https://www.faz.net/-gzg-7uewo

Eschborn : Keine Ruhe in Hessens reichster Stadt

  • -Aktualisiert am

Ziemlich beste Feinde: Bürgermeister Geiger (rechts) und Vorgänger Speckhardt. Bild: Kretzer, Michael

Erst wirft die Sekretärin dem damaligen Ersten Stadtrat Matthias Geiger sexuelle Belästigung vor. Nun klagt die bisherige Leiterin vom Bürgerdialog. Damit beschäftigt die Eschborner Affäre weiter Gerichte und Staatsanwaltschaft.

          Sabine Dalianis kam mit einer großen Entourage zum Frankfurter Arbeitsgericht. In den Fluren standen Eschborner Bürger, Stadtverordnete und Journalisten; Kameramänner des Fernsehens filmten die bisherige Leiterin der Stabsstelle Eschborner Bürgerdialog, die gegen ihre fristlose Entlassung klagt. Selten haben Richter bei einem Gütetermin so viel Publikum, aber wenn es um Klagen gegen die Stadt Eschborn geht, sind sie inzwischen Medienrummel gewohnt: Seitdem kurz vor der Stichwahl vertrauliches Material aus der Stadtverwaltung an die Presse gelangte, der damalige Erste Stadtrat und heutige Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) in der „Bild“-Zeitung der sexuellen Belästigung seiner früheren Sekretärin Manuela Rambow bezichtigt wurde, ist in Hessens reichster Stadt nichts mehr so, wie es war.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Bei der Staatsanwaltschaft stapeln sich Anzeigen aus Eschborn, im Arbeitsgericht geben sich Rambow und Dalianis, der Geiger vorwirft, die verwaltungsinterne Akte an die Presse lanciert zu haben, die Klinke in die Hand. Und in der Stadt verstummen gegenseitige Anschuldigungen nicht. Hinter vorgehaltener Hand trägt jeder gerne etwas dazu bei. Wer hat die Akte herausgegeben? Was ist tatsächlich zwischen Geiger und dessen Sekretärin vorgefallen? Diese Fragen sind ungeklärt, was Gerüchte beflügelt. Zuletzt wollte eine Mitarbeiterin sogar gesehen haben, wie Geiger in seiner Stadtratszeit zu später Stunde mit der Begründung, sein Drucker sei kaputt, selbst im Foyer des Rathauses Akten kopierte. Von diesem Drucker sollten stets die Dokumente stammen, mit denen ein Eschborner Journalist gefüttert wurde, um die Kampagne gegen den früheren Amtsinhaber Wilhelm Speckhardt (CDU) zu führen. Der Journalist, dessen Quelle nach seinen Aussagen just mit der Amtsübernahme Geigers im Rathaus versiegte, sagte inzwischen umfassend bei der Polizei aus, die Staatsanwaltschaft schweigt zum Stand der Ermittlungen allerdings seit Monaten. Geiger war jedenfalls aus Eschborn wegen dieser Vorgänge angezeigt worden. Die Beschäftigten der Stadt Eschborn wünschen sich unterdessen nichts sehnlicher, als dass Ruhe einkehren möge und die Angelegenheit wie der eigens eingerichtete und letztlich ergebnislos agierende Akteneinsichtsausschuss ebenso zu einem Ende kommt.

          Rambow fordert 150.000 Euro

          Erste Ansätze hierfür bot unlängst der angebotene Vergleich zwischen der Stadt Eschborn und der seit Oktober vergangenen Jahres krankgeschriebenen ehemaligen Geiger-Sekretärin. Rambow sollte 35000 Euro Abfindung bekommen, da die Stadt Eschborn mit der lancierten Weitergabe der Akten ihre Fürsorgepflicht vernachlässigt habe. Dem Deal, der auch ein Ende des Arbeitsverhältnisses zum März nächsten Jahres und den Verzicht auf weitere Ansprüche Rambows beinhaltet hätte, wollte allerdings die Magistratsmehrheit offenbar nicht zustimmen. Seine „Enttäuschung“ darüber äußerte allein Geiger. Er hätte den Fall Rambow gerne für immer abgeschlossen. Dies „diene auch dem Wohl der Stadt“, ließ er über seinen Pressesprecher ausrichten. Der für beide Hauptakteure ersehnte Schlussstrich wurde somit verhindert: Nun wird ein Prozess eröffnet, bei dem Rambow 150.000 Euro-Schmerzensgeld fordert und sicher manchen Zeugen benennen wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AKK in Jordanien : Eine Ministerin lässt sich beeindrucken

          Annegret Kramp-Karrenbauer besucht die Tornado-Flieger in der jordanischen Wüste. Dabei betritt die Verteidigungsministerin eine Welt, die fern vom deutschen Alltag liegt – und doch eine ganze Menge mit ihm zu tun hat.

          Sicherer Finanzplatz gesucht : Peking plant Alternative zum umkämpften Hongkong

          Angesichts fast täglicher Demonstrationen steigt die Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch Hongkongs. Chinas Regierung will daher Shenzhen zum neuen internationalen Finanzplatz ausbauen, um Investoren nach Festlandchina zu locken.

          Innenminister Salvini : Geschwächt, nicht geschlagen

          Innenminister Matteo Salvini geht es nicht um die Sache, sondern um die Macht. Mag sein, dass er sich über- und seine Gegner unterschätzt hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.