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Evangelische Kirche : 21 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit

Wiedergewählt: EKHN-Präsident Volker Jung Bild: Picture-Alliance

Für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ist die Flüchtlingshilfe ein zentrales Thema. Bis 2025 will sie dafür Gelder in zweistelliger Millionenhöhe lockermachen.

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          Mit einem Hilfsprogramm in Höhe von 21 Millionen Euro will die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ihre Flüchtlingsarbeit in den nächsten fünf bis zehn Jahren stärken. Das Geld soll in die Beratung, die Koordination des ehrenamtlichen Engagements und die Integrationsarbeit in den knapp 600 evangelischen Kindertagesstätten fließen. Über das Hilfspaket berät die Kirche derzeit bei ihrer Herbstsynode zusammen mit dem Kirchenhaushalt für das Jahr 2016, der sich auf 578 Millionen Euro beläuft. Am Freitag soll beides beschlossen werden.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Mittwoch bestätigten die Mitglieder der EKHN-Synode den Kirchenpräsidenten Volker Jung mit überwältigender Mehrheit in seinem Amt. Der Fünfundfünfzigjährige erhielt 122 von 134 abgegebenen Stimmen. Vier Synodalen votierten gegen ihn, acht enthielten sich der Stimme. Ein solches Ergebnis, sagte Jung, sei auch für kirchliche Verhältnisse nicht selbstverständlich. Es gebe ihm Rückenwind und sei eine persönliche Bestätigung, „die es auch braucht“.

          „Wir werden nicht mehr werden“

          Jung ist seit 2009 Kirchenpräsident und damit zuständig für 1,6 Millionen evangelische Christen im Rhein-Main-Gebiet, in Süd- und Mittelhessen sowie in Rheinland-Pfalz. Jungs zweite Amtszeit beginnt 2017, er ist für weitere acht Jahre gewählt. Er gehört auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an.

          Weniger Selbstbeschäftigung, mehr Ausrichtung der Kirche nach außen und „mehr Dienst an der Welt“ bezeichnete Jung als seine Ziele für die nächste Amtszeit. Dazu gehöre auch die Flüchtlingsarbeit in den Gemeinden. Denn Flucht und Migration werden seiner Ansicht nach auch in den nächsten Jahren die zentralen Themen der evangelische Kirche sein. „Alle müssen lernen, was es heißt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“, sagte Jung. Es gelte mit einer „größer gewordene Vielfalt in der Gesellschaft“ umzugehen. Dazu werde die evangelische Kirche ihren Beitrag leisten, auch wenn sie das Problem nicht lösen und schon gar nicht von den Flüchtlingsströmen profitieren könne. „Wir werden nicht mehr werden“, sagte Jung, „sondern weniger.“

          Die häufig vorgebrachte Kritik, die Kirchen hießen einen unbegrenzten Zuzug an Flüchtlingen gut, wies Jung zurück. Er sei „sehr dafür“, Flüchtlinge zu registrieren, „um Ordnung zu gewährleisten“. Die Politik solle mehr Energie in Grenzsicherung und Kontrollen investieren statt in Überlegungen, „wie baue ich Zäune“.

          Als weitere Herausforderung der nächsten Jahre sieht Jung den demographischen Wandel. „Der wird uns und unsere Städte verändern.“ Jung rät dazu, die Entwicklung nicht als „Verhängnis“, sondern als Gestaltungsmöglichkeit zu sehen.

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