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Euro : Nur scheinbar wertlos: Bundesbank tauscht Gammelgeld

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Unterdessen greift Herzog für den Klumpen Geldscheine tiefer in die Trickkiste. „Die Sicherheitsfäden zersetzten sich nicht so stark wie der Rest“, sagt Herzog und zeigt auf die silbernen Streifen, die aus dem Geldkloß empor ragen. Er nimmt einen der Fäden und legt ihn auf eine Leuchte. In der Mitte des Streifens scheint der Schriftzug „50 DM“ deutlich auf. „Wegen der Fäden kann ich das Geld auch so zählen“, erklärt Herzog.

Trotz Feuchtigkeit und Schimmel sind die Motive weiterhin zu erkennen

Mindestens drei Wochen dauert es, bis das Geld auf dem Konto der Betroffenen eingeht. „Bei schweren Fällen kann es bis zu drei Monate dauern“, sagt Elm. Bei jedem Antrag fällen zwei Mitarbeiter unabhängig von einander ihr Urteil. Meistens sind sie einer Meinung. Falls nicht, könne ein Dritter zu Rate gezogen werden, erläutert Elm. Gründlichkeit ist wichtig, damit keine Fälschungen erstattet werden. Wird der Umtausch letztendlich abgelehnt, können Betroffene dagegen klagen. Daher muss die Arbeit genau dokumentiert werden. Drei Mitarbeiter im Analysezentrum kümmern sich um die besonders komplizierten Geschichten, Herzog ist einer von ihnen.

Fein säuberlich hat Herzog etliche Scheine aus dem Bündel voneinander getrennt. Auf einem dunklen Papier reiht er die Fetzen nebeneinander auf. 50 DM, 100 DM, 500 DM - alle Noten sind dabei. Das Gesicht von der deutschen Pianistin Clara Schumann auf den Hundertern wirkt wie das Antlitz einer alten Bekannten, die man lange nicht gesehen hat. Obwohl die Feuchtigkeit und der Schimmel die Noten stark zerstört haben, ist ihre Miene noch gut zu erkennen.

„Das ist einfach eine schöne Erinnerung“

Eingereichte Scheine sind häufig verbrannt. Bei einem Wohnungsbrand gehen schnell Vermögen in Flammen auf. „Deshalb empfehlen wird feuerfeste Verstecke für Banknoten“, sagt Elm. Schon eine Schatulle aus Porzellan kann reichen. Für diesen Tipp steht auch das Maskottchen der Abteilung: ein verrußtes Sparschwein. Bei einem Brand hatte es sicher Scheine und Münzen verwahrt.

Aber warum bewahren Menschen überhaupt noch D-Mark auf, mit denen sie gar nicht mehr bezahlen können? Für Jürgen Morgenstern, den Vorsitzenden der Deutschen Geldschein- und Wertpapiersammler e.V., ist die Antwort klar: „Das ist einfach eine schöne Erinnerung.“ Oder aber die Scheine und Münzen seien einfach irgendwo vergessen worden. Außerdem wünschten sich viele Menschen noch immer die D-Mark zurück. Er selbst habe auch einen kompletten Satz Scheine und Münzen zu Hause.

„Fälschungen sind nie so haltbar wie die Originale“

Herzogs Arbeit ist fast erledigt. Die Geldscheine sind gezählt. Bis zu 50. 000 DM können die Besitzer erstattet bekommen. Der genaue Betrag bleibt geheim. Bevor das Geld getauscht werden kann, muss Herzog noch sicherstellen, dass die Scheine auch echt sind. „Das sehen wir sehr schnell“, meint er mit bestimmter Stimme und legt einen Fetzen zurück unter das Mikroskop. Schumanns Gesicht taucht auf und Herzog zoomt noch näher heran und der besondere Tiefdruck wird sichtbar. Einige Stellen auf den Noten sind erhoben - ein Indiz für echte Noten.  sagt er. Bei diesen Geldfetzen könne er sich sicher sein, dass es keine Blüten sind.

Für die Arbeit mit dem beschädigten Geld gibt es keine Ausbildung. Feinmechanik, Konzentration und ein gutes Gedächtnis für Bilder müssen die Mitarbeiter mitbringen, zählt Elm auf. „Qualifizierte Leute werden bei uns bei der Arbeit angelernt.“ Herzog hatte ursprünglich eine Ausbildung als Geldbearbeiter bei der Bundesbank gemacht und arbeitet heute als Begutachter.

Seine Fähigkeiten muss er schon bald wieder unter Beweis stellen. Denn nach dem Geld aus der Sickergrube wartet schon die nächste Aufgabe auf ihn. In Holzschachteln sind auf seinem Schreibtisch zerschnittene Euroscheine getürmt. Wie ein gigantisches Puzzle wirken die winzigen Schnipsel. Und wieder müssen sie gezählt werden. „An so etwas sitze ich schon länger“, sagt er. Mit einer Pinzette beginnt er die Stückchen auf kleine Haufen zu sortieren - und die Arbeit geht weiter.

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