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Eva Demski : Eine sehr gelassene Frau

Ein Platz für Freunde: Eva Demski in ihrem Wohnzimmer. Bild: Eilmes, Wolfgang

Eitelkeit ist ihr fremd, Eigensinn ist es nicht. Die Wahl-Frankfurterin und Schriftstellerin Eva Demski vertraut der inneren Stimme, die sie durchs Leben führt.

          5 Min.

          Also der Schreibtisch. Eine Lampe, ein Laptop, einige Notizen und Bücher. Doch etwas überraschend, wie gewöhnlich der Schreibtisch einer Schriftstellerin aussieht. Vielleicht deswegen, weil die wilden Kämpfe um Stoff und Wort anderswo entschieden werden, nicht am Schreibtisch, sondern im Kopf. Erst wenn die Schlachten um die Sätze geschlagen sind, setzt sich Eva Demski an den Computer. Sie sei eine kühle Schreiberin, sagt sie. Was nicht bedeutet, dass es in ihrer Prosa nicht umso heißer zugehen kann. Da wird mit Lust gemordet und mit Schweiß der Garten umgegraben. In den Texten der Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski geht es immer ums Ganze, das ganze Leben, den ganzen Menschen.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Leser werden von dieser Autorin immer wieder überrascht. Die Themen und auch die Genres von Demskis mehr als 20 Büchern könnten unterschiedlicher kaum sein. Sie schrieb mit „Das siamesische Dorf“ einen Krimi. Schrieb mit „Afra“ die Geschichte eines ungewollten Mischlingskindes, Tochter einer Bäuerin und eines amerikanischen Soldaten, die im Nachkriegsdeutschland vom Dorfmädchen zur mondänen Edelhure wird. Schrieb mit den „Gartengeschichten“ ein Buch, das der verfluchten Schufterei mit der Hacke gewidmet ist. Und weil Demskis Bücher nicht aus einer Romanfabrik kommen, erscheinen die Texte in mal kleineren und mal größeren Abständen. Auf die Frage ihrer Leser und Kritiker, wann denn etwas Neues komme, antwortet sie gerne: Das weiß ich doch nicht!

          Eine Frau mit eigenem Kopf

          Dem „Betrieb“, wie Demski die Szene aus Verlagen, Verlegern und Literaturagenten oft nennt, wäre es sehr recht, wenn er manchmal etwas besser planen könnte. Zum Beispiel hatte Demski 1992 ein sehr erfolgreiches Katzenbuch geschrieben, von dem es - ginge es nach dem „Betrieb“ - gerne einen zweiten Band geben dürfte. Aber Demski will nicht. So einfach ist das.

          Man kann sich das lebhaft vorstellen, wie sie dann den Kopf schüttelt und ihre braun-roten schulterlangen Haare in der Luft fliegen. Sie ist eben eine Frau mit eigenem Kopf, das sagen auch Kollegen. Gerne greift Demski aber auch Stoffe auf, die schon einmal bearbeitet wurden - und bearbeitet sie noch einmal, auf ihre Weise. Sie sieht die Puppe in der Puppe, die Geschichte in der Geschichte.

          Preis beim Ingeborg-Bachmann-Preis

          Demski wurde 1944 in Regensburg geboren. Ihr Vater war der Bühnenbildner Rudolf Küfner. Die Tochter ging nach Mainz, um Philosophie und Kunstgeschichte zu studieren, auf den Abschluss legte sie aber keinen Wert. Mitte der sechziger Jahre zog sie nach Frankfurt, wo sie mit kurzen Unterbrechungen bis heute lebt. Von 1967 bis 1974 war sie mit dem Strafverteidiger Rainer Demski verheiratet. Für die ARD-Kultursendung „Titel Thesen Temperamente“ produzierte sie zunächst Filme, seit 1977 arbeitet sie außerdem als freie Schriftstellerin.

          Nur vier Jahre später, 1981, erhielt Demski den Preis der Klagenfurter Jury beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Es blieb nicht die einzige Auszeichnung: 1988 und 1989 war sie Stadtschreiberin von Bergen, 1990 bekam sie die Goethe-Plakette verliehen (“Ganz nett, aber mit der kommt man noch nicht einmal kostenlos in den Zoo“) und 2008 den Preis der Frankfurter Anthologie. Wahrscheinlich könnte die Liste der Ehrungen noch länger sein, wenn Demski nicht so oft selbst in einer Jury gesessen hätte, die welche vergibt.

          Ein offenes und ehrliches Wort

          Wenn Demski sagt, dass ihr alle diese Auszeichnungen nicht viel bedeuten, dann glaubt man ihr das. Dass sie an Eitelkeit leidet und und Selbstüberschätzung, recht verbreitet in ihrer Zunft, sagt ihr kaum jemand nach. Ihre Texte gibt sie, wenn sie fertig sind, gerne aus der Hand und bespricht sich mit ihrem Lektor. Danach seien sie oft noch besser, sagt sie. Ihr geht es bei ihrer Arbeit nicht um das Resultat, sondern um die Kunst des Machens. Auch sonst hält sich Demskis Geltungsbedürfnis in Grenzen. Sie ist hat keinen Facebook-Account und twittert nicht. Ihre Internetseite ist derzeit noch ganz ihrem Kater Tino gewidmet, der im vergangenen Oktober im 15. Katzenjahr starb.

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