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Ernährung : "Dicke Kinder mit ihren Problemen nicht allein lassen"

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Mit einer gemeinsamen Aufklärungskampagne wollen das Sozialministerium und die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) in Hessen übergewichtigen Kindern dabei helfen, ihre Pfunde wieder loszuwerden.

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          Mit einer gemeinsamen Aufklärungskampagne wollen das Sozialministerium und die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) in Hessen übergewichtigen Kindern dabei helfen, ihre Pfunde wieder loszuwerden. Dabei geht es nach Worten von Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) nicht um Schlankheitskult und Diäten, sondern um die Kombination von vernünftiger Ernährung und Bewegung. "Wir dürfen unsere Kinder mit ihren Problemen nicht alleine lassen", appellierte der Vorstandsvorsitzende der AOK-Hessen, Fritz Müller, an die Erwachsenen. Sie seien die Vorbilder, und Übergewicht bei Kindern sei ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wie schwer es freilich fallen kann, als Erwachsener mit gutem Beispiel voranzugehen, hat Müller als Vater von zwei Töchtern nach eigenen Worten öfter auch am eigenen Leib erfahren, etwa dann, wenn er auf ein Fußball-Länderspiel verzichten mußte, weil die Fernsehübertragung in die Essenszeit fiel.

          Zum Auftakt der Kampagne "Durch dick und dünn" will Ministerin Lautenschläger heute einen Kindergarten in Dietzenbach besuchen. Bis Ende des Jahres haben sich Mitarbeiter von AOK und Ministerium vorgenommen, weitere Kindergärten und Grundschulen vor allem in sozialen Brennpunkten zu besuchen, um Kinder, Eltern, Erzieher und Lehrer dort für eine gesunde Ernährung zu sensibilisieren. Mit Hilfe von "Jolinchen", dem Drachenkind, und "Schrilli", der Fledermaus, soll kindgerecht vermittelt werden, aus welchen Bestandteilen sich die verschiedenen Nahrungsmittel zusammensetzen, welche der Gesundheit dienen und außerdem noch gut schmecken.

          Lautenschläger ist neben der Aufklärung wichtig, daß Mädchen und Jungen erleben, wie Mahlzeiten entstehen. Die Frage sei: "Wie kommen die Lebensmittel auf den Tisch?" Es gehe um Eßkultur und um gemeinsame Mahlzeiten, die "nicht aus der Tüte kommen." Deshalb sind alle Besuche von Kindergärten und Schulen mit einem gesunden Frühstück verbunden, das sich die Kinder selbst zubereiten sollen. Für die Lebensmittel gibt die AOK je Einrichtung 80 bis 100 Euro aus Präventionsmitteln. Insgesamt wird die AOK nach Auskunft Müllers in diesem Jahr bei einem Haushaltsvolumen von 3,8 Milliarden Euro vier Millionen Euro für die Prävention ausgeben.

          Prävention bedeute, Krankheiten zu verhindern. Und das sei bei Kindern und Jugendlichen noch gut möglich, sagte Lautenschläger. Das Ausmaß der Fehlernährung von Kindern sei inzwischen bedenklich. Mit Blick auf Folgeerkrankungen von Übergewicht wie beispielsweise Herzkreislauf-Probleme oder Gelenkleiden hält es Müller für alarmierend, daß mittlerweile jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche zu dick sei. 80 Prozent der übergewichtigen Kinder schleppten auch als Erwachsene zu viele Pfunde mit sich herum. In Hessen sind nach Müllers Angaben zwölf Prozent der Männer und zehn Prozent der Frauen zu dick.

          Um Hilfsangebote bemühen sich derweil zahlreiche Institution. So hat das Zentrum für Eßstörungen in Frankfurt einen Schwerpunkt auf die Beratung und Therapie von Jugendlichen mit Eßstörungen gelegt. Der Frankfurter Verein "Balance - Beratung und Therapie bei Eßstörungen" wiederum kümmert sich besonders um Kinder; sie können in der Einrichtung eine psychosoziale Beratung und Therapie in Anspruch nehmen. Darüber hinaus gibt es gemeinsame Aktivitäten wie Kochkurse oder Schwimmbadbesuche. "Balance" arbeitet eng mit dem städtischen Gesundheitsamt zusammen. Auch die Reformhaus-Fachakademie in Oberursel engagiert sich auf diesem Gebiet: Interessierte Eltern, Lehrer, Kindergärtner und Ernährungsberater erhalten dort die Möglichkeit zu einer Zusatzausbildung zum Kinderernährungsberater. (rig.)

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