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Millionen für Spitzenforschung : Viel Freiraum auf der Exzellenz-Landkarte

Großes Kaliber für die Spitzenforschung: Das Kryomodul des neuen Elektronenbeschleunigers an der Uni Mainz Bild: Cornelia Sick

Herzforscher und Teilchenphysiker bekommen Millionen aus dem Bund-Länder-Wettbewerb. Insgesamt aber haben Hessen und Rheinland-Pfalz dort schwach abgeschnitten.

          Dass sie die Ehre der Frankfurter Universität gerettet hat, erfährt Stefanie Dimmeler im Urlaub auf Lanzarote. Hätten sie und ihre Kollegen nicht mit ihrem Cardio-Pulmonalen Institut die Gutachter überzeugt, wäre Hessens größte Hochschule in der aktuellen Runde des Exzellenzwettbewerbs von Bund und Ländern komplett leer ausgegangen. Schon im Vorentscheid für diese Konkurrenz hatte die Goethe-Uni unerwartet schlecht abgeschnitten: Von acht eingereichten Vorschlägen für Spitzenforschungsverbünde kam nur einer in die Endauswahl – eben Dimmelers Projekt, an dem auch Herz-Lungen-Spezialisten der Uni Gießen und des Max-Planck-Instituts in Bad Nauheim beteiligt sind.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Erleichtert“ sei sie, dass das Gemeinschaftsvorhaben den Zuschlag bekommen habe, lässt die 51 Jahre alte Professorin wissen. Das bezieht Dimmeler weniger auf die Tatsache, dass sich ihre Uni nun wenigstens mit einem Exzellenzcluster schmücken kann. Sie ist vor allem froh, dass sich der Arbeitseinsatz gelohnt hat: „Wir haben zwei Jahre darauf hingearbeitet und Tausende Stunden investiert.“

          Geld für neue kluge Köpfe

          Ob der Leibniz-Preisträgerin und ihren Mitstreitern in den nächsten sechs Jahren tatsächlich wie zuerst berichtet rund 45 Millionen Euro für die Erforschung von Kreislauf- und Lungenleiden zur Verfügung stehen, muss sich noch zeigen. Es könnte sein, dass das Budget gekürzt wird, weil in dem Wettbewerb bundesweit mehr Cluster zur Förderung ausgewählt wurden als zunächst erwartet. Auf jeden Fall aber werden die Zuschüsse den Wissenschaftlern in Frankfurt und Gießen die Möglichkeit geben, weiterhin in der ersten Liga ihres Fachs mitzuspielen. Denn erfolgreich waren die Herz-Lungen-Forscher schon in der vorangegangenen Runde des Bund-Länder-Wettbewerbs.

          Einen großen Teil des Geldes, das ihnen jetzt zufließen wird, möchten Dimmeler und die anderen Sprecher des Exzellenzclusters in Köpfe investieren: 33 Millionen Euro sind für Personalkosten veranschlagt. Je drei neue Professuren sollen in Gießen und in Frankfurt geschaffen werden, doch besonders liegt Dimmeler der Nachwuchs am Herzen. Junge Ärzte, die auch forschten, seien leider eine „aussterbende Gattung“, meint die Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Regeneration. Daher sei ein großer Teil des Budgets dafür vorgesehen, talentierten Medizinern mehr Zeit im Labor zu verschaffen.

          Ursachenbekämpfung von Krankheiten

          Dort sollen sie nach neuen Ansätzen suchen, um Arteriosklerose, Bluthochdruck und andere Krankheiten des Kreislaufsystems wirkungsvoller zu behandeln. Dabei werden sie nach Dimmelers Worten ähnlich wie die Kollegen aus der Krebsforschung stärker als bisher individuelle Besonderheiten in den Blick nehmen – bis hinunter auf die Ebene einzelner Zellen. Die könnten „wie ein fauler Apfel in der Schale“ die Funktion eines ganzen Gewebes zerstören.

          Nach Krankheitsursachen suchen die Wissenschaftler auch an Stellen des Körpers, die man bisher nicht mit Herzleiden in Verbindung brachte. Zum Beispiel im Knochenmark: Mutationen in den Zellen dort können laut Dimmeler großen Einfluss auf Kreislauffunktionen haben. Patienten, die solche genetischen Veränderungen aufwiesen, hätten eine „extrem schlechte Prognose“. Schnelle Durchbrüche bei der Therapie will sie trotz des zu erwartenden Geldsegens nicht versprechen. Wie in der Krebsbehandlung gehe es auch hier eher in kleinen Schritten vorwärts, und neue Verfahren könnten schwere Nebenwirkungen haben.

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