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Eröffnung im Frühjahr : Neues Ausgeh-Zentrum an der Zeil

Im früheren Frankfurter Zeil-Kino soll eine „Super-Disco“ entstehen Bild: Wonge Bergmann

An der Zeil soll eine neue „Super-Diskothek“ eröffnen. Die Betreiber wollen auflegen und Live-Musik spielen lassen. Noch keine Einigung gibt es zur Zukunft der Disco U 60311, in der 2011 ein Mensch zu Tode kam.

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          Die Nachricht, dass an der Zeil eine neue Diskothek eröffnen soll, verbreitet sich schon seit Monaten. Von einer "Super-Disco" ist die Rede, in der rund tausend Besucher auf etwa 1600 Quadratmetern Platz haben sollen. Voraussichtlich im April soll der Club eröffnen. Pünktlich, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, wie der Betreiber versichert. Möbel, Theken und Technik seien schon bestellt.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Einen ersten Rückschlag gab es jedoch schon beim Ausbau der Diskothek, die im Gebäude des ehemaligen Zeilkinos Platz finden und "Gibson" heißen soll. Denn die Arbeiten, die bis Mitte vergangener Woche auf Hochtouren liefen, müssen derzeit ruhen. Der Leiter der Bauaufsicht, Michael Kummer, bestätigte gestern, dass sie vorerst gestoppt worden seien, weil für die noch ausstehenden Arbeiten keine Genehmigung vorgelegen habe. Bei dem Gebäude handele es sich um einen Sonderbau, der "tief gelegen und kompliziert erschlossen" sei, sagte Kummer. Da es sich um eine Versammlungsstätte handele, seien vor allem die sicherheitsrelevanten Details komplex.

          Für das gehobene Publikum

          Der künftige Betreiber des "Gibson" ist in Frankfurt kein Unbekannter. Madjid Djamegari hat in Frankfurt die "Kingka"-Clubs für das gehobene Publikum gegründet, die sich im Frankfurter Nachtleben etabliert haben. Nun will er die Haupteinkaufsstraße von Hessens größter Stadt musikalisch beleben. Unter der Woche sollen dort überwiegend Bands auftreten - darunter auch Künstler des Hauses -, an den Wochenenden legen DJs auf. Mitbetreiber des Clubs ist die Söhne Mannheims GmbH.

          Wie Djamegari gestern dieser Zeitung sagte, hat das Bauamt zu Recht bemängelt, dass schon mit Arbeiten begonnen worden sei, ohne dass die nötige Genehmigung vorgelegen habe. Der Bauantrag sei jedoch eingereicht und bis auf zwei finale Stellungnahmen vollständig. Er stehe "in permanenter, konstruktiver Kommunikation mit Bauaufsicht, Brandschutzbehörden und Fachingenieuren, um den Baugenehmigungsprozess zeitnah abzuschließen", so der Geschäftsmann. Das Bauamt werde "mit aller Sorgfalt" über den Bauantrag entscheiden. Sobald die Genehmigung erteilt sei, könne man die Arbeiten wieder aufnehmen. Noch stehe der Innenausbau aus. Mit glatten Flächen aus Leder und Bronze solle "ein spannender Kontrast" erzeugt werden.

          Vor allem das Ordnungsamt befürchtet jedoch, dass sich mit dem Einzug der Diskothek auch das Alkoholproblem auf der Zeil verstärken könnte. Schon seit Wochen beobachte die Behörde, dass dort der Alkoholkonsum, vor allem junger Menschen, die anschließend umliegende Clubs aufsuchten, zunehme. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) hatte jüngst angekündigt, stärker gegen die "wilde Partyszene" vorzugehen. Frank sagte, grundsätzlich finde er es gut, wenn die Zeil etwa durch neue Clubs belebt werde. Es müsse nur sichergestellt werden, dass es keine Beeinträchtigungen gebe.

          Gast zu Tode geprügelt

          Ruhiger geworden ist es offenbar um den umstrittenen Club U 60311, wenngleich noch immer nicht feststeht, wie es mit der Diskothek, in der im vergangenen Jahr ein Gast von Türstehern zu Tode geprügelt worden war, weitergeht. Eigentlich wollte die Stadt die Umgebung der grauen, pavillonartigen Zugänge zu dem Technoclub längst aufwerten. Aber da der Betreiber der Stadt kein Wegerecht gebe, könne man mit den Bauarbeiten nicht beginnen, sagte der Leiter des Liegenschaftsamts Alfred Gangel. Unterdessen geht der Betrieb in dem unterirdischen Club weiter. Nach dem Tod des Gastes an Ostern 2011 war der Betreiber der Diskothek, Alexander Eger, stark in die Kritik geraten, weil er den Club schon einen Tag später wieder öffnete. Die Stadt hat Eger gekündigt und will die Räume an einen anderen Betreiber als Diskothek vermieten. Doch Eger will nicht ausziehen.

          Im März hat Gangel nun einen Termin vor dem Landgericht, das über die Räumungsklage der Stadt entscheidet. "Wir lassen uns von Herrn Eger nicht länger an der Nase herumführen", sagte Gangel. Eger suche nach einem Nachfolger, der vor allem die teure Inneneinrichtung des Clubs übernehme. Dies scheitere bisher an den hohen Preisvorstellungen. Gangel behält sich vor, bei einem Erfolg vor Gericht selbst einen Nachfolger zu bestimmen. "Drei Bewerber waren schon bei mir." Die Stadt erwäge aber auch, den Betrieb auszuschreiben. Gangel vertritt die Ansicht, dass eine Belebung der Innenstadt Frankfurt guttun würde, denn sie könne zur passiven Sicherheit der Passanten beitragen. Außerdem gebe es rund um die Hauptwache kaum Anwohner, die sich von dem Lärm belästigt fühlen könnten.

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