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Wasserstoff-Zug Coradia iLint : Klimaschutz auf hessischen Schienen

  • Aktualisiert am

Hebt sich nicht nur äußerlich von anderen Zügen ab: Der Zug iLint wird mit Wasserstoff betrieben. Bild: Hersteller

Die erste Sonderfahrt mit einem Wasserstoff-Zug Coradia iLint führt von Wiesbaden nach Höchst. Der reguläre Einsatz des Zuges soll 2022 beginnen.

          Wer bei einer Fahrt mit dem Zug Coradia iLint genau aufpasst, wird kleine Unterschiede zu einem herkömmlichen Regionalzug feststellen. Schon von außen hebt sich der Zug mit seinem kräftigen Blauton von den roten Zügen der Deutschen Bahn ab. Auch im Inneren wird mit kleinen Details auf seine Besonderheit hingewiesen. Die Sitzbezüge, auf denen die chemischen Verbindungen H-H und H-O-H zu sehen sind, deuten es an: Der Coradia iLint wird mit Wasserstoff betrieben.

          Gestern fand die weltweit erste Sonderfahrt mit einem Brennstoffzellen-Regionalzug von Wiesbaden nach Höchst statt. 150 Passagiere fuhren mit. Wer direkt unter der Brennstoffzelle saß, hörte einen weiteren Unterschied: ein zeitweises Surren, das an eine Sirene erinnerte. Dieses Problem, das mit dem Luftaustausch in der Brennstoffzelle zusammenhängt, soll laut Jörg Nikutta von Alstom, dem Hersteller des Zuges, noch behoben werden. „Wir arbeiten noch daran, die Abstimmung der Brennstoffzelle an das Fahrzeug zu optimieren, so dass man es dann nicht mehr so stark hört“, sagte er.

          Mit einer Füllung Wasserstoff kann der iLint bis zu 1000 Kilometer zurücklegen und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern erreichen. Der umweltfreundliche Zug funktioniert mit einem Wasserstofftank und einer Brennstoffzelle, die beide auf dem Dach des Zuges montiert sind. Die Brennstoffzelle gewinnt elektrische Energie aus der Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff. „Unter dem Zug befindet sich eine Lithium-Ionen-Batterie“, erklärte Stephan Schrank von Alstom. Die Batterie dient dazu, den Zug bei der Beschleunigung mit Energie zu versorgen. Bremst die Bahn, wird die Batterie automatisch wiederaufgeladen.

          „Der iLint ist ein Beleg für die Innovationskraft im Land Hessen“, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, der zu den Fahrgästen gehörte. „Mit nur einem Brennstoffzellenzug können pro Jahr etwa 700 Tonnen CO2 eingespart werden“, sagte Schrank. Auch in Sachen Lautstärke sei der Zug vorbildlich. „Die Geräuschemission liegt bei einer Geschwindigkeit von 140 Stundenkilometern fünf Dezibel unter der eines Dieselzugs“, erklärte Schrank. Die Kosten für einen iLint seien zunächst zwar höher, über die Lebensdauer von 30 Jahren werde sich der Preis jedoch bald amortisieren.

          26 Züge der Linien 11, 12, 15 und 16 sollen laut dem Rhein-Main-Verkehrsverbund bis 2022 auf bisher nicht oder nur teilweise elektrifizierten Taunusstrecken einsatzbereit sein. Betankt werden die Züge dann im Industriepark Höchst. Dort entsteht Wasserstoff als Abfallprodukt. „Für die geplanten Züge werden im Jahr 675 Tonnen Wasserstoff benötigt“, sagte Thomas Bayer von Infraserv Höchst. Diese Menge sei im Industriepark verfügbar und die Betankung der Brennstoffzüge möglich.

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