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„Es ist bitter“ : Illegale Trutzburg im Odenwald eingerissen

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Ende einer Burg: Mit seinem Arm greift der Bagger zunächst nach dem Dach...
          1 Min.

          Es staubt und knirscht. Unbarmherzig beißt der Abrissbagger Mauerstück für Mauerstück aus der kleinen Burg in den Weinbergen bei Heppenheim. Mehrere Jahre hat Volker Sieradzki gebraucht, um das Bauwerk mit den liebevoll gestalteten Zinnen zu errichten - die dafür nötige Genehmigung hatte er allerdings nicht. Am Mittwoch haben die Behörden einen Schlussstrich gezogen. Das Gebäude wird in seine Einzelteile zerlegt.

          „Es ist bitter“, sagt der Beigeordnete Matthias Schimpf vom südhessischen Landkreis Bergstraße verständnisvoll. Aber die Burg sei vorsätzlich schwarz gebaut worden und stelle ein Sicherheitsrisiko für alle dar, die sie betreten, sagt der Grünen-Politiker: „Da sind Lehm und Stroh im Fundament, und der Putz kommt von der Decke, wenn man nur hineingeht.“ Die Abrisskosten schätzt er auf rund 10.000 Euro, bezahlen müsse sie der Bauherr.

          Auch Ramsauer eingeschaltet

          Auch Ute Schneider beobachtet den Abriss unbeeindruckt, sie ist Leiterin der Bauaufsichtsbehörde. Sie verweist auf den Grundsatz der Gleichbehandlung, nach dem jedes illegal errichtete Bauwerk beurteilt werde - ohne Ausnahme. Tausende solche Hütten, Ställe und Zäune gebe es allein im Kreisgebiet. Und alle müssten abgerissen werden, sagt Schneider: „Da geht es auch um den Naturschutz und Zufahrtswege für die Feuerwehr.“ Der Burgherr vom Weinberg hätte niemals eine Genehmigung bekommen, stellt sie klar: Außerhalb von Ortschaften dürften solche Gebäude grundsätzlich nicht errichtet werden.

          Vor drei Monaten ließ die Behörde bereits einen neben der Burg angelegten Kräutergarten dem Erdboden gleichmachen. Dabei hatten sich zuletzt mehrere Bürger Heppenheims für den Erhalt von Garten und Burg eingesetzt, Hunderte Unterschriften gesammelt, eine kleine Demonstration organisiert und sogar Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) per Brief um Unterstützung gebeten. Vergebens.

          Geplatzte Träume

          Der Bauherr, der sein Geld als Imker verdient, ist am Mittwoch nicht zum Weinberg gekommen. Am Telefon berichtet der 46-Jährige von seinen Träumen, die nun geplatzt sind. Er habe in der Burg eine Kita einrichten wollen - ein Fernsehbeitrag über einen Abenteuerspielplatz im Taunus habe ihn inspiriert. Vor neun Jahren habe er zunächst mit dem Bau des Kräutergartens begonnen und gedacht, die Baugenehmigung werde als eine Art Gewohnheitsrecht schon noch erteilt: „Ich hatte gehofft, dass das auf legale Füße gestellt wird.“ Mehrere zehntausend Euro habe er nun verloren. Doch Reue empfinde er nicht, sagte Sieradzki: „Der Versuch war es meiner Ansicht nach wert.“

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