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Erwin Deuser geht : Wiesbadener Volksbank vor nächstem Chefwechsel

Die drei von der Volksbank: Jochen Kerschbaumer, Erwin Deuser und Matthias Hildner in der neuen Private-Banking-Villa. Bild: Eilmes, Wolfgang

Erwin Deuser will noch in diesem Jahr in Ruhestand gehen. Sein Nachfolger könnte der Sohn seines Vorgängers sein.

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          An der Spitze der Wiesbadener Volksbank kann schon im nächsten Jahr wieder ein Hildner stehen. Denn wie diese Zeitung am Dienstag am Rande der Bilanzpressekonferenz erfuhr, will der Vorstandsvorsitzende Erwin Deuser schon Ende dieses Jahres, zwei Jahre vor seinem 65. Geburtstag, in den Ruhestand gehen. Sein vorzeitiges Ausscheiden begründete der Vorstandsvorsitzende am Dienstag mit seiner Lebensplanung und verwies dabei auch auf den plötzlichen Tod seines langjährigen Vorstandskollegen Volker Düber 2008.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer ihm an der Spitze des Hauses nachfolgen werde, sei noch nicht entschieden, sagte Deuser weiter. Vieles spricht aber für Matthias Hildner, den Sohn des 2010 in Ruhestand getretenen Rolf Hildner, der das Haus 32 Jahre lang geführt hatte. Die Familie leitet die Geschicke des Hauses schon seit Generationen, und auf der Pressekonferenz gestern berichtete der 37 Jahre alte Jurist ausgiebig über seine Pläne für das Private Banking und das Firmenkundengeschäft. Das dritte Vorstandsmitglied, der 51 Jahre alte Jochen Kerschbaumer, ist zwar anders als Hildner schon seit seiner Banklehre bei dem Kreditinstitut, meldete sich gestern aber kaum zu Wort.

          Hildner hatte nach seinem zweiten juristischen Staatsexamen 2003 Karriere im genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank gemacht, zuerst in Frankfurt, später in New York und als Leiter des mittelständischen Firmenkundengeschäfts in Hamburg. Zur Wiesbadener Volksbank kam er 2009 als Generalbevollmächtigter und stieg kurz vor dem Ausscheiden seines Vaters in den Vorstand auf. Seither gilt er manchem im genossenschaftlichen Finanzverbund als gesetzter Nachfolger von Deuser.

          Doch Hildner will erkennbar nicht als Thronfolger qua Geburt gelten. Die beiden Segmente, die er im Vorstand verantwortet, Private Banking und Firmenkunden, bringt er mit Verve auf Vordermann. Die neue Villa an der Bierstadter Straße, in der das Private Banking seit 2010 residiert und in der gestern erstmals die Bilanz-Pressekonferenz gehalten wurde, manifestiert den Tatendrang.

          Die Genossenschaftsbank wirft sich ins Zeug für die besonders wohlhabende Kundschaft, die über liquide Mittel von mindestens 500.000 Euro verfügen sollte. 3,5 Millionen Euro hat die Bank in das neue Domizil investiert, in dem sich 24 Mitarbeiter speziell um die Belange der 800 reichsten Kunden des Hauses kümmern. Sie verwalten ein Vermögen von 1,2 Milliarden Euro, wie Hildner gestern sagte - ein Plus von 12,5 Prozent gegenüber 2010. Die Zahl dieser Kunden sei 2011 um zehn und 2010 sogar um 30 Prozent gestiegen. Für gut ein Fünftel der Erträge der Bank stehe das Private Banking nun, das das Haus zwar schon seit Mitte der neunziger Jahre betreibe, aber erst seit zwei Jahren als eigene Marke etabliere. Profitiert habe die Volksbank auch von der Schwäche anderer Privatbanken, die zuletzt „in die Diskussion geraten“ seien, wie Hildner es ausdrückte, und auch vom Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank, von denen Kunden gewechselt hätten.

          „Wir haben noch einen Einlagenüberschuss von 400 Millionen Euro“

          Für 2012 hat sich Hildner nun ein neues Projekt vorgenommen: Er will das Firmenkundengeschäft ausbauen. Jeder zweite Gewerbetreibende in Wiesbaden, vom Metzger bis zum mittelständischen Unternehmen, hat Hildner zufolge Geschäftskontakte mit der Volksbank. Mit allen Kunden wolle man in diesem Jahr über verschiedene Themen sprechen und sich auch über Werbung wieder stärker ins Gedächtnis rufen. Der neue Leiter der Firmenkundenberatung, Holger Klein, der wie Hildner zuvor für die DZ Bank in Hamburg gearbeitet hat, soll dabei helfen.

          Viele große Geschäftsbanken haben angekündigt, aufgrund der gestiegenen Kapitalanforderungen ihr Kreditgeschäft zu verkleinern. „Wir haben noch einen Einlagenüberschuss von 400 Millionen Euro“, sagte Deuser. Den würde man lieber in Form von Krediten vergeben als ihn am Kapitalmarkt anzulegen. Besonderes Potential sieht Hildner in der Finanzierung von Gewerbeimmobilien, weil sich aus diesem Geschäft einige große Spieler, Eurohypo und Westimmo zum Beispiel, verabschiedet haben.

          Die Volksbank steht blendend da

          Das Buhlen um Vermögende und Firmenkunden dürfte auch der Versuch sein, sich weniger abhängig vom Filialkundengeschäft zu machen. Denn dort wird es immer schwieriger, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Zwar gelang es der Volksbank auch 2011 wieder, die Kundeneinlagen leicht zu steigern auf nun 1,28 Milliarden Euro. „Aber die Konkurrenz bietet für Tagesgeld und Termingeld teilweise abstruse Konditionen“, sagte Deuser. Und längerfristige Anlageprodukte seien kaum noch zu verkaufen. Auch die Anlageberatung sei mit den Kapitalmarktturbulenzen im September stark eingebrochen, so dass ein weiterer Rückgang des Provisionsüberschusses (siehe Tabelle) schon im vergangenen Jahr vor allem dank der Zuwächse aus dem Private Banking verhindert worden sei, sagte der Vorstandsvorsitzende. Auch die Ausgabe von gut 2300 Kreditkarten soll für verlässlichere Provisionszuflüsse sorgen.

          Deuser sieht wenig Chancen dafür, das „derzeit außergewöhnlich hohe Ergebnisniveau“, das nicht zuletzt der Niedrigzinspolitik der EZB zu verdanken sei, auf Dauer zu halten. Für 2011 hatte er vor einem Jahr ein um 15 Prozent gesunkenes Ergebnis erwartet. „Damit wären wir auch noch gut zufrieden gewesen“, sagte Deuser. Tatsächlich konnte er gestern aber ein um 13,9 Prozent gestiegenes Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 50,1 Millionen Euro präsentieren. „Damit sind wir noch etwas zufriedener.“ Doch Deuser bleibt skeptisch und sagt nun für 2012 ein um zehn Prozent gesunkenes Ergebnis voraus. Auch dies reiche aus.

          In der Tat steht die Volksbank blendend da. Keine 49 Cent muss die Bank ausgeben, um einen Euro zu verdienen. Andere Filialbanken zahlen 60, 70 oder noch mehr. Und auch das Verhältnis des Betriebsergebnisses zur Bilanzsumme von 3,3 Milliarden Euro ist weit besser als in den meisten Volksbanken. An wirtschaftlichen Gründen dürfte Deusers vorzeitiges Ausscheiden also nicht liegen.

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