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Eugen Weidmann : Ein charmanter Schwerverbrecher

  • -Aktualisiert am

Gut gestylt, gut gelaunt: Eugen Weidmann in dem Prozess im Jahr 1939 mit seinen Verteidigern. Bild: ddp Images

Eugen Weidmann aus Frankfurt-Sachsenhausen war der letzte Verurteilte, der in Frankreich öffentlich hingerichtet wurde. Eine Geschichte über Romanzen und mörderische Skrupellosigkeit.

          6 Min.

          Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in der Textorstraße, hingerichtet in Versailles vor dem Gefängnis: Wer aus Sachsenhausen schafft es schon, in den „New Yorker“ zu kommen, in jenes angesehene amerikanische Magazin, in dem schon damals besonders kluge Leute besonders Kluges schrieben? Eugen Weidmann hat das zustande gebracht. Es ist schon ein paar Jahre her, und kurz danach war er tot. Aber wie die Autorin von ihm geschwärmt hat! Er sehe außergewöhnlich gut aus, auf eine altmodische Weise, seine Gesichtszüge glichen jenen eines Kaufmanns auf einer Radierung von Holbein, mit dem „wachen, offenen und hungrigen Blick“. Dabei war Eugen Weidmann ein Serienmörder. Das ist das Faszinosum. Sechs Leute hat er von Juli bis November 1937 umgebracht, sie bis auf eine Ausnahme mit einem Schuss in den Kopf oder ins Genick getötet. Er mordete wahllos, eine Tänzerin, eine Krankenschwester, einen Chauffeur, einen Kunstagenten, einen Immobilienmakler, sogar seinen Kumpel aus alten Tagen. Die Beute war nie überwältigend, ein paar hundert Francs, dazu mal eine Golduhr, zwei Ringe oder ein Wagen. Der vom Chauffeur. War das Motiv tatsächlich Geldgier? Wer war Eugen Weidmann? Eine Bestie? Ein pathologischer Fall? Ein Spion aus Nazi-Deutschland?

          Nicht nur Paris stellte sich diese Fragen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs. Der Artikel im „New Yorker“ erschien 1938. Der smarte Killer Weidmann war Wagnerianer, hatte viel Schiller und noch mehr Goethe gelesen und faszinierte über die Grenzen hinweg. Sie nannten ihn den „Mörder mit den Samtaugen“. Er war berühmt, seine öffentliche Hinrichtung am 17. Juni 1939 durch die Guillotine machte ihn noch berühmter. Es war ein Spektakel. Selbst Christopher Lee, der spätere Schauspieler, war als Siebzehnjähriger dabei.

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