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EZB und Frankfurt : Die wichtigste Adresse der Stadt

Sicherheitszone: Am Wochenende hat die Polizei damit begonnen, das Gelände der EZB im Frankfurter Ostend weiträumig abzusperren. Bild: Helmut Fricke

Die Ansiedlung der EZB hat den Finanzplatz geadelt - doch das Verhältnis zu Frankfurt ist schwierig. Von einer Beziehung, die eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist. Eigentlich.

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          Es gab Zeiten, in denen es sich unbeschwert feiern ließ, dass mit der Europäischen Zentralbank eine der zentralen Institutionen des Kontinents ihren Sitz in Frankfurt genommen hat. Im September 1999 zum Beispiel, als an einem Mittwochnachmittag Helmut Kohl in der Paulskirche zum Ehrenbürger Frankfurts gekürt wurde, für seinen jahrelangen hartnäckigen Einsatz für die Ansiedlung der neuen Notenbank, die 1998 ihre Arbeit aufgenommen hatte. Die damalige Oberbürgermeisterin Petra Roth rühmt an diesem Tag die strategische Weitsicht des Altkanzlers, der wiederum von seiner Vision eines geeinten Deutschlands in einem geeinten Europa schwärmt: „Mit Gottes Hilfe und der Hilfe vieler haben wir das Tor aufgestoßen in eine neue Zeit.“

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Frankfurter Gesellschaft ist ganz bei sich an diesem herbstlichen Tag, alle sind sie gekommen, die Präsidenten der EZB und der Bundesbank, allein vier frühere Oberbürgermeister, und als der Ehrenbürger die Paulskirche verlässt, winken ihm seine neuen Mitbürger zu, vom elsässischen Markt, der auf dem Paulsplatz aufgebaut ist. Frankfurt, Deutschland, Europa, es fügt sich an diesem Nachmittag. Eine neue Notenbank, die den alten Finanzplatz adelt, die die Mainmetropole nach der Schmach von 1949, als sie nicht Hauptstadt der Bundesrepublik geworden war, nun zu einer der Hauptstädte Europas macht. Eine Delegation aus Straßburg, in Trachten gekleidet, überreicht Helmut Kohl Blumen und Sekt.

          Auch Bouffier nicht dort

          Einen Parteispendenskandal und zwei tiefe Rezessionen später scheint diese Ehrenbürgerschaft fast vergessen, das Bild vom geeinten Kontinent ist von Rissen übersät, und die Feier zur Eröffnung des neuen Sitzes der EZB, die auch so glanzvoll hätte werden können, ist an Verkrampfungen nicht zu überbieten. Das Fest fällt immer kleiner aus, es wird kein Treffen der europäischen Staatschefs, es gibt keine Rede des Präsidenten der EU-Kommission oder der Kanzlerin, keine Einladung ist ausgesprochen worden an diejenigen, denen es Frankfurt zu verdanken hat, dass die Notenbank hier sitzt und nicht zum Beispiel in London.

          Am Donnerstag wurde bekannt, dass selbst der hessische Ministerpräsident nicht dort sein wird. Auch Berichterstatter von Tageszeitungen sind nicht willkommen, sondern allein Vertreter der Nachrichtenagenturen und des Hessischen Rundfunks, weil, wie es heißt, angesichts der Demonstrationen der sichere Weg ins Gebäude nur für eine begrenzte Zahl von Gästen und Medienvertretern garantiert werden könne.

          Eröffnung absehbar verunglückt

          Die EZB igelt sich ein in ihrem Neubau im Frankfurter Ostend, als wäre es ihr unangenehm, dass sie nach Jahren des Provisoriums gegenüber der Oper am Willy-Brandt-Platz endlich ein eigenes Haus bezogen hat, als wolle sie am liebsten gar nicht bemerkt werden, was aber bei der spektakulären Architektur, auch dies eine Entscheidung in glücklicher Vorkrisenvergangenheit, natürlich ein frommer Wunsch bleiben muss. Die hochbezahlten Währungshüter, die sonst routiniert über das Schicksal von Staaten entscheiden, geben sich wie Kinder, die sich die Augen zuhalten und meinen, so würden sie von niemandem gesehen.

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