https://www.faz.net/-gzg-9ne2f

Cartoonist Hans Traxler : Erinnerungen aus 90 Jahren

Manchmal, wenn der liebe Gott sich langweilt, nimmt er eine andere Gestalt an. Er hört es gar zu gern, wenn die Seligen murmeln: „Ich hätte es wissen müssen!“ Bild: Hans Traxler

Das Caricatura Museum für Komische Kunst würdigt den großen Cartoonisten Hans Traxler mit der Schau „Zum Neunzigsten“. Jede seiner Erinnerungen ist als Cartoon illustriert worden.

          2 Min.

          Wollte Hans Traxler im Alter von vier Jahren gern ein Huhn sein? Nichts zu tun haben, außer ein Ei zu legen und sonntags auch mal zwei? Daran erinnert er sich nicht mehr, außer an die Frage, die der auf einem Bauernhof im Böhmischen aufgewachsene Zeichner, Maler, Cartoonist, Illustrator und Autor als Vierjähriger gestellt haben soll: „Mama, warum bin ich kein Huhn?“ Dies ist auch der Titel der Kindheitserinnerungen, die Traxler im Frühjahr in einem zauberhaften Büchlein (erschienen im Insel-Verlag) vorgelegt hat.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In mal komischer, mal lakonischer Art erzählt er Anekdoten aus einer Idylle in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, mit der es jäh vorbei war, als 1938 die deutsche Wehrmacht in der Tschechoslowakei einmarschierte und ein Jahr später der Zweite Weltkrieg ausbrach. Gegliedert in 33 kurze Kapitel, ist jede der Erinnerungen mit einer ganzseitigen farbigen Zeichnung illustriert.

          „Ist da New York? Hallo Mutter, bist Du’s? Bitte versprich mir, Dich nicht aufzuregen! Mir ist was ganz, ganz Dummes passiert …!“ Bilderstrecke
          Cartoonist Hans Traxler : Erinnerungen aus 90 Jahren

          Die Originale dieser Illustrationen zählen nun zu den Höhepunkten der neuen Schau im Caricatura Museum für Komische Kunst, mit der das Haus Hans Traxler zum neunzigsten Geburtstag gratuliert, den er am 21. Mai feiern konnte. Es ist die zweite große Schau, die das Museum jenem Künstler widmet, der von den großen Meistern der Neuen Frankfurter Schule wohl am engsten mit der Institution verbunden ist. Die verwahrt nicht nur einen gewichtigen Teil seines zeichnerischen Werks und zeigt dieses in der regelmäßig neu gehängten Dauerausstellung, sondern verdankt ihm auch die berühmte Elch-Skulptur vor dem Eingang, die längst vielfotografiertes Markenzeichen des Caricatura Museums geworden ist. Elche gibt es in der insgesamt 345 Objekte umfassenden Schau übrigens einige zu sehen, doch ist damit die Tierwelt, die in Traxlers Werk keinen unprominenten Platz zugewiesen bekommen hat, selbstverständlich noch lange nicht erschöpft. Es gibt Begegnungen mit Katzen, Hunden, Möwen und eben auch Hühnern, alle mit jenem liebevollen Strich geschaffen, der Traxlers Arbeiten einzigartig macht. Ob er nun Cartoons zeichnet, klassische Texte oder Kinderbücher illustriert, stets strahlen seine Bilder eine Sanftheit aus, die sonst vielleicht nur noch der Franzose Sempé erreicht.

          Unter den Helden der Neuen Frankfurter Schule ist Traxler gewiss der künstlerisch Versierteste, „ein Cartoonist der Weltklasse“, wie einst Robert Gernhardt schwärmte, aber auch ein Könner mit Feder und Pinsel, der gern auch in Öl und vor der Natur arbeitet, wie in der Ausstellung nicht nur die mitunter biographisch gefärbten, wunderbar witzigen Bildergeschichten zeigen, sondern auch eine Auswahl ernsthafter Landschaftsmalerei, eine Leidenschaft, die der an der Städelschule unter anderem bei Georg Meistermann ausgebildete Traxler bis heute pflegt.

          Dieser Aspekt in Traxlers Werk mag nicht jedermann bekannt sein, wie auch nicht jeder die famosen Illustrationen kennt, die Traxler etwa für die bei der Büchergilde Gutenberg erschienene Ausgabe von Mark Twains Klassiker „Bummel durch Deutschland“ geschaffen hat. Diese Illustrationen sind ebenfalls im Original in der Schau zu bewundern, die (fast) alle Schaffensphasen des Künstlers streift und damit auch an Traxler-Klassiker wie „Aus dem Leben der Gummibärchen“, „Das Schutzengelbuch“ und „Das Teufelbuch“, „Der große Gorbi“ und natürlich „Birne. Das Buch zum Kanzler“ sowie weitere Streiche aus der „Titanic“ erinnert, jenem Satiremagazin, das er 1979 mitgegründet hat.

          „HANS TRAXLER. ZUM NEUNZIGSTEN“ bis 22. September. Frankfurt, Caricatura Museum für Komische Kunst, Weckmarkt 17. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch 11 bis 21 Uhr

          Weitere Themen

          Medizin aus der Seelen-Apotheke

          St. Gallen : Medizin aus der Seelen-Apotheke

          Himmel und Erde: Rund um den klösterlichen Stiftsbezirk mit der ältesten Büchersammlung Europas sonnt sich St. Gallen in einem weltlichen Wohlstand, der sich dem jahrhundertelangen Handel mit Textilien verdankt.

          Bierflaschen auftreten Video-Seite öffnen

          Livehack : Bierflaschen auftreten

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.