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Erstsemester in Frankfurt : Tschüs, Wohnung, hallo, Feldbett

  • -Aktualisiert am

Vom Feldbett in die Vorlesung: Celina Ufken ist auf Wohnungssuche. Bild: Cornelia Sick

Für viele angehende Studenten ist es wie die Erfüllung eines Traums: Raus aus dem Elternhaus und hinein in das eigene Domizil. Doch wegen des Wohnungsmangels gibt es für Erstsemester in Frankfurt ein böses Erwachen.

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          Es wirkt wie eine Mischung aus Lazarett und Sit-In: Im Studierendenhaus der Goethe-Universität füllen Schlafsäcke, halb ausgepackte Koffer und Protestplakate die Zimmer. Niklas Hinnah sitzt auf einem Feldbett, das Kinn auf die Hände gestützt. Er gehört zu den 33 Erstsemestern, die in ihrer Wohnungsnot Zuflucht beim Asta gefunden haben. Während der ersten Woche des Wintersemesters können die Studenten dort schlafen, duschen und kochen. Wo sie danach wohnen werden, wissen die meisten noch nicht.

          Hinnah stammt aus der Nähe von Münster. Seit Ende August hat der Zwanzigjährige einen Studienplatz für Japanologie an der Goethe-Universität und sofort mit der Wohnungssuche begonnen. Auf rund 50 Annoncen hat er geantwortet, doch kaum jemand schrieb zurück. „Irgendwann dachte ich, es liegt an mir oder meinem Bewerbungstext“, sagt Hinnah.

          Wohnungen sind knapp und teuer

          Nach einer Studie des Deutschen Studentenwerks sind die Wohnungen in Frankfurt besonders knapp und teuer. Zahlen Studierende im Bundesdurchschnitt 323 Euro Miete im Monat, sind es in Frankfurt 373 Euro. Die Versorgung mit Wohnheimplätzen liegt dagegen unter dem Bundesschnitt: Nur rund sieben Prozent der Frankfurter Studenten haben einen Platz in einem privaten, kirchlichen oder einem Wohnheim des Studentenwerks, deutschlandweit sind es dagegen etwa zehn Prozent, die in Wohnheimen eine Bleibe finden. „Die Lage wird fortwährend prekärer“, sagt die Asta-Vorsitzende Kyra Beninga: „Wir wollen, dass jeder in Frankfurt studieren kann und nicht nur diejenigen, deren Eltern genug Geld haben.“

          Vor ein paar Wochen bekam Hinnah endlich die Zusage für eine WG-Besichtigung. Er packte seinen Rucksack und fuhr nach Frankfurt. Dort sah er sich ein neun Quadratmeter großes Zimmer in einem Sossenheimer Hochhaus an – für 400 Euro im Monat. „Da hätte nicht mal mein Bett reingepasst“, erinnert er sich: „Trotzdem hätte ich es wahrscheinlich genommen.“ Doch das Zimmer war schon vergeben.

          „Es herrscht ein richtiger Verteilungskampf“

          Die Folge der Wohnungsknappheit: „Es herrscht ein richtiger Verteilungskampf“, sagt Felix Sauer, Wohnraum-Referent des Asta. „Die Leute ziehen in immer entlegenere Stadtteile oder gleich nach Darmstadt, Offenbach oder Mainz.“Die Ursachen für hohe Mieten und den Wohnraum-Mangel verortet der Asta auch in der hessischen Landespolitik. Ein Beispiel dafür sei der Verkauf des alten Polizeipräsidiums für mehr als 212 Millionen Euro an einen privaten Investor. „Statt bezahlbarer Wohnraum entstehen dort nun Luxuswohnungen“, sagt Kyra Beninga. Der stellvertretende Asta-Vorsitzende Axel Nieslony fordert: „Das Land muss die Zuschüsse an die Studierendenwerke erhöhen, um wenigstens der gestiegenen Zahl von Studierenden endlich gerecht zu werden.“ Außerdem solle die Stadt mehr Sozialwohnungen errichten.

          Am nächsten Tag müssen die 33 Gestrandeten ihre Schlafsäcke im Studierendenhaus wieder zusammenrollen. Einige haben eine Wohnung oder WG in Aussicht. Andere schlafen auf der Couch von Freunden oder neuen Bekannten. Niklas Hinnah hat sich mit drei anderen Erstsemestern zusammengetan. Sie wollen eine Wohnung finden und eine neue WG eröffnen. „Vielleicht haben wir so bessere Chancen.“

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