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Eschborn : Untreuevorwurf und möglicher Geheimnisverrat

  • -Aktualisiert am

Sieger und Verlierer: Mathias Geiger von der FDP löst Wilhelm Speckhardt (rechts) im Herbst 2013 als Eschborner Bürgermeister ab. Bild: Michael Kretzer

Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) und sein Vorgänger Wilhelm Speckhardt (CDU) beschäftigen weiter die Ermittlungsbehörden.

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          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt prüft offenbar Ermittlungen gegen den früheren Eschborner Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU) wegen des Verdachts der Untreue. Es soll um die für die Stadt Eschborn erbrachten Leistungen durch den Frankfurter Kommunikationsberater Jürg Leipziger gehen. Wie berichtet, kritisierte die Eschborner Opposition seit 2010 diese Beratungstätigkeiten in der Amtszeit Speckhardts oftmals wegen der hohen Honorare von bis zu 150.000 Euro im Jahr. Nun lassen sich im Eschborner Rathaus keine Belege über Leistungen Leipzigers finden.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Während die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu, auf Anfrage am Mittwoch keinerlei Angaben zu den Vorgängen machen wollte, so bestätigte Speckhardt eine Befragung durch die Polizei. Er sei offenbar von seinem Nachfolger als Eschborner Bürgermeister, Mathias Geiger (FDP), angezeigt worden. Dies sei ein „reines Ablenkungsmanöver“, äußerte Speckhardt.

          Die Personalie Leipziger

          Speckhardt verweist auf einen Artikel in der Bild-Zeitung, aus dem hervorgehe, dass er während seiner Amtszeit seit Jahren ausgespitzelt worden sei. Aus dem Artikel werde auch klar, um wen es sich bei dem Verräter von Geheimnissen handele. In eigener Sache wies Speckhardt jeden Verdacht von sich. „Dies ist alles nur noch abenteuerlich“, sagte er. Er könne nicht verstehen, warum die Unterlagen zur Beratung Leipzigers, die exakt dessen Arbeitsaufwand, die unzähligen stundenlangen Meetings und die detaillierte gemeinsame Vorbereitung der Bürgerbeteiligung in Eschborn dokumentierten, nun plötzlich aus den Verwaltungsakten verschwunden seien.

          Wenn Geiger ihm vorwerfe, den Vertrag mit Leipziger nicht schon im November 2013 gekündigt zu haben, müsse sich dieser fragen lassen, warum er ihn als gewählter Bürgermeister nicht dazu aufgefordert habe. Schließlich sei der Vertrag für Leipziger einst auch von Geiger unterzeichnet worden, hob Speckhardt hervor.

          Leipziger will noch 70.000 Euro

          Leipziger bestätigte die Angaben Speckhardts. Sein Beratungsvertrag mit der Stadt trage nicht nur die Unterschrift Geigers, dieser habe obendrein noch eine seiner an die Stadt gestellten Rechnungen bezahlt. Ebenso informierte sich laut Leipziger ein Mitarbeiter im Auftrag des neuen Bürgermeisters in seinem Büro intensiv über seine Beratertätigkeit. Diesem habe er zehn ausgearbeitete Konzepte vorgelegt und ausführlich über die geleistete Arbeit Bericht erstattet. Eine zweite Rechnung sei von der Stadt Eschborn dann nicht mehr bezahlt worden, er habe darauf zunächst einen Mahnung und dann einen Mahnbescheid geschickt, erläuterte Leipziger. Es handele sich um einen Betrag von 70.000 Euro, der ausstehe.

          Ihm sei unerklärlich, weshalb im Eschborner Rathaus keine Belege seiner Arbeit zu finden seien, hob Leipziger hervor. „In meiner gesamten Laufbahn habe ich so ein Chaos noch nie zuvor erlebt“, äußerte der Kommunikationsexperte. Aber auf den in dem Zeitungsbericht als Beweise erwähnten CDs seien auch Unterlagen über seine Tätigkeit zu finden. Wenn es zutreffe, dass die Spur der Bespitzelung zu Geiger führe, wisse er nun, warum er in Eschborn viele Stunden seiner Tätigkeit auf reines Krisenmanagement habe verwenden müssen: Dieses Geld sollte die Stadt eigentlich Geiger in Rechnung stellen, sollten sich die Vorwürfe erhärten, so Leipziger.

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