben. So war es auch bei Serafina, der Hexe, die nicht hexen darf, von ihr gibt es drei Bände. Von Frieda Frosch, der frechsten Göre der Stadt, gibt es zwei Bü­cher und von der cleveren Ida vier.

          Nur über die fabelhafte Miss Braitwhistle, die trillerpfeifentragende Aus­tauschlehrerin aus England, hat Sabine Ludwig sechs Bände geschrieben. Und am bekanntesten geworden ist vielleicht ihr Kinderroman „Hilfe, ich habe meine Lehrerin ge­schrumpft“, in dem der zwölf Jahre alte Felix aus Versehen die von allen gehasste Mathelehrerin schrumpft und in seine Jackentasche steckt. Da hockt sie nun und hört nicht auf zu schimpfen. Die Geschichte ist inzwischen verfilmt worden, doch auch sie ist ein wenig eine „Mogelpackung“. Denn auch hier geht es um ein ernstes Thema: um einen Jungen, der eher ängstlich ist und mit der Zeit immer mutiger mit seinem Problem umgeht.

          Themen lassen sich überall finden

          Es sei schwer, lustige Bücher zu schreiben, hat Sabine Ludwig einmal gesagt. Und es sei, je älter sie werde, noch schwerer. Weil sie den Ehrgeiz habe, sich nicht zu wiederholen und es darum keine Schreibroutine geben dürfe. Für jedes Buch sucht sie nach einem neuen Thema und nach originellen Figuren. Die kann sie allerdings überall finden: in der Zeitung, in ihrem Alltag oder in ihrer eigenen Kindheit. Aber dann geht es mit der Arbeit erst richtig los, jeden Tag schreibt sie in ihrer kleinen Schreibklause über den Dächern von Berlin fünf Seiten – das ist ihr Ziel. Wenn sie das nicht schafft, muss sie am Wo­chenende „nachsitzen“, und das passiert oft. Ohne diese Strenge mit sich selbst, meint sie, wäre sie nie so er­folgreich geworden.

          Sabine Ludwigs größter Wunsch: dass wieder mehr Kinder erkennen oder lernen, dass Lesen etwas Besonderes ist. Dass man lustvoll ab­tauchen kann in eine andere Welt. Dass Bücher trösten können. Durch Le­sungen hofft sie, dazu beizutragen. Am Sonntag, 4. Dezember, liest sie bei den „Sonntagsgeschichten“ zu­guns­ten des Spendenprojekts F.A.Z.-Leser helfen – schon zum dritten Mal. Wenn sie in Schulen liest, merkt sie, dass gerade Jungen erst einmal keine Lust haben zuzuhören – und dann oft am lautesten lachen. Einmal wurde sie nach einer Lesung von einem Mädchen gefragt, was es für ein Gefühl sei, so viele Kinder glücklich zu machen mit ih­ren Büchern. Diese Frage hat sie überrascht und gerührt, ihre Antwort – nach langem Nachdenken: „Glücklich und dankbar.“

          Wer, wann, wie?

          Die Kinderbuchautorin Sabine Ludwig liest am nächsten Sonntag, 4. Dezember, aus ihrem Buch „Ausgerechnet Adelheid! – Alles für die Katz?“ Die Lesung findet von 15 bis 16.30 Uhr im Funkhaus bei Radio FFH (FFH-Platz 1) in Bad Vilbel statt. Parkplätze sind vorhanden. Karten sind für 5 Euro pro Person erhältlich unter: veranstaltungen.faz.net. Fragen beantwortet Christine Mayer-Simon unter der Rufnummer 069 / 7591-1251.

          Der Beitrag kommt vollständig der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ zugute. Weitere Informationen zu den Projekten, die in diesem Jahr unterstützt werden, gibt es unter www.faz-leser-helfen.de.

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