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Eschborn : Keine Ruhe in Hessens reichster Stadt

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Bis zum Beginn dieses Scharmützels aber muss die sensationshungrige Öffentlichkeit keineswegs warten. Denn Geiger selbst heizt das Eschborner Spektakel weiter an und sorgt für eine Kündigungswelle. Der Bürgermeister will herausgefunden haben, dass es Dalianis, die enge Vertraute Speckhardts, war, die der „Bild“-Zeitung das Material zukommen ließ. Er entließ sie in den Sommerferien nach 21 Jahren in der Eschborner Stadtverwaltung fristlos, ohne sich diesen Vorgang vom Magistrat absegnen zu lassen. Damit nicht genug, schickte der Bürgermeister gleich noch drei fristlose Kündigungen hinterher – die letzte kam laut Michael Bauer, Rechtsvertreter von Dalianis, erst am Tag vor dem Gütetermin in seiner Kanzlei an. Der Jurist ist als früherer Erster Stadtrat Eschborns mit der Eschborner Kommunalpolitik vertraut, er gilt als Intimfeind Speckhardts und ist ein eifriger Leserbriefschreiber. Bauer kreuzte zuletzt in eigener Sache mit dem früheren Eschborner Fraktionsvorsitzenden Peter Pohlen (CDU) die Klingen. Er hatte in einem Leserbrief daran erinnert, dass auch Pohlen schon von seinem Arbeitgeber wegen einer sexuellen Belästigung gerügt worden war.

Hohe Abfindung für Dalianis

Nun zieht Bauer plötzlich als Streiter für Dalianis gegen Geiger ins Feld. Durch die 27 engbeschriebenen Anwürfe zur vierten ausgesprochenen Kündigung habe er sich gerade „die halbe Nacht“ gelesen, berichtete er. Richter Torben Salmon versuchte die Liste der angeblichen Verfehlungen, die Geiger anführt, zu ordnen: So soll Dalianis in einem Gespräch mit Geigers Sprecher Philipp Herbold gedroht haben, sie wolle sofort mit dem Bürgermeister sprechen, sonst werde sie eine Pressekonferenz geben, die Geiger nicht überleben werde. Dies werte der Beklagte als Nötigung. Ebenso soll Dalianis, wie Richter Salmon weiter vortrug, wegen der Geburtstagsbesuche, die Geiger Bürgern im Bürgermeisterwahlkampf abstattete, beim Datenschutzbeauftragten angefragt haben, ob dies überhaupt mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vereinbar sei.

„Ist denn eine gütliche Einigung zu all diesen Komplexen möglich?“, fragte der Richter dennoch, deutete aber zugleich an, dass es sich aufgrund der langjährigen Tätigkeit um eine erhebliche Abfindungssumme für Dalianis handeln müsse. Dieses Ansinnen bleibe wohl ein untauglichen Versuch, befürchtete Bauer. Dalianis sei durch die Presse gezerrt worden und werde in der Region keine Anstellung mehr finden. Ein Vergleich müsste seine Mandantin somit bis zum Ende ihrer Berufstätigkeit absichern. Darauf wollte sich der städtische Rechtsanwalt auf keinen Fall einlassen. Er sprach von dem angeblichen Nötigungsversuch der leitenden Verwaltungsmitarbeiterin und der letzten Möglichkeit, Dalianis einen friedlichen Abgang zu verschaffen. „Ein Gnadenbrot“ wolle man hier nicht erstreiten, machte Bauer deutlich, und der Richter beendete schließlich nach knapp 20 Minuten den Gütetermin ergebnislos.

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