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European Banking Congress : Banker fordern mehr Einsatz von der Politik

  • -Aktualisiert am

EZB-Präsident Mario Draghi (Mitte), OB Petra Roth und Josef Ackermann (rechts) in der Alten Oper. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Krise ist der Dauerbrenner auf dem European Banking Congress in der Alten Oper - seit Jahren inzwischen.

          Als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in den Mozartsaal kommt, wirkt der European Banking Congress kurz wie ein Familienfest. Petra Roth (CDU) legt ihre Hand auf seine Schulter, und für ein Foto legt auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinen Arm um Petra Roth.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch die Harmonie trügt. Dominiert wird der Kongress von der europäischen Schuldenkrise. Als Ackermann, der die Veranstaltung als Gastgeber moderiert, Schäuble vorstellt, erinnert er an das Motto des Kongresses 2009 „Nach der Krise“ und wie der Finanzminister damals gesagt habe, es sei etwas verfrüht. Heute wisse man, dass er recht gehabt habe. Tatsächlich sei die Krisenbewältigung längst zu einer neuen Normalität geworden.

          Die Banken spüren langsam selbst die Skepsis der internationalen Investoren

          Doch die Krise zieht weiter. Waren auf den Kongressen der vergangenen Jahre stets die Banken in der Defensive, hatte 2008 der damalige Bundespräsident Horst Köhler die versammelten Banker geradezu ausgeschimpft, so betont Ackermann mehrmals in seinen Moderationen, dass nun die Politik gefordert sei. Wenn der Internationale Währungsfonds sich schon in die Rettung des Euro einschalten müsse, solle das der Europäischen Union ein Weckruf sein.

          Die Banken spüren langsam selbst die Skepsis der internationalen Investoren. Ackermann sagt am Rande der Veranstaltung, dass es im Moment wenig Bereitschaft bei Investoren gebe, langfristig in Banken zu investieren. Sein Amtskollege von der Commerzbank, Martin Blessing, berichtet, dass es kaum noch Investoren für europäische Staatsanleihen gebe. Und beide fragen, was denn künftig die sichere Liquiditätsreserve sein solle, wenn nicht einmal mehr Staatsanleihen mehr risikolos seien.

          Kontinuität, Konsistenz und Glaubwürdigkeit

          Vor allem die Notenbanker sind es aber, die in diesem Jahr durch starke Worte auffallen. Der neue EZB-Präsident Mario Draghi hält seine erste Rede außerhalb der Europäischen Zentralbank und nutzt sie gleich für einen starken Appell. Die Politik nehme sich viel zu viel Zeit, um auf die Schuldenprobleme zu reagieren. Der lange beschlossene Euro-Rettungsschirm EFSF müsse endlich in seiner verbesserten und gestärkten Form umgesetzt werden, sagt Draghi. „Wir sollten damit nicht länger warten.“

          Was die versammelten Frankfurter im Saal besonders gern vernehmen, sind die drei Prinzipien, an die sich der neue EZB-Präsident nach eigener Aussage in seiner Amtszeit halten will: Kontinuität, Konsistenz und Glaubwürdigkeit. Denn damit stellt er sich ganz in die Tradition der Deutschen Bundesbank und deren früheren Präsident Hans Tietmeyer.

          Zusammenbruch des Euroraums nur hypothetisch

          Der heutige Chef des Hauses am Diebesgrund, Jens Weidmann, appelliert ähnlich direkt an die Politik und fordert eine schnellere Problemlösung, verpackt die Forderung aber etwas freundlicher in das Erich-Kästner-Zitat: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Vor allem warnt er davor, die EZB noch weiter für die Krisenbewältigung zu vereinnahmen. Der mangelnde Erfolg bei der Bewältigung der Schuldenkrise rechtfertige es nicht, das Mandat der Zentralbank zu überreizen, sagt Weidmann.

          Schäuble hat es nach solchen Vorreden nicht leicht. Als einziger Redner des Tages spricht er auf Deutsch - „damit ich hinterher nicht sagen kann, ich wurde missverstanden“, wie er sagt. Er selbst versucht abermals Krisenbewältigung durch Vertrauensbildung. Griechenland sei ein absoluter Ausnahmefall, weitere Schuldenschnitte innerhalb des Euroraums also nicht zu erwarten, wiederholt er mehrmals. Für eine Finanztransaktionssteuer wolle er sich weiterhin stark machen, notfalls auch gegen den Willen der in den G20 versammelten größten Industrienationen. „Wenn wir immer nur auf den Letzten und Langsamsten warten, werden wir im Wettbewerb nicht gewinnen“, sagt Schäuble - und immerhin einer im Saal klatscht. Schäuble selbst geht es auch nicht schnell genug in Sachen Krisenbewältigung. Zugleich weist er aber darauf hin, dass in Demokratien Sorgfalt und Gründlichkeit vor Schnelligkeit gingen.

          Als Motto des Kongresses hat Veranstalter Nader Maleki „The big shift“, also „Die große Verschiebung“, gewählt. Hauptsächlich hätte es daher eigentlich um den Aufstieg von Schwellenländern wie China gehen sollen. In der ersten Podiumsdiskussion geben Luiz Pareira von der brasilianischen Zentralbank und der frühere chinesische Notenbanker, Yu Yongding, auch gleich einen selbstbewussten Einstand. Vor einigen Jahren noch habe er gedacht, die EU könnte mit Krisen umgehen, sagt etwa Yu, inzwischen sei er da pessimistischer. Immerhin: Die Frage des - englischen - Moderators Todd Benjamin, was die Folge eines Zusammenbruchs des Euroraums wäre, tun beide als zu hypothetisch ab.

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