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Offenbach : Starkes Rückgrat für die Wachstumsregion

Mehr Leistung: Umspannwerke wie das in Offenbach-Nord im Stadtteil Kaiserlei sollen ausgebaut werden. Bild: Evo

In den Ausbau des Stromnetzes in Stadt und Kreis Offenbach will die Evo AG in den nächsten zehn Jahren rund 100 Millionen Euro stecken: als Reaktion auf Digitalisierung, Energiewende und Elektromobilität.

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          Mehr als 100 Millionen Euro will die Energieversorgung Offenbach (Evo) AG in den nächsten zehn Jahren in den Ausbau ihres regionalen Hochspannungsnetzes stecken. Konkret sollen in fünf Großprojekten Umspannwerke erweitert und Stromtrassen auf einer Länge von gut 120 Kilometern verstärkt werden, die man zur Versorgung der Stadt und des Kreises Offenbach benötige. Wo immer dies möglich ist, sollen Leitungen mit Hilfe des Bohrspülverfahrens mehrere Meter tief ins Erdreich eingebracht werden, wie Evo-Technikvorstand Günther Weiß am Mittwoch bei der Präsentation der Pläne in einer Internetkonferenz sagte.

          Markus Schug
          (sug.), Rhein-Main-Zeitung

          Dies geschehe, um die Eingriffe in die Natur gering zu halten. Bei Seligenstadt will man die benötigte Verbindung zum Übergabepunkt Dettingen sogar unter dem Main hindurchführen. Was ein Grund dafür sein dürfte, dass Weiß das Ausbauvorhaben, mit dem im Herbst begonnen werden soll, als technisch herausfordernd bezeichnete. Allein für die ersten beiden Jahre rechne er mit Investitionen in Höhe von rund 35 Millionen Euro.

          Moderne Technik und klare Einsparvorgaben

          Eine leistungsfähige Stromversorgung sei unverzichtbar, wenn das Rhein-Main-Gebiet eine der wirtschaftlich dynamischsten Regionen Europas bleiben wolle, sagte der hessische Wirtschafts- und Energieminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen). Die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen, zum Beispiel kleinere Photovoltaikanlagen, die ans Netz angeschlossen werden müssten, aber auch der wachsende Strombedarf der E-Mobilität sowie die fortschreitende Digitalisierung des Alltags und der Arbeitswelt: all das lasse sich mit den bisherigen Strukturen nicht mehr bewältigen, so der Minister.

          Dank moderner Technik und klarer Einsparvorgaben sei es über viele Jahre hinweg gelungen, den Strombedarf insgesamt zu senken. Damit sei es nun aber vorbei, weil unter anderem große Rechenzentren viel Energie brauchten. Unterm Strich könnte es laut Al-Wazir dennoch so sein, dass sich die Entwicklung hin zu Videokonferenzen und Homeoffice fürs Klima auszahlen wird. Schließlich fielen dafür lange Anreisen zu Konferenzen und das Pendeln zum Arbeitsplatz weg.

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          Der Landrat des Kreises Offenbach, Oliver Quilling (CDU), und Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sehen im Ausbau des Hochspannungsnetzes eine Stärkung des Rückgrats, das für das Wachstum der Region extrem wichtig sei. Außer einer halben Million Bewohnern wünschen sich laut Industrie- und Handelskammer auch 36.000 Unternehmen eine „sichere, nachhaltige und bezahlbare Energie“. Allzumal in einer Zeit, in der es um neue Geschäftsmodelle, moderne Kommunikationstechnologien und um smarte Lösungen gehe.

           Keine Rückkehr zu „so wie früher“

          In Offenbach mit etwa 140.000 Einwohnern drehten sich noch viele Kräne, um weitere Wohnviertel für Neubürger zu schaffen, die ebenfalls nach Energie verlangten, sagt Schwenke. Innerhalb von fünf Jahren sind laut Evo in der Stadt und den Kreiskommunen zusammen mehr als 30.000 Zugezogene heimisch geworden. Für die Ansiedlung von Unternehmen, die zur Verbesserung der finanziellen Situation Offenbachs beitragen könnten, sind Schwenke zufolge eine starke und stabile Stromversorgung sowie exzellente Internetanschlüsse ohnehin eine Grundvoraussetzung.

          Dass es auch nach der Corona-Pandemie keine Rückkehr zu „so wie früher“ geben werde, steht für Landrat Quilling außer Frage. Er geht davon aus, dass ein guter Teil seiner 1000 Verwaltungsmitarbeiter weiterhin zumindest tageweise von zu Hause aus arbeiten wolle und werde. Außerdem habe es sich im vergangenen Jahr bei den Erstzulassungen von Kraftfahrzeugen im Kreis in knapp einem Viertel aller Fälle schon um Hybrid- oder reine Elektroautos gehandelt. Die Besitzer solcher Wagen verlangten nach geeigneten Ladestationen in den Städten, aber auch auf ihrem eigenen Grundstück.

          Für Bürger, die sich am Ausbau der Infrastruktur beteiligen und ein bisschen was verdienen möchten, will das Versorgungsunternehmen gemeinsam mit den Sparkassen Offenbach und Langen-Seligenstadt von Mai an einen „Pro Futura“ genannten Sparbrief anbieten. Nach Angaben des Evo-Vorstandsvorsitzenden Christoph Meier verspricht er „attraktive Zinsen“.

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