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Erschwerter Fortschritt : Entdeckung des Rheins

  • -Aktualisiert am

Rheinufer soll attraktiver werden für Touristen: Doch es fehlen die Gelder für einen Ausbau. Bild: Marcus Kaufhold

Trotz seiner stetigen Beliebtheit als Ausflugsziel, geht der Ausbau des Rheinufers nur schleppend voran. Fehlende Gelder erschweren die Erweiterung des Tourismusziels.

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          Auf seinem felsigen Grund soll noch immer der märchenhafte Schatz der Nibelungen ruhen, und über seinen schroffen Hängen kämmt sich die Loreley ihr goldenes Haar. Seit die Romantiker vor mehr als 200 Jahren den Rhein „entdeckt“ haben, ist das Verhältnis der Deutschen zu „ihrem“ Strom nicht mehr dasselbe. Aus der literarischen Begeisterung wurde am Ende patriotische und politische Romantik. Oder, um Ernst Moritz Arndts Appell zu zitieren: der Rhein, „Teutschlands Strom, aber nicht Teutschlands Gränze“.

          Von seiner fast mystischen Anziehungskraft hat der Rhein wenig verloren. Den Besuchern wurde es aber nicht immer leicht gemacht, selbst zu erfahren, warum es am Rhein so schön ist. Jedenfalls nicht, „weil die Mädel so lustig und die Burschen so durstig“ sind, wie es Peter Alexander einmal sang. Am Ufer des Rheins das Treiben der Binnenschiffer zu verfolgen, das hat eine ähnlich entspannende Wirkung wie der Blick ins knisternde und lodernde Lagerfeuer.

          Finanzierung erschwert die Umgestaltung

          Doch um eine Selbstverständlichkeit wie einen asphaltierten Radweg entlang des Rheins wurde im Rheingau jahrelang erbittert gerungen. Noch heute klaffen bei Rüdesheim und zwischen Assmannshausen und Lorch ärgerliche Lücken, die allenfalls im Schneckentempo geschlossen werden. Erst seit wenigen Jahren ist der Rheingau offizieller Teil des Regionalparks Rhein-Main. Und ebenfalls erst seit kurzem haben Eltville und Walluf die Gnade der schon vor 30 Jahren eröffneten Umgehungsstraße genutzt, um ihr teils ödes Rheinufer zumindest stellenweise aufzuhübschen.

          Die Widerstände sind nach wie vor erheblich, wie das Beispiel Walluf zeigt. Dabei ist das Rheinufer ein Schatz, der anders als das Vermächtnis der Nibelungen ohne Schwierigkeiten gehoben werden könnte. Es darf allerdings nicht um Billig- und Massentourismus gehen, denn die hat das rheinische Gesamtkunstwerk aus Landschaft und Geschichte, Natur und Kultur nicht verdient.

          Die Kommunen tun sich mit einer Qualitätsoffensive bislang allerdings schwer. Nicht immer tragen sie dafür selbst die Verantwortung, wie das Beispiel des gescheiterten Rüdesheimer Bahntunnels zeigt. Der Bund hat sich partout geweigert, die städtebauliche Aufwertung einer touristischen deutschen Visitenkarte in seine Kostenabwägung einzubeziehen. Den Rüdesheimern bleibt damit nur Drosselgasse statt Rheinufer.

          Das ist in Eltville und Walluf gottlob anders. Entlang des Leinpfads sind in den vergangenen Jahren einige sehenswerte Landmarken entstanden. Gut, dass es überdies private Anstrengungen gibt wie jene, die im nächsten Jahr einen hässlichen Platz direkt am Winkeler Rheinufer zur attraktiven Strandbar werden lässt. Auch darum ist es am Rhein so schön.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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