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Männer im Escort-Service : Liebhaber auf Stundenbasis

  • -Aktualisiert am

Bin ich schön? Mathieu Carrière als Callboy im Film „Die flambierte Frau“ Bild: ddp Images

Mitarbeiter von Escort-Agenturen begleiten ihre Kundinnen ins Restaurant, ins Theater und meistens auch ins Schlafzimmer. Vor allem in der Großstadt steigt seit einigen Jahren die Nachfrage.

          Thorsten Mendel ahnte nichts Böses, als er in den Feierabend ging. Er hatte gerade mit einer Frau ein paar schöne Stunden im Hotelzimmer verbracht und wollte sich auf den Heimweg machen. Da stellte ihn vor dem Gebäude ein Mann zur Rede, aufgelöst und mit den Nerven am Ende. Es war der Ehemann, der Mendel für den Liebhaber seiner Frau hielt. Der Mann tobte, bis Mendel ihm sagte: „Ihr Privatleben interessiert mich nicht, klären Sie das mit Ihrer Frau.“

          Mendel arbeitet für eine Begleitagentur. Frauen buchen ihn, damit er mit ihnen essen geht, ins Theater oder zur Betriebsweihnachtsfeier. Meistens, aber nicht immer, endet der Abend in einem Hotelzimmer. Er ist ein großer, sportlicher Mann Anfang 40, der auf sein Äußeres achtet. In den dunklen Haaren trägt er etwas Gel, er hat Parfüm aufgetragen. Zu lässigem Hemd und Jeans trägt er schwarze Lederschuhe.

          Begehren glaubhaft zeigen

          Er bezeichnet sich selbst nicht als Callboy, weil er findet, dass der Begriff zu negativ und zu verrucht klingt. Auch das Wort „Prostitution“ verwendet er nicht, wenn er über seine Arbeit redet. Er spricht lieber vom „ältesten Gewerbe der Welt“ und sagt, dass es für die weiblichen Kolleginnen schon schwer genug sei. „Für Frauen ist es natürlich hart, wenn sie es mit einem Ekeltypen machen müssen.“ Aber letztlich müsse die Frau das nur irgendwie überstehen. Als männlicher Escort reiche das hingegen nicht aus, der ganze Rahmen müsse stimmen. Eine Kundin wolle gemocht, geschätzt, begehrt werden. Er wird dafür bezahlt, dieses Begehren glaubhaft zu vermitteln.

          Das erfordert hohe Konzentration. Einmal saß er mit einer Frau in einem Hotelrestaurant beim Essen, als sein Mobiltelefon klingelte. Ein Freund versuchte hartnäckig, ihn zu erreichen. Schließlich entschuldigte sich Mendel und ging ans Telefon. Danach war die Frau beleidigt und die Stimmung ruiniert. Man könne so viele Fehler machen, sagt er. Einen falschen Satz sagen, kurz abgelenkt sein. „Meine Aufgabe ist anspruchsvoll.“

          Zwei Stunden für 400 Euro

          Von seinem Nebenjob als Escort wissen seine Eltern und Kollegen nichts, deshalb will er seinen wahren Namen nicht in der Zeitung lesen. Tagsüber hat er einen „richtigen Job“, wie er sagt, er ist promovierter Molekularbiologe. Auf der Profilseite seiner Agentur beschreibt er sich als gebildet und stilsicher, verspricht niveauvolle Gespräche. Mit seinen Kundinnen habe er sich bisher immer gut unterhalten, sagt er. Er hat eine tiefe Stimme, spricht ruhig und überlegt. Selbst das Treffen, aus dem ihn damals der Freund rausklingelte, hat er noch retten können. „Ich habe der Frau hinterher erklärt, dass der Anruf wichtig war.“

          Ihre sensible Reaktion kann er nachvollziehen, denn ihn zu buchen ist teuer. Zwei Stunden mit ihm kosten 400 Euro, für ein ganzes Wochenende müssen Frauen 3000 Euro zahlen. Bei weiten Anfahrten kommen Reisekosten hinzu. Dementsprechend sind seine Kundinnen selten jünger als Mitte Dreißig. Sein Einsatzort ist Frankfurt, ein Sammelbecken gutverdienender Karrierefrauen, die seine Dienste gerne in Anspruch nehmen. Er findet es logisch, dass Frauen sich zunehmend das leisten, was früher Männern vorbehalten war.

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