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PSA und Fiat Chrysler : Opel lobt Fusionspläne

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Mutter PSA, Vater Fiat: Michael Lohscheller präsentierte 2019 den ersten Gewinn für Opel seit 20 Jahren. Bild: Reuters

Der geplante Zusammenschluss der Autokonzerne PSA und Fiat Chrysler dürfte auch Folgen für die deutsche Tochter Opel in Rüsselsheim haben. Ob sie positiv oder negativ sind, wird von Experten und Betroffenen unterschiedlich eingeschätzt.

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          Opel-Chef Michael Lohscheller bewertet den Zusammenschluss des Mutterkonzerns PSA mit Fiat Chrysler positiv. Dadurch entstehe ein noch schlagkräftigerer Konzern, sagte er am Mittwoch. Das biete auch für Opel viele Chancen. „Wir werden in dem neuen, größeren Konzern die einzige deutsche Marke sein und für deutsche Ingenieurskunst stehen.“ Opel sei nachhaltig profitabel. „Wir werden global und elektrisch. Wir investieren in unsere Werke.“ Diesen Erfolgskurs werde man fortsetzen.

          Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer dagegen erwartet negative Auswirkungen für Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall. „Das wird die Marke noch mehr unter Druck setzen, denn Alfa und Jeep sind nun die Premiumsparten der Gruppe und nicht mehr Opel. Es wird ein hartes Restrukturierungsprogramm geben, vor allem in Europa“, sagte der Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er rechne mit einem Abbau von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen. „Die neue Gruppe braucht keine Entwicklungszentren in Rüsselsheim, Paris, Italien und in den Vereinigten Staaten.“ Größte Verlierer seien die Ingenieure bei Fiat, Peugeot und Opel.

          Die Konzerne hatten sich bereits Ende Oktober auf offizielle Fusionsgespräche verständigt, nun unterschrieben sie eine Fusionsvereinbarung. Als die Fusionspläne bekannt wurden, hatte die Gewerkschaft IG Metall auf die „Eigenständigkeit“ von Opel gepocht und Spekulationen über Arbeitsplatzverluste eine Absage erteilt. Mit dem geltenden Tarifvertrag sind betriebsbedingte Kündigungen bei Opel bis zum 31. Juli 2023 ausgeschlossen. Allerdings sieht ein Sanierungsplan einen Abbau von 2000 der 6400 Stellen im hessischen Rüsselsheim vor, etwa über das Nichtbesetzen frei werdender Stellen oder Abfindungen. Lohscheller hatte zudem Teile des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim mit 6500 Beschäftigten an den Dienstleister Segula verkauft.

          Zollkonflikt zwischen Amerika und China belastet Branche

          Die weltweiten Absatzzahlen von Autos sind zwar kontinuierlich gestiegen, doch die Hersteller müssen Milliarden in autonome Autos und Elektromobilität investieren. Zudem belastet der anhaltende Zollkonflikt zwischen Amerika und China die Branche erheblich.

          Fiat Chrysler hat zudem besondere Probleme: Der italienisch-amerikanische Hersteller hatte auf große Investitionen in Elektroantriebe verzichtet. Derzeit ist der Konzern vor allem mit großen Spritschluckern der Marken Jeep und Ram in Amerika erfolgreich.

          Der Zusammenschluss der Konzerne muss allerdings noch von Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Auch die Aktionäre müssen zustimmen. Die Fusion soll in den nächsten 12 bis 15 Monaten umgesetzt werden. PSA-Chef Carlos Tavares soll dann das fusionierte Unternehmen leiten. Verwaltungsratschef würde John Elkann, Enkel des legendären Fiat-Bosses Gianni Agnelli und Ururenkel des Fiat-Gründers Giovanni Agnelli. Offenbar aus steuerlichen Gründen soll die fusionierte Gruppe ihren Sitz in den Niederlanden haben.

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