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F.A.Z.-Hauptwache : Kirchturmdenken, Mittelmaß, Ghostbike

Die Initiative Ghostbike Frankfurt erinnert an die Opfer von Verkehrsunfällen in der Mainmetropole. (Symbolbild) Bild: Daniel Vogl

Ein neues Konzept für die regionale Flächenplanung, Hessen in der Bildungspolitik nur mittelmäßig und die Geschichte eines Ghostbike-Mahnmals. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, lesen Sie in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Guten Morgen!

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der erste Satz unseres Aufmachers lautet heute: „Zum ersten Mal hat das Regierungspräsidium Darmstadt ein Konzept vorgelegt, das zeigen soll, welche Flächen im Rhein-Main-Gebiet für Neubaugebiete geeignet wären.“ Da stutzt der Laie und selbst der Fachmann wundert sich. Man sollte doch denken, dass sich die regionale Flächenplanung schon öfter mit dieser Frage beschäftigt hat. Hat sich auch, nur leider aus der falschen Perspektive. Bisher wurden zunächst die Kommunen nach ihren Wünschen gefragt und anschließend hat man versucht, diese soweit möglich zu erfüllen. Diesmal hat das Regierungspräsidium ein Planungsbüro beauftragt, die Potentiale unabhängig von politischen Einflüsterungen und vom Kirchturmdenken der Kommunen aufzuzeigen, gewissermaßen mit Blick auf das große Ganze. Mechthild Harting beschreibt, was dabei herausgekommen ist, und kommentiert das Ergebnis auch.

          Hessen ist, man muss es leider sagen, in Bildungsdingen nur unteres deutsches Mittelmaß. Das zeigt der aktuelle „Bildungsmonitor“ des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft. Demnach liegt Hessen auf Platz 10 der Bundesländer, Spitzenreiter sind wie gewohnt Sachsen und Bayern. Eingeflossen sind in die Bewertung 93 Indikatoren, es wird das Bildungssystem von der Kinderbetreuung bis zur Hochschule in den Blick genommen. Unter den vielen Zahlen sind etliche, über deren Bedeutung man lange streiten kann. So ist der Akademikeranteil am Personal in hessischen Kitas mit 11,7 Prozent bundesweit Spitze. Die erfreulichste Zahl ist eine andere: Nur 10,3 Prozent der ausländischen Schüler bleiben ohne Abschluss; damit liegt Hessen sehr deutlich unter dem deutschen Durchschnitt von 18,1 Prozent. Mit Blick auf die Integration hat die Bildungspolitik hierzulande offenbar doch einiges richtig gemacht.

          An der Europaallee in Frankfurt ist ein kleines Mahnmal errichtet worden. Es handelt sich um ein sogenanntes Ghostbike, ein weiß getünchtes Fahrrad, von denen es leider schon viele gibt. Sie künden von Radfahrern, die bei Verkehrsunfällen getötet worden sind. In diesem Fall hieß das Opfer Matthias Michel, war 34 Jahre alt und angehender Zahnarzt. Am 26. Juli wurde er von einem abbiegenden Lastwagen erfasst. 200 Freunde, Bekannte und Aktivisten für einen sichereren Radverkehr fuhren in einem Trauerzug vom Römerberg an die Unglücksstelle. Wenig deutet darauf hin, dass schon bald etwas getan wird, um derartige Unfälle mit technischer Hilfe zu verhüten, was leicht möglich wäre. Bundesverkehrsminister Scheuer macht zwar Druck, doch die EU lässt sich sehr viel Zeit.

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          F.A.Z.-Newsletter „Hauptwache“

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Und außerdem: wird der Prozess gegen den früheren Präsidenten der European Business School, Christopher Jahns, in absehbarer Zeit neu aufgerollt werden; prüft der Frankfurter Magistrat den Neubau einer S-Bahn-Station im südlichen Abschnitt der Ludwig-Landmann-Straße in Bockenheim; gibt es bisher keine Anzeichen, dass der Mann, der in Wächtersbach auf einen Eritreer geschossen hat, Verbindungen ins rechtsextreme Milieu hatte.

          Einen angenehmen Tag wünscht Ihnen

          Ihr Matthias Alexander

          Der Tipp zum Wochenende

          Geheimtipps gibt es im Rheingau nur noch wenige – das Lorcher Weingut Weiler aber ist einer. Obwohl direkt am Fernwanderweg Rheinsteig gelegen wird der unscheinbare Betrieb leicht übersehen. Doch ein Besuch lohnt in jedem Fall, denn der Familienbetrieb ist authentisch und heimatverbunden. Die betont mineralischen Weine aus den besten Lorcher Steillagen haben einen betörenden Trinkfluss. Leider hat Weiler nur an diesem und am nächsten Wochenende geöffnet, weshalb Entschlussfreude vonnöten ist. Doch Lorch ist immer eine Weinreise wert, und die Regionalbahn 10 ein verlässlicher Zubringer.

          Weingut Weiler, Weiselberg 9, 65391 Lorch, Telefon 0 67 26/94 16, Internet www.weingut-weiler.de. Geöffnet Freitag und Samstag von 17 Uhr sowie Sonntag von 15 Uhr an.

          Wetter

          Heute scheint neben einigen Wolken auch längere Zeit die Sonne. Dazu bleibt es den ganzen Tag über trocken und die Höchstwerte liegen um 24 Grad. Nachts Wolken, aber trocken bei 15 Grad.

          Geburtstag haben

          heute

          Thomas Meinertz, Kardiologe, früherer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, Frankfurt (75); Erich Heidkamp (AfD), Mitglied des Hessischen Landtags, Frankfurt (71); Bärbel Grässlin, Galeristin in Frankfurt (65); Hans Nolte, Vorstandsvorsitzender der Hahn Air Lines GmbH, Initiator und Geschäftsführer der Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH (64); Ulrich Peters, Geschäftsführer der Licher Privatbrauerei (53); Mariana Harder-Kühnel (AfD), Mitglied des Deutschen Bundestags, Gelnhausen (45); Jochen Ruths, Präsident des Handelsverbands Hessen, Wiesbaden (44);

          am Samstag

          Karl Dietrich Seikel, Vorsitzender des Kuratoriums der Fazit-Stiftung, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH (73); Heiner Goebbels, in Frankfurt lebender Komponist und Theaterregisseur, ehemaliger Präsident der Hessischen Theaterakademie (67); Kurt Wagemann, Geschäftsführer der Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, Frankfurt (60); Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, Wiesbaden (58); Matthias Hildner, Vorstandsvorsitzender der Wiesbadener Volksbank (45);

          und am Sonntag

          Thomas Klingebiel, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt (66); Philip Burchard, Geschäftsführer der Merz Pharma GmbH, Frankfurt (61); Johannes Martin Kränzle, in Frankfurter lebender Opern- und Konzertsänger, Träger des Rheingold-Preises 2019 des Richard-Wagner-Verbands Frankfurt (57); Stefan Heck (CDU), Staatssekretär im hessischen Innenministerium (37);

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