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F.A.Z.-Forum Fußball : Attacken und Appelle

  • -Aktualisiert am

„Personaldiskussion eindampfen“: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und F.A.Z.-Sportressortleiter Anno Hecker Bild: Helmut Fricke

Innenminister Peter Beuth kritisiert beim F.A.Z.-Forum Fußball Russland und die Bremer Regierung. DFB-Chef Niersbach hält sich in Sachen Uefa zurück.

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          Noch sind es drei Jahre bis zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. In dieser Zeit kann viel passieren. Am Freitag wollte sich bei Peter Beuth keine Vorfreude auf das Sport-Großereignis einstellen. Der hessische Innenminister (CDU) kritisierte Russland scharf für dessen Veto im Weltsicherheitsrat. Mit diesem hatte Russland in dieser Woche ein internationales Tribunal zum Abschuss von Flug MH 17 über der Ostukraine verhindert. Im Juli 2014 waren bei dem Absturz 298 Menschen ums Leben gekommen. „Ich finde das unerträglich, dass der Veranstalter der WM die Aufklärung blockiert. So sind freie und fröhliche Spiele in Russland undenkbar“, sagte Beuth. Er dachte dabei besonders an die holländische Nationalmannschaft. Der Großteil der Opfer kam aus Holland. Deutschland hatte die Resolution unterstützt.

          Auf der Konferenz des Frankfurter Allgemeine Forum mit dem Titel „Anstoß am Finanzplatz. Das Phänomen Fußball“, die am Freitag in der Weltmeisterschaftsarena stattfand, widmete sich Beuth bei seinem Grußwort außerdem einem innenpolitischen Thema. Und wendete sich diesmal mit klaren Worten an die Politiker der rot-grünen Landesregierung in Bremen. Ein Appell, der ihnen zu denken geben soll. „Wir sind klug beraten, den Kollegen zu sagen: So geht es nicht“, sagte Beuth. „Rechnungen an Fußballvereine dürfen nicht gestellt werden.“ Die Bremer fordern aktuell von der Deutschen Fußball Liga (DFL) die entstandenen Polizeikosten für ein Spiel.

          Ein „populistisches Schauspiel“ in Bremen

          Der Einsatz der Sicherheitskräfte soll durch die Liga und die Vereine bezahlt werden. Diese Zahlungen lehnt die DFL jedoch ab. Deshalb muss die Sache wohl demnächst gerichtlich entschieden werden. Christian Seifert, der Geschäftsführer der DFL, war Beuth „sehr dankbar“ für dessen eindeutige Position. „Es ist bemerkenswert, dass die Politik so klare Worte ausspricht.“ Und weiter: „Der Fußball muss seine Hausaufgaben machen. Das hat er lange nicht gemacht. Aber in den letzten Jahren sind wir ganz gut dabei.

          “ Was aber in Bremen vor sich gehe, sei schon ein sehr „populistisches Schauspiel“, sagte Seifert auf der Konferenz. „Würde man in Bremen den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn kennen, hätte man wahrscheinlich nicht 20 Milliarden Euro Schulden bei 500.000 Einwohnern.“ Der Geschäftsführer ist gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird. „Und sollten wir dann tatsächlich vor Gericht verlieren, bin ich schon sehr gespannt, wie der Kölner Karneval und das Münchner Oktoberfest mit der Herausforderung umgehen werden.“

          Niersbach als Kandidat für Uefa-Chefposten?

          Eine neue berufliche Herausforderung sucht Wolfgang Niersbach aktuell nicht, ganz im Gegenteil: „Diese Personaldiskussion sollte man erst einmal eindampfen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitag. Ihm wird das Interesse nachgesagt, womöglich als Nachfolger von Michel Platini den Posten des Uefa-Chefs übernehmen zu wollen. Der ehemalige Europameister hat angekündigt, sich im nächsten Februar zum neuen Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) wählen lassen zu wollen. „Keiner weiß, was bis dahin passiert und ob Platini gewählt wird“, sagte Niersbach, der den Franzosen unterstützt.

          Aber: „Die Mehrheit für ihn zeichnet sich ab. Wenn sich nichts Gravierendes ändert, ist Platini der klare Favorit - egal, wer da kommen sollte.“ Momentan sieht sich Niersbach jedoch nicht als Kandidat für die Nachfolge von Platini. „Ich sehe keine Notwendigkeit, etwas anderes zu artikulieren.“ Dabei wird der DFB-Chef von dem einen oder anderen bereits als Favorit gesehen. „Wer hat das gesagt? Die kennen die anderen Mitglieder der Uefa-Exekutive nicht“, sagte Niersbach und fügte hinzu: „Ich würde schreien, wenn einer nach Genf geht und sagt: Hier kommt der Weltmeister. So funktioniert das international nicht, wenn wir immer nur den deutschen Hut und die deutsche Optik sehen.“

          Die geplante DFB-Akademie auf der Pferderennbahn, die von Ende 2018 die neue Heimat des DFB in Frankfurt werden soll, bezeichnete Niersbach am Freitag als „einzigartiges Projekt. Das soll der DFB der Zukunft werden. Es ist die größte Investition in der Geschichte des DFB“. Die Akademie soll in jeder Hinsicht die Zentrale des DFB werden. So werden in Frankfurt zum Beispiel in Zukunft die Leistungsdiagnostik und die Schiedsrichterausbildung zusammengeführt.

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