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F.A.Z.-Leser helfen : Mit Reis und Bohnen gegen den Hunger

Gut und günstig: Beim Kochkurs im „Nutrition Center“ der German Doctors im Slum Mathare lernen Eltern, wie sie ihre unterernährten Kinder versorgen können. Bild: Frank Röth

Beine dünn wie Zweige, Rücken krumm von der Rachitis: In Kenias Slums hungern Tausende Menschen. Dürre und steigende Preise durch Krieg und Corona haben die Situation noch verschlimmert. Die „German Doctors“ wollen helfen.

          5 Min.

          Samira Massir hat einen dicken Ordner voller Erfolge. Sie blättert irgendeine Seite auf. Zu sehen sind die Fotos eines Babys. Auf der ersten Aufnahme ist es so dünn, dass die Knochen herausstechen. Ärmchen und Beinchen wirken wie Zweige, so zerbrechlich. Massir zeigt auf die zweite Aufnahme neben diesem Bild. Es ist dasselbe Kind, aber es sieht vollkommen anders aus: strahlende Haut, dicke Backen, speckige Ärmchen. „Vier Wochen liegen zwischen den Aufnahmen“, sagt die Ernährungsberaterin, und ihre Stimme klingt stolz.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie hat dieses Kind aufgepäppelt, so wie Hunderte andere in ihrem Ordner. Manche kamen als Gerippe zu ihr ins „Nutrition Center“ im Slum Mathare, ein paar Kilometer entfernt vom Zentrum der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Manche waren durch die Mangelernährung so geschwollen, dass kaum noch Gliedmaßen zu erkennen waren. Jetzt sind sie im „Feeding Programm“ der German Doctors, für deren Engagement in Nairobi die F.A.Z.-Leserinnen und Leser in diesem Jahr spenden können. Das Ernährungsprogramm soll Mangelerscheinungen entgegenwirken und vor dem Hungertod bewahren.

          Doch Samira Massir hat ein Problem: Plumpy’nut ist aus. Das ist das Wundermittel, das hinter der Verwandlung der Kinder steckt. Es sind Sachets mit einer Erdnusspaste, so energiereich, dass ein kleines Tütchen eine Mahlzeit ersetzt. 500 Kilokalorien enthält die Mischung aus Nüssen, Milch und Vitaminen. Die abgemagerten Kinder bekommen manchmal fünf am Tag davon. Kein Wunder, dass sie nach drei bis vier Wochen ordentlich zugelegt haben.

          Erfolgreich: Samira Massir leitet die Ernährungsberatung der German Doctors. Sie hat schon viele Kinder mit Nusspaste aufgepäppelt.
          Erfolgreich: Samira Massir leitet die Ernährungsberatung der German Doctors. Sie hat schon viele Kinder mit Nusspaste aufgepäppelt. : Bild: Frank Röth

          Die Lieferketten sind durch die Pandemie und den Krieg in der Ukraine gestört. In Kenia zeigt sich das an allen Ecken: Medikamente und Spezialnahrung fehlen, sind einfach nicht mehr zu bekommen. Aber auch Grundnahrungsmittel können knapp werden: „Manchmal kriegen wir wochenlang keinen Reis“, sagt George Audi, der Landesdirektor der German Doctors in dem ostafrikanischen Land. Und das, was es gibt, ist teurer denn je – die Preise reagieren auf die Weltlage. Wenn ein Schiff mit ein paar Hundert Tonnen Getreide im Hafen von Odessa versinkt, und europäische Einkäufer daraufhin einen höheren Preis für das knapper gewordene Gut zahlen, können die Kenianer nicht mehr mithalten.

          Dürre und Pandemie machen den Menschen zu schaffen

          Ein paar letzte Tüten Plumpy’nut hat Samira Massir noch. Sie gibt sie nur noch an Kinder, die zusätzlich zu ihrem Untergewicht noch Tuberkulose haben oder HIV-positiv sind. Für die anderen können ihre Eltern sich unten im Erdgeschoss des „Nutrition Centers“ für eine Portion Reis mit Bohnen anstellen. 500 Portionen geben die German Doctors dort jeden Tag aus. Im benachbarten Slum Korogocho, wo die Menschen noch ärmer sind, sind es noch mal so viele.

          Die Bewohner von Korogocho, die meist von der gigantischen Müllkippe leben, an deren Fuß der Slum gewachsen ist, wurden von den Auswirkungen der Pandemie besonders hart getroffen. Von einem Tag auf den anderen luden Fluggesellschaften und Hotels keine Lebensmittelabfälle mehr auf der Deponie ab. Für die Müllsammler, die auf die Speisereste zum Überleben angewiesen sind, brach die Versorgung damit faktisch zusammen.

          Hunger ist zur Zeit die größte Herausforderung für die Menschen in Kenia. So schätzt es George Audi ein. Das liegt an den Lieferketten und der Pandemie, durch die zudem viele ihren Job und damit das bisschen Geld, das ihnen vorher zum Leben reichte, verloren haben. Es liegt aber auch an der Dürre, die Ostafrika seit mehreren Jahren im Griff hat. Im Norden verenden die Herden der Bauern, die eine Missernte nach der anderen einbringen. Das berichten Hilfsorganisationen wie World Vision. „Fünf Millionen Kenianer leiden gerade Hunger“, sagt die Ernährungsexpertin Samira Massir.

          Immer der Reihe nach: Essensausgabe an Slumbewohner mit Berechtigungsschein im Nutrition Center der German Doctors
          Immer der Reihe nach: Essensausgabe an Slumbewohner mit Berechtigungsschein im Nutrition Center der German Doctors : Bild: Frank Röth

          Der Hunger hat viel verändert. Vor der Pandemie hat George Audi in Nairobi 350 Portionen am Tag ausgeben lassen. In diesem Jahr hat er sein Budget für Nahrungsmittel eigentlich schon im August aufgebraucht. Knapp 50.000 Euro gibt er im Monat für die Versorgung der Slumbewohner aus, die sonst verhungern würden.

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