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Folgen des Extremwetters : Stadtwald so krank wie nie zuvor

Folgen der Dürre: Der Frankfurter Stadtwald ist in Gefahr.1 Bild: dpa

Nur knapp sechs Prozent der Bäume sind noch gesund. Und das sind erst die Schäden, die man infolge der Hitze und Dürre jetzt schon erkennt.

          Bäume, die bereits von Juli an ihr Laub abgeworfen haben, sichtbare Trockenschäden an Ästen und Rinden, großflächiger Ausfall bei jungen, angepflanzten Bäumen sowie „Absterbe-Erscheinungen“ bei fast allen Baumarten: Das sind die Folgen des Ausnahmesommers 2018 im Frankfurter Stadtwald. Von den 16 Waldbränden ganz zu schweigen. „Dieser Sommer hat eingeschlagen“, sagt Tina Baumann, Leiterin des Frankfurter Stadtforsts. Die Bäume im Stadtwald seien über alle Baumarten hinweg in so einem schlechten Zustand wie noch nie, seit die Stadt Frankfurt den Waldzustandsbericht erhebt, teilte Baumann gestern im Umweltausschuss den Stadtverordneten mit. Frankfurt beobachtet seit 1984 den Zustand des Stadtwaldes, der mit knapp 4000 Hektar einer der größten in Deutschland ist.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Beobachtungen in diesem Jahr ergaben, dass gut 94 Prozent aller Bäume im Stadtwald Schäden haben, also nicht mehr die übliche volle, grüne Baumkrone besitzen. Das heißt umgekehrt, dass nur noch knapp sechs Prozent aller Bäume gesund sind. Mehr als die Hälfte der Bäume gelten als krank mit mittelstarken bis starken Schäden, oder sie gelten schon als abgestorben. Das ist der dritthöchste Wert nach 1997 und 1999. Nicht einmal der Hitzesommer 2003 hat solche Spuren hinterlassen. Damals galten immerhin noch 25 Prozent aller Bäume im Stadtwald als gesund.

          Erschreckende Schäden

          Für Baumann ist es erschreckend, dass sich die Schäden schon „ad hoc“ zeigten. Sie mag sich gar nicht ausmalen, welche Beobachtungen sie wohl im nächsten Frühjahr machen werde, wenn die Bäume wieder austreiben müssten. Baum- und Forstfachleute sind überzeugt, dass erst im nächsten und in den darauf folgenden Jahren die wirklichen Folgen der langanhaltenden Hitze und Trockenheit des Sommers 2018 erkennbar werden.

          Für den Frankfurter Waldzustandsbericht werden auf 166 Probeflächen insgesamt 1660 Bäume in Augenschein genommen und ermittelt, wie dicht sie belaubt sind. Dazu sind die Probeflächen so ausgewählt worden, dass die Baumarten die Zusammensetzung des Stadtwalds widerspiegeln: In Frankfurt dominiert die Eiche, gefolgt von Buche und Kiefer. Die andernorts infolge dieses Sommers so stark betroffene Fichte gibt es im Stadtwald nicht.

          Für Baumann ist das Ergebnis ernüchternd, weil sich nach dem heißen Sommer 2015, als das Mainufer über Wochen steppenartig aussah, dank verregneter Sommer die Bäume im Stadtwald ganz gut erholt hatten. Im vergangenen Jahr beispielsweise waren nur 27 Prozent der Gehölze im Stadtwald als krank eingestuft worden. Nach dem trockenen Sommer 2015 galten 48 Prozent als krank. Der leicht positive Trend sei „wieder komplett rückläufig“, sagt Baumann.

          Eiche, Buche und Kiefer sind betroffen

          Die durch den Waldzustandsbericht erfassten Baumarten – Eiche, Buche und Kiefer – sind alle fast gleichermaßen von den Folgen der Hitze und Trockenheit betroffen. Die Eichen haben Baumann zufolge schon sehr früh das Laub abgeworfen und sehr viele Eicheln ausgebildet. Üblicherweise sei das eine Reaktion von Bäumen im Jahr, nachdem sie Stress ausgesetzt gewesen seien. Doch möglicherweise sei die starke Samenbildung in diesem Jahr schon eine frühe Reaktion auf die Trockenheit, so Baumann. Bei den Eichen sind nur noch 1,4 Prozent der Bäume völlig gesund. Bei den Buchen sind es immerhin noch 7,5 Prozent. Sie wachsen insbesondere im sogenannten Frankfurter Oberwald, der sich von Oberrad etwa bis zur Oberschweinstiege und der Isenburger Schneise erstreckt. Dort ist der Boden lehmig und damit nährstoffreicher.

          Von Schwanheim bis Niederrad reicht hingegen der Frankfurter Unterwald. Er besteht überwiegend aus wasserdurchlässigen Sandböden. Dort hätten die Bäume mehr als zwei Wochen vor denen im Oberwald schon mit der Herbstfärbung begonnen, teilt Baumann mit. Die Kiefern, die insbesondere auf den sandigen Böden zu finden sind, hätten „enorme Stressanzeichen“ gezeigt. Dennoch sind die Kiefern, die generell besser als andere Baumarten die Hitze vertragen, weniger geschädigt als Eichen und Buchen: Bei den Kiefern sind immerhin noch zehn Prozent der Bäume ganz gesund.

          Der Stadtforst hat auf den großen Ausfall von Bäumen reagiert und ausschließlich kranke Bäume gerodet und auf sonstige Fällungen verzichtet. Und man will künftig noch stärker als bisher darauf achten, einen „stabilen Mischwald“ zu haben, mit einer gesunden Mischung aus Eichen, Buchen, Kiefern, anderen Laubbäumen und Douglasien.

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