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Eurohypo : Eine Bank verschwindet

  • -Aktualisiert am

2.400 Mitarbeiter beschäftigte die Eurohypo damals. Heute sind es noch halb so viele. Bild: dpa

Der Kauf der Eurohypo galt einst als Glanzstück des Commerzbankchefs Klaus-Peter Müller. Nun wird der Eschborner Staats- und Immobilienfinanzierer abgewickelt. Die Zukunft der 900 Mitarbeiter ist ungewiss.

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          Es war ein Überraschungscoup. Als der damalige Commerzbankchef Klaus-Peter Müller im November 2005 gemeinsam mit dem Eurohypo-Chef Bernd Knobloch die Übernahme des größten europäischen Staats- und Immobilienfinanzierers bekanntgab, handelte er sich den Titel des „Regenmachers“ ein - also eines Menschen, der Großes bewegen kann, ohne vorher viel Aufhebens darum zu machen. Denn durch den Zukauf überholte die Commerzbank mit einem Satz die Dresdner Bank und die Hypovereinsbank und schwang sich, gemessen an der Bilanzsumme, zur Nummer zwei in Deutschland auf.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit entsprechendem Pomp wurde gefeiert, das Logo der Eurohypo im Frühjahr 2006 an den Commerzbank-Turm projiziert. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) dankte Müller dafür, dass er Weitsicht und Hartnäckigkeit zugunsten seines Hauses - und natürlich des Finanzplatzes Frankfurt - eingesetzt habe. Und weil das Haus am Kaiserplatz sich so viel mehr auf Deutschland konzentrierte als die Konkurrenz von der Deutschen Bank, gab es bald noch einen schmeichelnderen Titel für Müller: „Branchenprimus der Herzen“.

          Das erste prominente Opfer der Finanz- und Staatsschuldenkrise

          2.400 Mitarbeiter beschäftigte die Eurohypo damals. Heute sind es noch halb so viele. Dieser Rückgang und das deutlich geschrumpfte Portfolio von Gewerbeimmobilien und Staatsanleihen belegen den langsamen Untergang des einstigen Branchenriesen, der 2001 aus der Zusammenlegung der Hypothekenbanken von Deutscher Bank, Dresdner Bank und Commerzbank entstanden war. Mit der nun erzielten Einigung zwischen Europäischer Kommission und Commerzbank verschwindet die Eurohypo endgültig vom Markt - und Frankfurt, respektive Eschborn, hat sein erstes prominentes Opfer der Finanz- und Staatsschuldenkrise.

          Den größten Teil der Eurohypo, deren Name verschwindet, überführt die Commerzbank in die Einheit „Non Core Assets“, die sich unter der Leitung von Vorstandsmitglied Ulrich Sieber um die Abwicklung kümmern soll. Den Rest gliedert die Bank als Geschäftssegment „Immobilien- und Schiffsfinanzierung“ ein.

          „Dann macht er wenigstens kein Neugeschäft mehr“

          Für Müllers Nachfolger Martin Blessing ist die nun erzielte Einigung mit der EU das kleinere Übel. Die Kommission hatte der Commerzbank 2009 auferlegt, die Eurohypo bis 2014 zu verkaufen, im Gegenzug für die Genehmigung der 18 Milliarden Euro Staatshilfe. Seither hatte sich die Tochter für Blessing immer mehr zum Sorgenkind entwickelt. Einst für 4,6 Milliarden Euro übernommen, hat die Commerzbank in den vergangenen zwei Jahren fünf Milliarden Euro auf die Portfolios der Bank abgeschrieben.

          2010 verbot Blessing der Tochtergesellschaft, neue Staatsfinanzierungen zu machen und so womöglich Risiken in die Bücher zu holen. Als der damalige Eurohypo-Chef Frank Pörschke Anfang 2011 - zur Empörung vieler Beobachter - trotz der angespannten Lage der Bank auf eine längere Fortbildung nach Amerika ging, kommentierte Blessing das trocken: „Dann macht er wenigstens kein Neugeschäft mehr.“ Pörschke verließ die Bank kurz darauf. Sein Nachfolger Thomas Köntgen, der den neuen Geschäftsbereich „Immobilien- und Schiffsfinanzierung“ leiten soll, übte sich gestern in Zweckoptimismus: „Einen Bedarf an gewerblicher Immobilienfinanzierung wird es immer geben. Daher freuen wir uns, auch weiterhin dieses Produkt anbieten zu können.“

          Es herrschen gemischte Gefühle

          Bei den Mitarbeitern, die gestern in einer Betriebsversammlung über die Einigung mit der EU informiert wurden, herrschen gemischte Gefühle. Einerseits herrsche nun endlich Klarheit, wie es mit der Bank weitergehe, die lange Ungewissheit, ob sie verkauft oder abgewickelt werde, sei vorbei, sagte einer. Andererseits wisse jeder Einzelne eben noch nicht, was mit seiner Stelle geschehe.

          Die Ambitionen der Commerzbank, dereinst auf Augenhöhe mit der Deutschen Bank zu spielen, sind mit der endgültigen Abwicklung der Eurohypo vorerst einmal wieder passé. Die Übernahme der Dresdner Bank 2008 hatte der gelben Bank zumindest auf dem Papier eine Bilanzsumme von 1,1 Billionen Euro beschert. Tatsächliche schrumpfte sie durch die Finanzkrise schnell zusammen. Teil der Einigung mit der EU-Kommission ist nun die Rückführung der Bilanzsumme auf 600 Milliarden Euro. Zukaufen darf sie erstmal nichts mehr.

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