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Euro Finance Week : Alle Banker wollen der Realwirtschaft dienen

  • -Aktualisiert am

Bewegter Tag: Am Montagmorgen spricht Josef Ackermann zur Eröffnung der Euro Finance Week. Bild: Eilmes, Wolfgang

Viele Demonstranten sind nicht zum Jahrestreffen der europäischen Finanzwelt, der Euro Finance Week, gekommen. Trotzdem sprechen die Spitzenbanker, als müssten sie die Existenzberechtigung ihrer Banken darlegen.

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          „Die deutschen Banken müssen bei jedem neuen Finanzprodukt prüfen, inwieweit es der realen Wirtschaft dient und ob es von der Gesellschaft akzeptiert wird.“ Der Satz stammt nicht etwa von den Demonstranten, die am Wochenende das Bankenviertel umzingelt haben. Nein, Deutschlands Oberbanker selbst, Josef Ackermann, hat mit diesen Worten am Montag die Frankfurt Euro Finance Week im Congress-Centrum der Messe eröffnet.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor den Toren der Veranstaltung war der Protest gegen die versammelte Finanzbranche nicht größer als in den vergangenen Jahren. Nicht einmal zehn Demonstranten hatten sich unter dem Attac-Plakat mit der Aufschrift „Banken entmachten“ eingefunden. Aber drinnen, am Rednerpult, schien jeder der zu Wort kommenden Spitzenbanker signalisieren zu wollen: Ich habe verstanden. Ackermann, Wolfgang Kirsch von der DZ-Bank, Hans-Dieter Brenner von der Landesbank Hessen-Thüringen, selbst Reto Francioni von der Deutschen Börse, sie alle hoben hervor, wie sehr ihr Geschäft der realen Wirtschaft diene - so, als müssten sie sich rechtfertigen.

          Warnung vor Regulierung

          Jedes Jahr im November gibt die Euro Finance Week einen guten Einblick in die aktuelle Gemütslage der Finanzwelt. Stand 2009 noch alles im Zeichen der Subprime-Krise, suchten die Spitzenbanker 2010 nach dem „neuen Normal“. In diesem Jahr kann zwar die Schuld an der Staatsschuldenkrise den Politikern zugeschoben werden, aber den Reden ist auch deutlich der öffentliche Druck auf der Straße zu entnehmen.

          Ein weiterer roter Faden, der sich durch die Vorträge zieht, ist die Warnung vor zu viel oder nicht durchdachter neuer Regulierung. So warnte Ackermann vor einer Trennung von Geschäfts- und Universalbanken. Als er 1996 bei der Deutschen Bank angefangen habe, hätten ihm wichtige Unternehmenskunden gesagt, dass sie von deutschen Banken nur Kredite nähmen, für große internationale Transaktionen müssten sie aber auf ausländische Häuser zugreifen. „Daraufhin haben wir das Investmentbanking aufgebaut, mit einigem Erfolg“, sagte Ackermann. Wenn man Investment- und Geschäftsbanken nun wieder aufteile, werde man den Bedürfnissen der deutschen Wirtschaft nicht mehr gerecht. Im Übrigen verwende die Deutsche Bank für das Investmentbanking nicht die Einlagen ihrer Privatkunden.

          „Man muss den Wählern ein solches Konzept nur ausführlich erklären“

          Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann spricht sich gegen die Aufspaltung der Großbanken auf. In der Finanzkrise 2008 habe schließlich die Insolvenz einer reinen Investmentbank - Lehman Brothers - als Brandbeschleuniger gewirkt, die Folgen hätten sowohl Investment- als auch Geschäftsbanken hart getroffen. Bei neuen Regeln müsse immer geprüft werden, ob sie nicht am Ende das Gegenteil des Gewollten bewirkten, sagte Weidmann. Und illustrierte die Gefahr mit einer Anekdote aus dem alten Indien, wo ein englischer Gouverneur einst eine Kopfprämie auf getötete Kobras ausgerufen und damit bewirkt habe, dass die Menschen Schlangen züchteten, um das Kopfgeld zu kassieren.

          Auch Weidmann selbst muss sich gegen die Rolle wehren, die ihm im Strudel der Krisenbewältigung zugespielt wird - zum Beispiel gegen die Vereinnahmung der Notenbank für die Finanzpolitik. „Das ist gefährlich“, sagte er - und es schade dem Vertrauen in die Währungsunion nur weiter. Die einzelnen Länder seien gefordert, ihre hausgemachten Probleme selbst zu lösen, so schmerzhaft das auch sei.

          Hessens Europaminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) warb in seiner Rede für die Einführung von Schuldenbremsen in anderen europäischen Staaten. Er verwies auf Hessen, wo im März 70 Prozent der Wähler der entsprechenden Verfassungsänderung zugestimmt hatten. „Man muss den Wählern ein solches Konzept nur ausführlich erklären“, sagte Hahn.

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