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Erschossenes Tier : Westerwald-Wolf vor einem Jahr bei Gießen angefahren

Wieder da: Immer wieder werden in Deutschland Wölfe gesichtet. Bild: dpa

Bei dem Wolf, der vor knapp zwei Monaten im Westerwald erschossen wurde, handelt es sich offenbart um das Tier, das Anfang vergangenen Jahres in der Nähe von Gießen angefahren worden ist.

          Bei dem Wolf, der vor knapp zwei Monaten im Westerwald erschossen wurde, handelt es sich offenbart um das Tier, das Anfang vergangenen Jahres in der Nähe von Gießen angefahren worden ist. Zu dieser Erkenntnis kommt der Landesverband des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) aufgrund von Befunden des Landesuntersuchungsamts Rheinland-Pfalz. Danach hatte der getötete Wolf an seinem rechten Hinterlauf Verletzungen. Das, so Wolf-Experte Mark Harthun vom Nabu, lege es nahe, dass der im Westerwald gesichtete und erschossene Wolf mit dem bei Gießen beobachteten identisch sei, der gehumpelt habe. Auch die gentechnischen Analysen von Spuren aus dem Raum Gießen und dem Westerwald zeigten in beiden Fällen, dass sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein und dasselbe Tier aus einer Population in den südlichen Alpen gehandelt habe.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Der am Hinterlauf verletzte Wolf war Anfang vergangenen Jahres von mehreren Zeugen an verschiedenen Stellen im Gießener Umland gesichtet worden. Noch bevor es Experten gelang, sich dem Tier zu nähern, war der Wolf wieder verschwunden. Anfang dieses Jahres wurde der Gießener Wolf dann wieder entdeckt. Er streunte 30 Kilometer jenseits der Landesgrenze im Westerwald, wo bei er auch mit der Kamera aufgenommen wurde. Wenige Wochen später fand ein Spaziergänger das verendete Tier in einem Waldstück bei Montabaur. Wie sich herausstellte, war der Wolf mit einer großkalibrigen Waffe erschossen worden. Die Polizei nahm Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz auf. Der tote Wolf soll nun präpariert und ausgestellt werden, wahrscheinlich in Mainz.

          Seit Anfang vergangenen Jahrzehnts besiedeln Wölfe wieder Deutschland

          Trotz des Abschusses war es nach Ansicht des Nabu seinerzeit die richtige Entscheidung der Behörden, den hinkenden Wolf nicht einzufangen. Wölfe benötigten keine Wildnis zum Verweilen, eine vielfältige Kulturlandschaft reiche den Tieren, um zurechtzukommen. Selbst für einen verletzten Wolf sei es offenbar kein Problem, in heimischen Wäldern zu überleben, da es genug Beute oder auch an Straßen getötete Tiere gebe, konstatiert Harthun und fügt hinzu: „Wenn der nächste Wolf in Hessen auftaucht, sollte er von Anfang an in Ruhe gelassen werden.“ Dass jüngere Wölfe auch auf weitere Wanderungen gehen, komme immer wieder vor. Die Tageslaufleistung eines Wolfes beträgt bis zu 75 Kilometer. In Hessen tauchte erstmals 1994 wieder ein Wolf im nordhessischen Kreis Waldeck-Frankenberg auf. 2006 wurde ein weiteres Tier im Reinhardswald gesichtet, der aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet stammte und sich in Nordhessen mehrere Jahre aufhielt, bevor er verendet gefunden wurde.

          Seit Anfang vergangenen Jahrzehnts besiedeln Wölfe wieder Deutschland. Aus den ersten Tieren sind bis heute 14 Rudel in Ostdeutschland entstanden. Nach und nach erschienen auch in den westlichen Bundesländern einzelne Wölfe. Nach Einschätzung des Nabu werden auf längere Sicht in allen Flächenbundesländern Wolfsrudel wieder heimisch werden. Eine Studie des Bundesamts für Naturschutz fand ein halbes Dutzend geeignete Lebensräume für Wölfe.

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