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Esoterik und Aberglaube : Argumente gegen „Bullshit“

Mit Aberglauben setzt sich Stephanie Dreyfürst beruflich und privat auseinander. Sie ist die einzige Frau am Tisch und Mitglied im Bundesvorstand der Skeptiker. Die promovierte Germanistin leitet das Schreibzentrum an der Goethe-Universität. Aberglaube von der frühen Neuzeit bis heute und wie er sich, etwa im Falle der Hexenverbrennungen, gegen Frauen richtet, das treibt sie um.

Mit ihrem Jackett und dem dunklen Lippenstift ist sie deutlich eleganter gekleidet als die Männer in ihren Shirts, Fleecepullis und Hawaiihemden. Wenn jemand in ihrem Umfeld auf Scharlatane hereinfalle, versuche sie, sich nicht aufzuregen, sondern sich klarzumachen, welches Bedürfnis aus diesen Leuten spreche. „Wie kann man echte Wissenschaft in so gute Geschichten verpacken, dass Menschen sich für die Wirklichkeit interessieren und nicht für eine Phantasiewelt?“ Mit dieser Frage beschäftigt sie sich auch am Schreibzentrum.

Vorwurf des Dogmatismus häufig

Ihr gegenüber sitzt ein Mann mit Ohrring und Brillengestell mit Leopardenmuster. Er heißt Oliver Bechtoldt, arbeitet mit Computern und liest seit dreißig Jahren die Satirezeitschrift „Titanic“. Neulich, erzählt er Dreyfürst, habe er eine Esoterik-Messe besucht. Dort wurde etwa eine Art Wünschelrute verkauft, mit der man über ein Buch fahren sollte. Daran, wie sich die eigene Hand bewegt, soll zu erkennen sein, ob das Buch einem weiterhelfe. „Die Verkäuferin hat mir ernsthaft gesagt, das funktioniere auch am Bildschirm bei Amazon.“ Er ist nach einem Abendessen bei Freunden zu den Skeptikern gestoßen, bei dem es um vermeintlich krebserregende Süßstoffe ging. Das kam ihm komisch vor und als er im Internet recherchierte, stieß er immer wieder auf die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, wie die Skeptiker sich offiziell nennen.

Kritiker würfen ihnen oft Dogmatismus vor, sagt Hümmler, aber das sei ungerechtfertigt. Denn irgendein Thema, bei dem er emotional und unsachlich sei, habe jeder Mensch, auch ein Skeptiker. Manche von ihnen glaubten an Gott. So verschieden die Skeptiker seien, so unterschiedlich seien auch die Menschen aus dem esoterischen Milieu. Oft seien sie aber eher überdurchschnittlich gebildet und verdienten gut. Während Engel und Alternativmedizin vor allem Frauen erreichten, verfielen Männer öfter Verschwörungstheorien. Generell bestehe im Milieu das Bedürfnis nach wissenschaftlichen Rechtfertigungen. Gerade die Physik sei beliebt, sagt Hümmler. Denn Quantenphysik und Relativitätstheorie seien anerkannte Wissenschaften, die der Intuition zunächst widersprächen.

Oft reicht gesunder Menschverstand

Allerdings ergibt es keinen Sinn, sie auf Alltagsgegenstände anzuwenden, wie er im Club Voltaire erklärt. Und Quantenmechanik habe mit der Quantenheilung, bei der das Energiefeld des Körpers durch Berührung auf Quantenebene geordnet werden soll, nichts zu tun. „Wenn jemand Ihnen erzählt, Sie brauchten die Quantenmechanik für Ihr tägliches Leben“, sagt er am Ende seines Vortrags zum Publikum, „dann fragen Sie sich bitte: Bestehen Sie aus wenigen hundert Teilchen und beträgt Ihre Körpertemperatur weniger als 270 Grad minus?“

Manchmal reicht statt wissenschaftlicher Erkenntnisse aber auch der gesunde Menschenverstand, um zu verstehen, dass es nicht reicht, einen Menschen an zwei Punkten zu berühren, um ihn von jeglicher Krankheit zu heilen. Die Skeptikerin Stephanie Dreyfürst formuliert es so: „Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es wahrscheinlich auch nicht wahr.“

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